Blue Whale: neue Unterwasserdrohne an Marine übergeben
Die Marine beschafft moderne unbemannte High Tech in der Unterwasserortung und startet so den Aufbau einer hybriden Flotte.
Häfen, Seewege, Unterseekabel und Energieinfrastruktur sind Lebensadern moderner Gesellschaften. Die Zunahme von Sabotageakten verdeutlicht, dass sie bestmöglich geschützt werden müssen. Dies gilt insbesondere für kritische Infrastruktur unter Wasser. Bei SeaSEC 2026 suchen Marine, Industrie und Partnerstaaten dafür nach gemeinsamen Lösungen.
Unbemannte Systeme sind die Zukunft beim Schutz maritimer Infrastrukturen unter der Wasseroberfläche. Erprobt werden sie unter anderem bei sogenannten Industrie Challenges des SeaSEC wie hier vor der Küste von Scheveningen in den Niederlanden.
Mediacentrum Defensie (MCD) mcd@mindef.nl/Henriette GuestUnscheinbar gleitet ein unbemanntes Fahrzeug über die Wasseroberfläche. Unter ihm arbeitet ein Unterwassersystem, das Leitungen, Kaimauern und den Meeresboden prüft. Über Funk sind Sensoren, Einsatzkräfte und Führungselemente miteinander verbunden. Was nach Zukunft beim Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur klingt, wird im April 2026 Realität – bei SeaSEC Data2Sea vor der Küste von Warnemünde.
Vom 13. bis 24. April 2026 richtet die Marine in Zusammenarbeit mit dem Rostock Institute for Ocean Technology (RIOT) sowie dem Seabed Security Experimentation Center (SeaSEC) die diesjährige „Industrie-Challenge“ aus. Beteiligt sind 47 Unternehmen aus Industrie und Forschung. Gemeinsam mit der Marine sowie Partnern aus den Niederlanden, Schweden und Dänemark wollen sie neue Ansätze für den Einsatz unbemannter maritimer Systeme entwickeln. Damit diese abgestimmt agieren und unter Wasser effektiv schützen können, braucht es ein ressort-, nationen- und domänenübergreifendes Lagebild auf der Grundlage gemeinsam nutzbarer Daten. Deshalb liegt der Schwerpunkt in 2026 auf Data2Sea mit Themen wie Interoperabilität, Datenfusion und Lagebildbeitrag.
SeaSEC Data2Sea ist keine klassische Militärübung, sondern eine Erprobung. Im Mittelpunkt stehen der Austausch zwischen Streitkräften, Industrie, Forschung und Partnernationen sowie eine noch engere Verzahnung der Zusammenarbeit. Gemeinsam testen sie, wie unbemannte Systeme auf, über und unter Wasser in realistischen Szenarien einsetzbar sind. Die SeaSec Data2Sea bietet dafür einen geschützten Rahmen, in dem neue Ideen nicht nur vorgestellt, sondern direkt praktisch erprobt werden – unter realitätsnahen Bedingungen.
Warnemünde bietet dafür alles: nicht nur Hafenbetrieb, Offshore-Testfelder und Küstennähe, sondern auch ein anspruchsvolles maritimes Umfeld. Gesucht werden Antworten auf die Fragen: Wie lassen sich Häfen und maritime Infrastruktur wirksam überwachen? Wie können unbemannte Systeme frühzeitig Bedrohungen erkennen? Und wie arbeiten bemannte und unbemannte Einheiten zuverlässig zusammen?
Die Marine kann während der Erprobung der unbemannten Systeme die Vorschläge der Industrie im direkten Vergleich auf ihren Nutzen für künftige Einsätze überprüfen. Das Potenzial dieser System ist groß, denn sie können lange durchhalten, schwer zugängliche Bereiche überwachen und Risiken für Menschen reduzieren. Die SeaSEC Data2Sea zeigt, wie diese Fähigkeiten gezielt weiterentwickelt und in bestehende Strukturen integriert werden können – gemeinsam mit internationalen Partnern und abgestimmt auf Bündnisanforderungen.
Der Umgang mit hybriden Bedrohungen für die maritime Infrastruktur erfordert auch aufeinander abgestimmte Alarm- und Meldeketten zwischen Seestreitkräfte und Sicherheitsbehörden. Auch dieses harmonisierte Alarmsystem ist ressortübergreifend und stärkt damit Reaktionsfähigkeit und Schnittstellenklarheit.
Kein Staat, keine Marine und kein Unternehmen kann die sicherheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft allein bewältigen. Erst im engen Austausch entstehen tragfähige Lösungen. Die SeaSEC Data2Sea steht somit für einen Ansatz, der immer wichtiger wird: Weiterentwicklung durch Zusammenarbeit und innovatives Denken. So wird sie zu mehr als einer Erprobung. Sie ist ein Schritt hin zu einer modernen, vernetzten maritimen Verteidigung – lernfähig, partnerschaftlich und zukunftsorientiert.
von René Bischoff E-Mail schreiben