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Bilanz eines Neustarts

Kieler Woche: Sie ist wieder da

Kieler Woche: Sie ist wieder da

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Ort:
Kiel
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Auch für die Marine ist das multinationale Flottentreffen und Regattaevent am 26. Juni zu Ende gegangen. Für Beteiligte und Gäste war die ereignisreiche Woche praktisch eine Rückkehr zur Normalität wie vor der Corona-Pandemie.

Ein weißes dreimastiges Segelschiff in See, umgeben von kleineren Segelbooten.

Die „Gorch Fock“ an der Spitze der großen Windjammerparade am 25. Juni

Bundeswehr/Marcel Kröncke

Bei der Crew von HMS „Defender“ kam der Landgang in Kiel gut an. „Ein Hafenbesuch während der Kieler Woche wäre der beste in ganz Europa“, hätte laut Militärpfarrer Reverend Joshua Bell der Kommandant des britischen Zerstörers vor dem Einlaufen gesagt. „Und damit hat er absolut recht“, strahlt Bell.

Kriegsschiffe aus insgesamt zehn Nationen waren zur „Kiel Week“ am 16. und 17. Juni in den deutschen Marinestützpunkt Kiel-Wik gekommen und blieben übers Wochenende hinaus. Als vorletztes lief am 25. Juni das omanische Segelschulschiff „Shabab Oman II“ zur traditionellen Windjammerparade aus, als letztes verließ danach die marokkanische Fregatte „Tarik Ben Zayid“ den Hafen. Neun Tage internationales Flottentreffen und nordeuropäisches Volksfest waren damit wieder vorbei.

Die Kieler Woche 2022 kann für die Marine an der Förde als Erfolg gelten, denn nach zwei Jahren Pandemie-Pause kamen vor allem wieder viele Besucherinnen und Besucher in die größte deutsche Marinebasis an der Ostsee. Die drei halben Tage des offenen Stützpunkts, und besonders das damit verbundene Open Ship, lockten insgesamt rund 25.000 Gäste an.

„Das war zwar wie ein Kaltstart nach so langer Zeit, aber wir sind zurück bei normalen Besucherzahlen wie zuvor“, erklärt Stützpunktkommandeur Fregattenkapitän Lars Petersen. Er zeigt sich, trotz Herausforderungen wegen Bauarbeiten in seiner Marinebasis, sehr zufrieden: „Gerade der Sonne-Wolken-Mix am ersten Wochenende war genau richtig, war tippi-toppi!“

Die „Gorch Fock“ gehört wieder zur Kieler Woche

Blick entlang einer breiten Hafenmole, rechts und links liegen graue Kriegsschiffe, in der Mitte gehen viele Menschen.

Auf der Gorch-Fock-Mole im Marinestützpunkt Kiel: 25.000 Besucherinnen und Besucher an drei halben Tagen waren zum Open Ship gekommen

Bundeswehr/Marcus Mohr

Praktisch frisch aus einer langen Werftliegezeit zurück war das deutsche Segelschulschiff an den Open-Ship-Tagen ein Besuchermagnet. Circa 7.000 Gäste konnten in der begrenzten Zeit an Bord kommen. „Von den Kielern und anderen haben wir viel Positives gehört. Sie freuen sich, dass die ‚Gorch Fock‘ wieder zurück ist“, sagt der neue Kommandant des Schiffs, Kapitän zur See Andreas-Peter Graf von Kielmansegg.

„Die Kieler Woche mit all ihren Terminen bei uns war für meine Besatzung zwar anstrengend, aber dieser Schritt Richtung Normalität war wichtig und schön zugleich“, ergänzt er. „Denn wir sind wieder da, wo wir hingehören.“ Zum ersten Mal seit sieben Jahren war der Großsegler wieder präsent während der Kieler Woche. Für die Besatzung steht nach den offiziellen Terminen und Veranstaltungen an Bord zunächst eine kurze Urlaubphase an. Im August beginnt das Schulschiff dann seine erste reguläre Ausbildungsfahrt unter Kommandant von Kielsmansegg.

Was haben weiße Segler und graue Krieger gemeinsam?

Die „Gorch Fock“ zählte sicher zu den Highlights des Open Ship am 18. und 19. Juni – wie auch das amerikanische Landungsschiff USS „Gunston Hall“. Zwei Schiffe, die wie kaum andere die Unterschiedlichkeit der in der Basis versammelten Marineeinheiten zeigten. Zum einen die beiden herausgeputzten Großsegler der Deutschen Marine und der Königlichen Marine Omans. Zum anderen die sturmbewehrten, grauen Arbeitstiere der NATO-Flotten.

Viele der letzteren hatten direkt nach dem Ostsee-Großmanöver BALTOPS im Kieler Stützpunkt festgemacht. Allerdings waren ebenfalls viele Schiffe in See geblieben. Sie hatten nach Ende der Marine-Großübung angesichts der angespannten sicherheitspolitischen Lage bereits andere Aufträge erhalten. Nur acht der 16 an BALTOPS beteiligten Nationen waren so dieses Jahr noch bei der Kiel Week dabei. Hinzu kamen noch Oman und Marokko. Trotzdem: Zusammen lagen am ersten Wochenende des internationalen Marinetreffens immer noch über 30 Kriegsschiffe im Stützpunkt.

Auf diesen Schiffen waren über 2.000 Marinesoldatinnen und -soldaten nach Kiel gekommen. Logistikerin Christiana Ciriaco von der USS „Gunston Hall“ ist voll des Lobes. „Wir hatten zuerst nur erwartet, die Segelregatten zu sehen“, erzählt sie. „Aber die Kiel Week ist so ereignisreich für mich gewesen, und die Deutschen waren so gastfreundlich während unseres Hafenaufenthalts.“

Großes Lob von allen Seeleuten

Drei Matrosen in dunkelblauen Matrosenhemden und mit weißen, runden Mützen.

Gut gelaunt beim Open Ship auf der USS „Gunston Hall“: Logistikerin Christiana Ciriaco (r.) mit ihren Kameraden Gabriel P. Nanao (M.) und Nathan Cox (l.)

Bundeswehr/Marcus Mohr

Ciriaco hatte nur ein kurzes Wochenende mit Landgang, stellte aber für sich fest, dass Kiel ein toller Ort zum Entspannen sei. „Das Essen war großartig, es gab viel zu sehen und die Leute waren alle sehr nett“, schwärmt sie. „Mein nachhaltigster Eindruck ist aber, dass ich Seeleute verschiedener Marinen kennenlernen konnte.“

Auf HMS „Defender“ hatte Smut Wasim Khan für den diplomatischen Empfang am 18. Juni viel arbeiten müssen, erst in der Kombüse, dann als Bedienung. „Am nächsten Tag bin ich mit meinen Freunden zum Abendessen ausgegangen“, erzählt er. „Ich konnte auch einen schönen Spaziergang unternehmen und hab‘ das Festival genossen.“ „Ich mag Kiel total“, ergänzt der junge Waffentechniker Felix Barrats und grinst breit. „Ich war bei allen Ständen, hatte ein paar Drinks, hab‘ viel gegessen, hab‘ in der Stadt ein paar Dinge gekauft …“

Die persönlichen Perspektiven bestätigt Stützpunktkommandeur Petersen. „Alle ausländischen Besatzungsangehörigen haben sich hier extrem wohl gefühlt, haben mir meine Verbindungsoffiziere berichtet“, sagt Petersen.

Ein kleiner Tag der Bundeswehr bei der Marine

Neben allem Maritimen bot sich den Interessierten im Stützpunkt auch ein Tag der Bundeswehr im Kleinformat. Auf der knapp 900 Meter langen Promenade entlang des Kais zwischen Oskar-Kusch- und Gorch-Fock-Mole präsentierten sich unter anderem das Deutsche Heer, der Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis: das Fallschirmjägerregiment 31 aus Seedorf, das Panzeraufklärungsbataillon 6 aus Eutin, die Sanitätseinsatzstaffel Oldenburg/Holstein und das Spezialpionierbataillon 164 aus Husum.

Der Marinestützpunkt selbst war mit seinen Spezialisten unter den Ständen vertreten, zum Beispiel seiner Feuerwehr, der Tauchergruppe und dem Familienbetreuungszentrum. Von allen Veranstaltungen der Kieler Woche war für Kommandeur Petersen schließlich noch ein gemeinsames Event mit der Stadt Kiel eine Neuheit: die Captain’s Receptions. Am 24. Juni abends trafen so erstmals formell während einer Kieler Woche Kommandanten von Kriegsschiffen und zivile Kapitäne zusammen. „Auf diese Zusammenarbeit mit der Stadt wollen wir nächstes Jahr aufbauen“, so Petersen.

von  Marcus Mohr und Markus Ahrens  E-Mail schreiben

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