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Ministerin verabschiedet Fregatte in den Indo-Pazifik

Ministerin verabschiedet Fregatte in den Indo-Pazifik

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Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
5 MIN

Gut 30.000 Seemeilen liegen vor der Fregatte „Bayern“, die heute von ihrem Heimathafen aus Kurs auf den Indo-Pazifik genommen hat. Verabschiedet wurde die Besatzung von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, dem Marinemusikkorps Kiel, internationaler Presse sowie Angehörigen und Freunden.

Ein graues Kriegsschiff im Wasser eines Hafen; im Vordergrund auf einer Pier zwei winkende Menschen.

Familien und Freunde erwidern die Abschiedsgrüße ihrer Lieben an Bord der „Bayern“

Bundeswehr/Nico Theska

„Das, was Sie tun, findet Anerkennung und Respekt! Kehren Sie gesund wieder“, verabschiedet Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Flugdeck die Besatzung der Fregatte „Bayern“.  Pünktlich um 14 Uhr legt das deutsche Kriegsschiff in Wilhelmshaven ab mit Ziel Indo-Pazifik. Gut ein halbes Jahr werden die Männer und Frauen an Bord unterwegs sein.

Die Präsenz- und Ausbildungsfahrt ist etwas Besonderes: Häfen wie Singapur oder Tokio hat die Deutsche Marine zuletzt 2002 angelaufen. Die Fregatte „Bayern“ selbst war zuletzt 1997 in der Region.

Kurs halten im sicherheitspolitischen Gegenwind

Eine Frau mit kurzen, dunkelroten Haaren und Brille steht hinter einem Rednerpult.

Ministerin Kramp-Karrenbauer bei ihrer Rede

Bundeswehr/Nico Theska

„Der Gegenwind wird zwar rauer, aber wir lassen uns nicht vom Kurs abbringen“, ermutigt Kramp-Karrenbauer die Besatzung der „Bayern“. Gerade wenn im Indo-Pazifik versucht würde, die Freiheit der Meere einzuschränken und Gebietsansprüche mit dem Recht des Stärkeren durchzusetzen, sei es von politischer Bedeutung, Flagge zu zeigen.

Die Indo-Pazifik-Region ist weltweit die dynamischste Wachstumsregion. Die Seewege durch dieses Gebiet sind auch für Deutschland von großer Bedeutung. Über sie wird ein beträchtlicher Teil des Welthandels abgewickelt. Das macht den asiatischen Raum auch strategisch zu einer Schlüsselregion.

Eines ist der Ministerin dabei besonders wichtig: „Unser Engagement im Indo-Pazifik bedeutet, nicht gegen etwas oder jemanden zu sein, sondern gemeinsam für etwas einzustehen.“ Die Partner in der Region freuten sich auf die „Bayern“. Und auch China habe man einen Besuch angeboten, um im Dialog zu bleiben.

In der globalisierten Welt von heute zähle die wechselseitige Vernetztheit, auch und gerade über die „blauen Adern“. Dabei ginge der Beitrag der Fregatte „Bayern“ über die Indo-Pazifik-Region hinaus. Durch die Unterstützung der NATO-Operation Sea Guardian und der EU-Operation Atalanta leiste die „Bayern“ einen wichtigen Beitrag zur maritimen Sicherheit im Kampf gegen Piraterie, Waffenschmuggel und Terrorismus.

„Leinen los“: Am 2. August 2021 verabschiedete Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer in Wilhelmshaven die „Bayern“ zu einer marinediplomatischen Mission in den Indo-Pazifik. Bis Februar 2022 wird das Schiff unterwegs sein.

Zeichen setzen für eine regelbasierte Ordnung

„Machen Sie sich immer bewusst, dass Sie dort für die Bundesrepublik Deutschland fahren und erfüllen Sie Ihre Pflicht“, gibt der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, seinen Männern und Frauen in einer Grußbotschaft mit auf den Weg. Es gehe darum, zu zeigen, dass Deutschland an der Seite seiner internationalen Wertepartner für die Freiheit der Seewege und die Einhaltung des Völkerrechts in der Region eintrete.

Ein Marineoffizier in sandfarbener Arbeitsuniform.

Der Kommandant der „Bayern“, Fregattenkapitän Tilo Kalski

Bundeswehr/Nico Theska

Deshalb soll die Fregatte „Bayern“ auch an der Überwachung der Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea teilnehmen. Gemeinsame Übungen und Ausbildungen mit Partnerstreitkräften sind weitere Vorhaben unterwegs. In ihrer Rede an Bord nimmt die Ministerin auf den Marineinspekteur Bezug. Dieser habe vor kurzem gesagt, es sei Zeit, dass die Marine aus ihrer Komfortzone heraustrete. Genau dies täte die Besatzung der „Bayern“: „Diese nächsten sieben Monate werden Ihr persönlicher Beitrag dazu sein, dass diese Forderung des Inspekteurs umgesetzt wird“, bestärkt die Ministerin die Crew.

Über allem stehen die Ziele der indopazifischen Leitlinien, die die Bundesregierung im September 2020 veröffentlicht hat: Intensivierung der internationalen Kooperation, Unterstützung der Partner vor Ort und Wahrung der regelbasierten maritimen Ordnung.

Abschied mit Musik und Tränen

Ein Marinesoldat in sandfarbener Arbeitsuniform umarmt eine Frau in gelb-schwarzer Jacke.

Abschiedsweh: Mehr als ein halbes Jahr wird die Fregatte unterwegs sein.

Bundeswehr/Nico Theska

Während das Marinemusikkorps Kiel zum Auslaufen der Fregatte aufspielt, verdrücken auf der Pier einige Angehörige heiße Tränen. Aber sie sind auch sehr stolz auf ihre Soldatinnen und Soldaten an Bord.

Für die Besatzung ebenso wie für Freunde und Familie ist der Abschied nicht einfach. Fregattenkapitän Tilo Kalski, der Kommandant der „Bayern“, erklärt, warum: „Für jeden Einzelnen an Bord besteht die größte Herausforderung darin, nach bereits über 100 Abwesenheitstagen in diesem Jahr weitere 200 getrennt von Familie und Freunden zu organisieren und zu meistern.“

Für die Stammbesatzung der Fregatte sei es zunächst wichtig, die eingeschifften Soldatinnen und Soldaten anderer Einheiten, wie beispielsweise vom Marinefliegergeschwader 5 oder aus dem Seebataillon, schnellstmöglich voll zu integrieren. „Ich erwarte, dass wir in dieser Gemeinschaft dann auch die Unwägbarkeiten der weltweiten pandemischen Entwicklung durchstehen – mit der Konsequenz möglicherweise keine Landgänge zu haben“, so der Kommandant weiter.

Erste und letzte Seefahrt

Für Kommandant Kalski selbst ist es die zweite Fahrt in die Region: „Mit der diesjährigen Fahrt in den indopazifischen Raum werde ich nach 17 Jahren Seefahrt meine aktive Fahrenszeit bei der Deutschen Marine beenden. Somit schließt sich für mich auf besondere Weise ein Kreis, der als junger Offizieranwärter mit der Asien-Tour 1997 begonnen hat. Diese Fahrt ist mir eine bleibende Erinnerung und so wird auch dieses Jahr sich in allen Köpfen der Besatzung als mentales Souvenir festsetzen.“

Schiffsärztin Oberstabsarzt Ulrike S. geht zum ersten Mal auf große Fahrt und freut sich sehr: „Es ist ja schon eine Ehre, so eine Seefahrt mitbestreiten zu dürfen, und natürlich ein Riesenglück, gerade auf dem Schiff zu sein. Es wird im Leben einmalig sein.“

Als Einzelfahrer um die halbe Welt und wieder zurück

Mehrere Marinesoldaten in sandfarbenen Arbeitsuniformen winken mit dunkelblauen Mützen.

Der Kommandant und die Besatzung winken ihren Liebsten noch einmal auf Wiedersehen

Bundeswehr/Leon Rodewald

Anders als 1997, als ein Verband von vier deutschen Marineschiffen gemeinsam unterwegs war, fährt die „Bayern“ diesmal allein. Für die Fregatte als sogenannter Einzelfahrer sei die Tour ans andere Ende der Welt eine logistische Herausforderung, erklärt der Kommandant: „Dies bedarf einer unglaublichen Planung und Organisation unter Einbeziehung diverser Dienststellen, Institutionen, Firmen im Inland und im Ausland, im Prinzip in jedem Land entlang der Reiseroute.“

Durch die Nordsee und den Ärmelkanal startet die Fahrt in den Nordostatlantik und führt die „Bayern“ weiter durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer. Dann durchfährt sie den Suezkanal ins Rote Meer, überquert den offenen Indischen Ozean und erreicht im Herbst den West-Pazifik.

Auf dem Rückweg passiert die Fregatte das Südchinesische Meer und die Straße von Malakka. Schließlich endet ihr Indo-Pacific Deployment nach voraussichtlich mehr als 30.000 Seemeilen im Februar 2022 wieder in ihrem Heimathafen Wilhelmshaven.

von Barbara Gantenbein  E-Mail schreiben

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