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Mission Foch: „Charles de Gaulle“ den Rücken freihalten

Mission Foch: „Charles de Gaulle“ den Rücken freihalten

  • Kooperation
  • Marine
Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
4 MIN

Vom 12. März bis 10. April hat die deutsche Fregatte „Lübeck“ zusammen mit dem Flugzeugträgerverband der französischen Marine geübt.

Ein graues Kriegsschiff in See im Hintergrund, im Vordergrund das Flugdeck eines Flugzeugträgers.

Die „Lübeck“ im Verband mit der „Charles de Gaulle“. Auf dem Flugzeugträger ist ein Kampfjet vom Typ Rafale startbereit.

Jérémy Vacelet/Marine Nationale/État-Major des Armées

Im Nordostatlantik haben Fregatten, Zerstörer und Versorgungsschiffe rund um den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ trainiert, gemeinsam in einem großen, multinationalen Marineverband zu agieren. Dafür vertieften sie standardisierte Verfahren der NATONorth Atlantic Treaty Organization und moderne Seekriegstaktiken. Der deutschen Fregatte „Lübeck“ kamen dabei spezifische Rollen zu.

Die Fregatte der Klasse 122 der Deutschen Marine kann in einem Trägerverband wie um die „Charles des Gaulle“ vor allem durch ihre U-Boot-Jagd-Fähigkeiten unterstützen. Mit einem schiffseigenen Bugsonar und Bordhubschraubern vom Typ Sea Lynx ist sie für das Aufspüren und Abwehren von Unterwasserbedrohungen ideal aufgestellt.

Auch wenn die „Lübeck“ im Vergleich zu moderneren Fregatten relativ klein ist, haben dennoch zwei Hubschrauber im Hangar Platz. Einer ist mit einem „Dipping-Sonar“ hauptsächlich für die genaue Ortung von U-Booten, der andere mit Torpedos für deren Bekämpfung ausgerüstet.

Spezialisierung auf die U-Boot-Jagd

Auf dem Flugdeck eines Kriegsschiffs steht ein Hubschrauber, mehrere Marinesoldaten stehen daneben.

Das schärfste Schwert der U-Boot-Jagd: einer der Bordhubschrauber der „Lübeck“

Bundeswehr/Joshua Amponsah

Das leistungsfähige Bugsonar ermöglicht es der Fregatte, U-Boote über größere Entfernungen unter Wasser zu orten. Auf Basis dieser Informationen, oder über Daten von anderen verbündeten Schiffen oder Flugzeugen, gehen die Hubschrauber gezielt vor – geführt von der Operationszentrale (OPZ) des Schiffs.

Eine Flugzeugträgerkampfgruppe wird aber häufig auch durch ein eigenes U-Boot begleitet. Die „Lübeck“ besitzt zur Kontaktaufnahme mit befreundeten U-Booten mehrere Möglichkeiten. Wenn sich das Boot in der Nähe befindet, nutzt das Schiff zum Beispiel ein Unterwassertelefon.

„Übungen wie mit der Mission Foch sind für uns enorm wichtig, damit wir das Handwerk und unsere standardisierten Abläufe beherrschen“, erklärt Hauptbootsmann Mirco Thüringer, U-Jagd-Meister der „Lübeck“. „So können wir unsere Fähigkeiten immer wieder auffrischen. Und in solchen Verbänden kommen ja auch immer wieder die Schiffe neu zusammen.“

Auf den Faktor Mensch kommt es an

Die „Lübeck“ ist die älteste, noch aktive Fregatte der Deutschen Marine. Das am 19. März 1990 in Dienst gestellte Schiff hat gerade erst hat seinen 30-jährigen Geburtstag gefeiert. Das Alter merkt man ihm aber nicht an. Wenn die Technik funktioniert, ist der Mensch der ausschlaggebende Faktor.

In einem dunklen Raum sitz ein Marinesoldat in blauer Arbeitsuniform, mit Sturmhaube und Kopfhörern vor einem leuchtenden Moni

In der OPZ der „Lübeck“: Hier sitzt der Helikopterleitmeister, einer der Operateure, an seiner Arbeitskonsole, während einer Marineübung 2018.

Bundeswehr/Jule Peltzer

Mirco Thüringers Arbeitsplatz im Gefecht ist die OPZ tief im Bauch des Schiffs. Er war nur einer von mehreren Operateuren auf der deutschen Fregatte und von vielen weiteren im gesamten Verband. Alle zusammen hatten eine komplexe Aufgabe: unterschiedliche Kriegs- und Hilfsschiffe aus verschiedenen Nationen in einer gemeinsamen Gruppe zu koordinieren. Ihre Hauptaufgabe war der bestmögliche Schutz der gesamten Trägergruppe und insbesondere der wichtigsten Einheit, der „Charles de Gaulle“.

„In der Praxis müssen wir alle verfügbaren Kräfte – Schiffe, U-Boote, Hubschrauber und Flugzeuge – so einsetzen, dass sie in einem möglichst großen dreidimensionalen Raum eine potenzielle Bedrohung rechtzeitig auffassen und notfalls bekämpfen können“, erklärt Oberleutnant Joshua Amponsah, der Fernmeldeoffizier. In seiner Verantwortung lag, dass die „Lübeck“ mit allen anderen im Verband kommunizieren konnte. Dass zum Beispiel U-Jagd-Meister Thüringer mit Operateuren auf anderen Schiffen sprechen und Daten austauschen konnte.

Arbeit für die „Lübeck“ auch über Wasser

Neben ihrem Spezialgebiet des Unterwasserkampfes hatte „Lübeck“ ebenso Aufgaben über Wasser. Sie bot der „Charles de Gaulle“ Deckung, indem sich die deutsche Fregatte zwischen Flugzeugträger und der Himmelsrichtung positionierte, aus der im Ernstfall eine Bedrohung aus der Luft am wahrscheinlichsten gewesen wäre. Auch wenn die Flugabwehrraketen der „Lübeck“ nur eine relativ kurze Reichweite haben, zahlte sie mit ihren Lenkflugkörpern vom Typ NATONorth Atlantic Treaty Organization Sea Sparrow doch in die gesamte Luftverteidigung des Verbandes ein.

Oder sie hielt einfach beim Flugbetrieb den Bereich um das Flaggschiff herum von sonstigem Schiffsverkehr frei. Das Schiff, das für die „Charles de Gaulle“ diese „filter task“ übernahm, musste fremde Schiffe von der Annäherung an den Flugzeugträger abhalten, wenn dieser im Flugbetrieb fuhr.

Luftaufnahme mehrerer grauer Kriegsschiffe in See, in der Mitte ein Flugzeugträger.

Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ in der Mitte seines Verbandes, die „Lübeck“ ganz links. Die Abstände zwischen den Schiffen sind nur für die Aufnahme sehr gering; normalerweise stehen sie mehrere Seemeilen weit voneinander entfernt.

État-Major des Armées

Starten nämlich vom Träger Flugzeuge, muss das Schiff mit Höchstgeschwindigkeit einen festen Kurs gegen den Wind halten und zwischenzeitig stark manövrieren. Ein freier Umkreis von zehn Seemeilen ist dafür der nötige Sicherheitsabstand. Die „Lübeck“ oder ein anderes schnelles Schiff des Verbands stellten sich dann fremden Schiffen in den Weg, sollten sie die allgemeinen Hinweise über Funk überhört haben.

In dieser Arbeitsteilung hat die deutsche Fregatte, neben Partnern von anderen Marinen, einen wichtigen Beitrag zur Mission Foch geleistet. Ausbildungskooperation in einem multinationalen Marineverband wie in diesem Fall soll die essentielle operative Zusammenarbeit verbündeter Seestreitkräfte auf einem hohen Niveau zu halten. Damit hat die „Lübeck“ und die gesamte Mission Foch zur Sicherheit der Seewege in internationalen und in nationalen Gewässern von EUEuropäische Union- und NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitgliedstaaten beigetragen.

von Hanna Lootens  E-Mail schreiben

Zum Thema

Die Mission Foch der Marine nationale hatte ursprünglich bis zum 23. April dieses Jahres dauern sollen. Der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ musste seine rund dreimonatige Einsatz- und Ausbildungsfahrt allerdings abbrechen, weil in seiner Besatzung mehrere Verdachtsfälle auf eine Infizierung mit dem Coronavirus SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2 aufgetreten sind. Das meldete das französische Verteidigungsministerium am 8. April.

Einen direkten Personalaustausch mit der deutschen Fregatte im Verband hatte es, seit die „Lübeck“ zur Mission Foch hinzugestoßen war, grundsätzlich nicht gegeben. Bei einem Hafenaufenthalt in Brest in Westfrankreich hatte die Crew des deutschen Schiffes sicherheitshalber Landgangsverbot. Am 15. April ist die „Lübeck“ wieder in ihren Heimatstützpunkt Wilhelmshaven zurückgekehrt.

Tests haben 50 Infizierte auf der „Charles de Gaulle“ nachgewiesen. Drei erkrankte Marinesoldaten wurden ausgeflogen, noch bevor der Träger am 12. April in seinen Heimathafen Toulon eingelaufen ist. Die Redaktion Marine wünscht allen betroffenen Kameraden der französischen Marine eine baldige Genesung.

von  Presse- und Informationszentrum Marine