Mjølner: taktisches Schießen auf See
Die Deutsche Marine beteiligt sich an dem maritimen Manöver Mjølner, um den Schutz der Nordflanke der Allianz auf See zu trainieren.
Wer heute auf einer Fregatte der Deutschen Marine seinen Dienst leistet, arbeitet längst nicht mehr nur mit Radar und Funk, sondern in hochkomplexen digitalen Netzwerken. Taktische Datenlinks (TDL) sind dabei das virtuelle Rückgrat moderner Einsatzführung. Das neue System Link 22 hat nun das bisherige Link 11 abgelöst.
Wer mehr weiß, gewinnt. Kommunikation ist der Schlüssel dazu. Die Übung Mjölner 2026 in Nordnorwegen zeigt die Verteidigungsfähigkeit der Deutschen Marine, gerade im Bereich Datenlinks und Kommunikation.
Bundeswehr/Leon RodewaldLink 22 versorgt Führungs- und Waffeneinsatzsysteme in Echtzeit mit Lageinformationen und ermöglicht so ein gemeinsames, noch präziseres Lagebild auf See und in der Luft. Damit wird es zum virtuellen Rückgrat der Kriegstüchtigkeit der deutschen Seestreitkräfte – auch indem es als kommunikative Schnittstelle zu Luftwaffe und Heer fungiert. Doch wie funktioniert Link 22 und wer sorgt dafür, dass es in der laufenden Übung Mjölner 2026 und später im Einsatz fehlerfrei funktioniert?
Das tun die Spezialistinnen und Spezialisten für die Operationszentrale an Bord. Sie werden an der Marineoperationsschule in Bremerhaven ausgebildet. Die Ausbildung ist in vier aufeinander aufbauende Stufen gegliedert. Bereits in den ersten drei Monaten erwerben die Lehrgangsteilnehmenden tiefergehende Kenntnisse über die Systeme ihres Schiffstyps, wie etwa den Fregatte der Klasse F125. Diese typspezifische Systemausbildung stellt sicher, dass die Soldatinnen und Soldaten genau die Technik beherrschen, die sie künftig im Einsatz nutzen.
Mit jeder weiteren Ausbildungsstufe wächst die Komplexität: Während zunächst nur ein Link-Standard genutzt werden darf, arbeiten erfahrene Datenlink-Fachleute später parallel mit mehreren Systemen wie Link 16 oder Link 22. Den Abschluss bildet eine anspruchsvolle Zertifizierung – jedoch nicht im Klassenzimmer, sondern unter realitätsnahen Bedingungen bei multinationalen Übungen.
In Manövern wie Mjölner, MFE Andøya, Evolution Mongoose oder der Luftwaffenübung Timber Express kann das Gelernte unter Realbedingungen im Zusammenspiel mit Partnernationen und unter hoher operativer Belastung angewendet werden. Auch danach bleibt die Qualifikation nicht statisch: Alle zwei Jahre müssen die Spezialistinnen und Spezialisten ihre Fähigkeiten in einer TDL-Umgebung erneut unter Beweis stellen, um die erworbenen Kompetenzen zu erhalten.
Für Kapitänleutnant Jan-Erik ist das Manöver Mjölner 2026 der Höhepunkt seiner Ausbildung zum TDL-Coordinator. In dieser Funktion trägt er die Verantwortung für Planung, Aufbau und Betrieb des gesamten Datenlink-Netzwerks – inklusive aller Befehlsstrukturen und Beratung der Kontingentführer sowie der Manöverleitung.
Die Vorbereitung beginnt lange vor dem ersten digitalen Signal: „Am längsten hat die Anforderung der erforderlichen Kryptomittel bei den zuständigen Stellen in den USA gedauert“, berichtet Kapitänleutnant Jan-Erik über die Vorbereitung der nötigen Verschlüsselung. Parallel dazu gilt es, die Kooperation mit Verbündeten zu koordinieren, technische Parameter abzustimmen und Einsatzpläne zu entwickeln.
Eine besondere Herausforderung ist es, mehrere Staaten mit ihren jeweiligen Systemen und Verfahren in ein funktionierendes Gesamtnetz zu integrieren.
Hier wird das „Grey-Firing“ trainiert, also ein möglichst reales Szenario, in dem feindliche Kräfte mit scharfem Schuss auf Drohnen im Wasser und in der Luft feuern
Bundeswehr/Leon Rodewald
Das Kommando CIR (Cyber- und Informationsraum) stellt für die Übung einen Container sowie mehrere Antennen
Bundeswehr/Leon RodewaldBei Mjölner 2026 arbeiten die TDL-Spezialisten in mobilen Gefechtsständen in Containern, die auf einem norwegischen Fliegerhorst stationiert sind. Von dort aus steuern sie das Netzwerk, welches das virtuelle Rückgrat der Operation bildet, weisen Frequenzen zu und stellen sicher, dass alle Einheiten zuverlässig miteinander kommunizieren können.
Unter der Leitung von Fregattenkapitän Michael, Hörsaalleiter Taktische Datenlinks an der MOS, koordiniert das Team die sogenannte „Link-Abdeckung“ – vergleichbar mit Mobilfunkzellen im zivilen Bereich. „Wenn eine Zelle ausfällt, ist es wie beim Handy ohne Netz – keine Verbindung“, erklärt er. Eine lückenlose Abdeckung zu gewährleisten, ist einsatzentscheidend und überlebenswichtig. Wenn diese vollständig und reibungslos gelingt, nehmen die Handelnden auf den Schiffen im Einsatz gar nicht wahr, woher das benötigte Signal kommt.
Die Grundlage für lückenlose Kommunikation bildet ein detailliertes Befehlswerk, im NATO-Jargon OPTASK genannt. Darin sind sämtliche Parameter festgelegt, nach denen alle Schiffe ihre Systeme ausrichten.
Die TDL-Spezialistinnen und Spezialisten setzen diese Vorgaben technisch um, an Land wie auch an Bord. Und falls es doch einmal hakt? Dann wird nachjustiert. Ganz pragmatisch, wie im Alltag: mit dem Mobiltelefon – mit ausgestrecktem Arm durch die Landschaft laufen. Irgendwann klappt der Empfang bestimmt.
Eines wird bei Mjölner 2026 besonders deutlich: TDL ist weit mehr als reine Technik oder Dienstleistung. Es ist Teamarbeit, internationale Kooperation und hochpräzise Planung zugleich. Oder, wie es die beiden unisono vor Ort formulieren: „TDL ist mehr als nur eine Dienstleistung – Es ist eine Fähigkeit, die über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.“
von Dirk Heuer E-Mail schreiben