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Übung

SQUADEX in der Ostsee: Drei Tender, ein Verband, volle Einsatzbereitschaft

Einsatzausbildung

Januar 2026. Die Ostsee zeigt sich von ihrer rauen Seite. Kalte Luft, grauer Horizont, leichter Schneefall. Die Tender „Main“, „Mosel“ und „Werra“, drei Versorgungsschiffe des Unterstützungsgeschwaders, verlassen ihre Heimathäfen Kiel und Eckernförde und nehmen Kurs auf die zweiwöchige Geschwaderübung SQUADEX. Was folgt, sind Tempo, Präzision und Teamwork.

Drei Versorgungsschiffe der Marine auf See bei Sonnenuntergang

Die drei Tender „Main", „Mosel" und „Werra" beim „Päckchen" zur Übung SQUADEX

Bundeswehr/Oliver Stamm


Diese Übung ist mehr als Routine auf See. Sie ist ein intensives Testfeld für die Deutsche Marine, in dem mehrere Einheiten gemeinsam trainieren – so, wie es im Ernstfall nötig wäre: als Team, im Verband, mit klarer Führung, präziser Kommunikation und sicheren Verfahren.

Die Tender „Main“, „Mosel“ und „Werra“ übernehmen dabei eine Rolle, die in jeder Flotte unverzichtbar ist: Versorgung auf See. Treibstoff, Verpflegung, Munition, Ersatzteile – sie bringen alles längs, was andere Schiffe und Boote gerade in langen Einsätzen durchhaltefähig macht. Und oft geht es noch weiter. Auch komplexe Instandsetzungen müssen gelingen – draußen auf See, ohne Werkstatt und unter Zeitdruck.

„Die zweimal im Jahr stattfindenden mehrwöchigen Verbandsfahrten ergänzen die zuvor erfolgte Individualausbildung der Tender. Im Verband können ganz andere, intensivere und komplexere Fähigkeiten abgebildet und beübt werden“, so der Kommandeur des Unterstützungsgeschwaders der Einsatzflottille 1, Fregattenkapitän Stefan Meier-Neuhold. Die Ostsee ist kein geschützter Schulungsraum, gerade zu dieser Jahreszeit. Sie ist ein echtes Umfeld – wechselhaft, anspruchsvoll und unerbittlich ehrlich. Genau das macht den Wert dieser Übung aus.

Training, das im Einsatz entscheiden kann

Bei Versorgungsmanövern zählt jeder Meter: Die Boote laufen eng zusammen, die Abstände sind klein und die Abläufe sitzen. Während das Meer arbeitet, arbeiten die Besatzungen dagegen – konzentriert, routiniert und auftragsorientiert. Und manchmal wird es noch schwieriger: dichter Nebel, eingeschränkte Sicht und Bewegung im Verband. Fehler verzeihen die See und das Wetter nicht.

Ein weiterer Schwerpunkt: Schleppmanöver. Wenn Einheiten nicht mehr manövrieren können, muss geholfen werden – schnell, sicher und koordiniert. Hier zeigt sich, wie gut ein Verband wirklich funktioniert. Und dann gibt es diese Situationen, die nach außen ruhig wirken und innen doch höchste Präzision fordern: Auf hoher See wird filigran manövriert, bis die Schiffe schließlich eng zusammenliegen, „zum Paket verzurrt“, wie es in der Marinesprache heißt. Fast hundert Meter Stahl und doch Zentimeterarbeit – wie Zahnräder, die ineinandergreifen.

Ein Abwehrgeschütz feuert auf einem Schiff auf See.

Auch Schlauchbootabwehr ist immer wieder ein Teil der Übungen zum Ernstfall

Bundeswehr/Oliver Stamm

Luftverteidigung: Reaktion statt Routine

Neben der Versorgung trainiert der Verband auch die Verteidigung gegen Bedrohungen aus der Luft. Drohnenabwehr spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. In einem nie dagewesenen Takt, der sitzen muss: Aufklärung, Reaktion, Feuerdisziplin und Führung – alles im Sekundenbereich.

Die Besatzungen trainieren Abläufe mit Bordwaffen, beobachten, melden und beurteilen. Jeder Posten hat seinen Platz, jede Aufgabe ihre Bedeutung. Hier geht es um mehr als Trefferbilder: Es geht um Handlungsfähigkeit – unter Druck und mit Verantwortung.

SQUADEX heißt auch: Die Boote als eigenes System zu beherrschen. Und dieses System muss auch dann funktionieren, wenn es innen „brennt“. Schadensabwehr, Brandbekämpfung, Verletztenversorgung – das sogenannte innere Gefecht ist forderndes Training für die Realität. Sirenen, Atemschutz, enge Gänge, schwere Ausrüstung. Jeder Handgriff muss sitzen und jede Meldung klar sein. Denn wenn es ernst wird, ist keine Zeit für langes Überlegen.

Zwei Wochen, die einen Verband zusammenschweißen

Nach Tagen im Rhythmus aus Wache, Lage, Manöver und Ausbildung wirkt ein Hafenaufenthalt wie ein kurzer Moment zum Aufrichten. Kopenhagen bietet den Besatzungen die Chance, einmal durchzuatmen – bevor es in die zweite Übungswoche geht. Gleichzeitig ist der Besuch mehr als Erholung: Er steht auch für Partnerschaft und Austausch. Zwei NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner, zwei Marinen, ein gemeinsamer Blick auf Sicherheit und Zusammenarbeit – sichtbar bei offiziellen Terminen und spürbar im direkten Kontakt unter Soldatinnen und Soldaten.

Am Ende dieser Übung bleibt mehr als ein Ausbildungsplan auf Papier. Ein SQUADEX formt Routinen, schafft Vertrauen und bringt Einheiten auf einen gemeinsamen Stand. Was im Hafen beginnt, wird auf See zur Realität: gemeinsam handeln, gemeinsam reagieren, gemeinsam bestehen.

von René Bischoff  E-Mail schreiben

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