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Wachführer auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“

Wachführer auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“

Datum:
Ort:
Kiel
Lesedauer:
5 MIN

„Eines der letzten richtigen Abenteuer, das man heute noch erleben kann“, so bezeichnet Hauptbootsmann Robby das Leben und Arbeiten auf der „Gorch Fock“.

Ein Mann und eine Frau befinden sich an Oberdeck eines Segelschiffs.

Seit 2013 fährt Hauptbootsmann Robby auf der „Gorch Fock“ zur See, seit 2018 ist er Wachführer. Seine „rechte Hand“, die ihn unterstützt ist Hauptgefreiter Jette

Bundeswehr/Nico Theska

Seit mehr als zehn Jahren fährt der gebürtige Sachse mit der „Weißen Lady“ über die Weltmeere. Seit 2018 führt er als Wachführer seine Segelwache und gibt sein Wissen an junge Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter weiter. Im Interview erzählt er uns von seinen Aufgaben, Herausforderungen der Seefahrt und seiner Karriere bei der Marine:

Was macht ein Wachführer?

„An Bord leitet er die Segelwache an. Diese besteht aus 35 Soldatinnen und Soldaten der Crew und aus Offizieranwärterinnen und Offizieranwärtern, wenn diese an Bord sind. Es gibt grundsätzlich bis zu vier Segelwachen. Passend dazu gibt es acht Wachführer. Ziel ist die Ausbildung der Kadetten. Die umfasst die seemännische Basis und den Umgang mit der Takelage. Die Segelwache fährt dann während ihres Dienstes das Schiff zu See, wie es der Wachoffizier vorgibt.“

Welche Ausbildung mussten Sie im Voraus für diesen Dienstposten absolvieren?

„Grundvoraussetzung ist die Verwendung als Decksbootsmann bei der Deutschen Marine. Dazu kommt die seemännische Ausbildung an der Marineschule Mürwik einschließlich der Steigeberechtigung für die Takelage. An Bord angekommen, gilt es dann noch die Segelvorausbildung zu bestehen. Mit diesen Kenntnissen hatte ich dann die Grundbefähigung, um Wachführer zu werden.“ 

Ein Mann und eine Frau ziehen gemeinsam an einem Seil auf einem Segelschiff

In der Segelwache ist es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen, das Teamwork funktioniert und die „Gorch Fock“ sicher zur See fährt

Bundeswehr/Nico Theska

Welche persönlichen Qualitäten/Fähigkeiten benötigt man für den Dienstposten?

„Man darf die Arbeit nicht scheuen, sollte schwindelfrei sein und braucht hin und wieder starke Nerven. Menschen anleiten zu können und auf ihre persönlichen Stärken und Schwächen eingehen, das sind gute Voraussetzungen. Motiviert sein und auch gut motivieren können, das halte ich für wichtig. Denn mir ist immer bewusst - und das vermittle ich auch: Trotz meiner Erfahrung kann ich das Schiff nicht alleine fahren. Es kommt auf das Teamwork an.“

Ist Ihre Aufgabe an Bord mit einer zivilen Tätigkeit vergleichbar? Wenn ja, welche?

„Als Fußballfan fällt mir da sofort der Kapitän einer Fußballmannschaft ein. Er hat den Gesamtüberblick und kann die Mannschaftsteile wie Abwehr, Mittelfeld und die Offensive anleiten, um erfolgreich zusammenzuspielen und auf jede Situation zu reagieren. Je besser das Teamwork, desto erfolgreicher die Mannschaft.“

Wie kommt man als Stammcrew auf die Gorch Fock?

„Ich spreche mal davon, wie es bei mir gelaufen ist: Ich startete als Wehrpflichtiger bei der Marine auf der Fregatte „Hessen“. Ich war junger Mannschaftssoldat und ging nach dieser Erfahrung in die freie Wirtschaft. Bei meiner Rückkehr zur Marine habe ich beim Karrierecenter in Wilhelmshaven direkt den Wunsch geäußert, auf der „Gorch Fock“ dienen zu wollen. Das Interesse bei mir weckte ein Kamerad, den ich aus meiner Grundausbildung kannte. Dieser fuhr lange Zeit auf dem Segelschulschiff und berichtete von der guten Kameradschaft. Ich fühlte mich als Teamplayer natürlich sofort angesprochen. So kam es, dass ich auf dem Segelschulschiff als Unteroffizier und Angehöriger der Stammcrew zur See fuhr.

Wenn wir von der Stammcrew reden, möchte ich sagen, dass das Schiff sehr davon lebt, sein eigenes Personal an sich zu binden und zu fördern. Ich habe ab dem ersten Tag viel lernen können, und es hat mir immer viel Spaß bereitet. Spezielles Wissen über Wartungsarbeiten, die Takelage und allgemein, wie das Schiff funktioniert: So konnte ich mich bewähren und erhielt die Möglichkeit, Portepee-Unteroffizier, sprich Meister zu werden und schließlich Verantwortung als Wachführer zu übernehmen.”

Wie lange sind Sie immer auf See?

„Bei den sogenannten Ausbildungs-Auslandsreisen sind wir jedes Jahr ungefähr 100 bis 120 Tage auf See unterwegs. Dazu kommen mehrere Veranstaltungen, bei denen wir als Botschafter Deutschland und die Deutsche Marine in aller Welt präsentieren.“ 

Wirkt sich das Leben an Bord auf Ihr privates Leben aus?

„Meine Frau habe ich auf dem Schiff kennengelernt, und mittlerweile leben wir zusammen im eigenen Haus und haben zwei wundervolle Kinder. Es ist eine Herausforderung, die Seefahrt mit der Familie zu vereinbaren. Soll heißen: Ich befinde mich in einer Lebensphase, in der ich viel zuhause gebraucht werde. Gleichzeitig macht es mich sehr stolz, wenn zum Einlaufen die eigenen Kinder auf der Pier stehen und ich ihnen das Schiff zeigen kann. Inzwischen haben sich die Möglichkeiten der Kommunikation nach Hause stark verbessert. Im Auslandshafen kann man gut per Videotelefonie in der Heimat anrufen.“

Beruf mit Spaß und Leidenschaft

Wird es irgendwann eintönig, Offizieranwärterinnen und Offizieranwärtern immer das Gleiche beibringen zu müssen?

Mehrere Personen arbeiten in der Takelage eines Segelschhiffs

Die Segelwache arbeitet in der Takelage des Segelschulschiffs. Ob die persönliche Schutzausrüstung bei jedem einsatzklar und in Ordnung ist, überprüft Robby als Wachführer

Bundeswehr/Nico Theska

„Mir fällt es überhaupt nicht schwer, die Ausbildung immer wieder aufs Neue zu beginnen. Ich fühle mich dem Schiff sehr verbunden und hänge an der „Gorch Fock“. Ich übe meinen Beruf mit Spaß und Leidenschaft aus. Und was die Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter oder die neue Crew betrifft, habe ich auch eine Veränderung bemerkt. Die Kameradinnen und Kameraden kommen heutzutage mit einer anderen Vorstellung zur Marine als noch vor einigen Jahren. Somit ist Eintönigkeit kein Thema.“

Was freut Sie am meisten während ihres Alltags an Bord? 

„Als ich das erste Mal an Bord kam, war ich schon erschrocken und fragte mich, wo ich hier gelandet bin. Die Eindrücke und die Anforderungen waren überwältigend. Mir halfen die vielen altgedienten Kameraden dann schnell „in die Schuhe“. Je mehr ich das Schiff und die Abläufe verstand, desto mehr Spaß hatte ich. Und dann kommen neue Crewmitglieder oder Kadetten an Bord, denen es gilt, alles beizubringen. Anfangs ist das immer eine Herausforderung. Aber das Ergebnis ist es, was mich immer am meisten freut. Die Dankbarkeit der Kadetten und der neuen Crewmitglieder über das Erlernte. Innerhalb kürzester Zeit entsteht aus vielen unterschiedlichen und unerfahrenen Menschen ein Team, das professionell zusammenarbeitet.“

Was sind Ihre Highlights während der Zeit als Wachführer auf der „Gorch Fock“?

„Grundsätzlich ist schon die Seefahrt auf einem Segelschiff das Highlight. Anders als vergleichsweise auf einer Fregatte der Marine, wo sich alles im Schiff abspielt. Mit meiner Besatzung an Oberdeck stehen, das Schiff zur See zu fahren, angetrieben durch den Wind in den gesetzten Segeln - das ist ein Highlight.“

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