Der deutsche Seehandel nimmt 2024 Fahrt auf
Trotz abfallender Zahlen im Außenhandel haben Seehäfen im vergangenen Jahr mehr Güter umgeschlagen als 2023.
Weltweit erreicht der maritime Handel einen neuen Höchststand. Dennoch war das Jahr 2024 ein Jahr voller Unsicherheit für die Seeschifffahrt. Handelsschiffe änderten ihre Routen aufgrund der Angriffe der Huthi-Miliz im Roten Meer und im Golf von Aden sowie reduzierter Durchfahrten des Panamakanals. Dadurch schwankten auch die Frachtraten so stark wie lange nicht.
Im Hafen von Izmir in der Türkei wartet die Containerbrücke auf das nächste Schiff zum Löschen und Laden
Bundeswehr/Curt MüheMit 12,72 Milliarden Tonnen Waren erreicht der globale Seehandel 2024 das bis dato höchste Volumen laut der Welthandels- und Entwicklungskonferenz (United Nations Conference on Trade and Development, UNCTADUnited Nations Conference on Trade and Development). In ihrem Bericht „Review of Maritime Transport 2025“ veröffentlicht die UNCTADUnited Nations Conference on Trade and Development zugleich, dass im Vergleich zu 2023 der Seehandel um 2,2 Prozent gestiegen ist.
Eine größere Veränderung ergab sich bei der Tonnen-Meile. Das ist die Strecke, die eine Tonne Waren auf einem Schiff zurücklegt. Hier ergab sich 2024 eine Erhöhung um fast sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Welthandels- und Entwicklungskonferenz sieht den Anstieg der Tonnen-Meile als ein schlechtes Signal. Dies sei ein Zeichen instabiler und ineffizienter Lieferketten, nicht einer robusten Handelsausweitung. Es wurden zwar mehr Waren transportiert, aber vor allem haben sich die Transportstrecken verlängert.
Nach mehrfachen Angriffen auf Handelsschiffe im Roten Meer und im Golf von Aden durch die Huthi-Miliz meiden viele Reedereien dieses Seegebiet und damit den Suezkanal. Die Ausweichroute führt um die Südspitze Afrikas und ist etwa 30 bis 40 Prozent länger. Die Europäische Union hat im Februar 2024 die Operation Aspides zum Schutz der Handelsschiffe im Roten Meer beschlossen. Auch die Deutsche Marine hat diese Operation mit Einheiten wie der Fregatte „Hessen“ und Stabspersonal im Hauptquartier und an Bord des Flaggschiffs des Einsatzverbands unterstützt.
Schutz vor Gefahren auf See: An Bord der Fregatte „Hessen“ blickt ein Soldat der EUEuropäische Union-Mission EUNAVFOREuropean Union Naval Force Aspides auf ein Kreuzfahrtschiff im südlichen Roten Meer
Bundeswehr/Dennis KeßlerZusätzlich wurde aufgrund von Niedrigwasser, ausgelöst von einer Dürre Anfang 2024, die Anzahl der Durchfahrten des Panamakanals beschränkt. Auch hier mussten Schiffe auf längere Strecken ausweichen.
Die international gegen Russland verhängten Sanktionen haben zudem zu neuen Handelsbeziehungen geführt und die Handelsrouten russischer Güter seit 2022 im Durchschnitt verlängert. Öl, Gas und Ölprodukte aus Russland wurden vermehrt nach Asien statt nach Europa verschifft. Gleichzeitig kam statt russischem Erdgas durch Pipelines nun USUnited States-amerikanisches Flüssigerdgas, Liquified Natural Gas (LNGLiquefied Natural Gas), auf Schiffen nach Deutschland.
Tanker haben 2024 vermehrt LNGLiquefied Natural Gas transportiert. Das Volumen stieg um knapp ein Prozent, die Distanz in Tonnen-Meilen sogar um 12,2 Prozent. Der Transport von Flüssiggas, dem Liquified Petroleum Gas (LPGLiquefied Petroleum Gas), ist 2024 um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Aber auch hier hat sich die Tonnen-Meile mit 11,2 Prozent stärker als das Volumen erhöht.
Allgemein ist der Transport von Rohöl 2024 um 1,5 Prozent gesunken. Die zurückgelegte Strecke in Tonnen-Meilen ist dagegen um 1,6 Prozent gestiegen. Dies liegt laut der Welthandels- und Entwicklungskonferenz unter anderem an der längeren Strecke, die das russische Öl nach Asien zurückgelegte. Der Handel mit raffinierten Ölprodukten ist um knapp ein Prozent gesunken. Aber auch hier ist die Tonnen-Meile um 6,5 Prozent gestiegen.
Obwohl viele Länder einen Kohleausstieg geplant haben, ist der Transport von Kohle auf Frachtern auf dem höchsten Niveau seit den 1980er-Jahren. Zwar ist die Nachfrage in Europa gesunken, jedoch in stark bevölkerten Ländern wie China und Indien angestiegen. Der Transport von Kohle ist gegenüber 2023 um 3,3 Prozent angewachsen. Auch hier ist die Erhöhung der Tonnen-Meile um fast sechs Prozent ein Indiz für die Verlängerung der Transportrouten.
Der containerisierte Handel ist 2024 um mehr als sechs Prozent auf über 170 Millionen TEUTwenty-Foot Equivalent Unit (Twenty-Foot-Equivalent Unit) gestiegen. Die zurückgelegte Distanz eines Zwanzig-Fuß-Containers hat sich sogar um elf Prozent erhöht. Durch die Meidung des Suezkanals waren 2024 die Strecken für Containerschiffe durchschnittlich ein Drittel länger als im Vorjahr. Damit verbunden kam es zu größeren Schwankungen bei den Frachtpreisen, die 2024 monatlich so stark waren wie sonst nur über mehrere Jahre hinweg.
Shanghai konnte im Jahr 2024 mit 51,51 Millionen umgeschlagenen TEUTwenty-Foot Equivalent Unit einen neuen Rekord aufstellen
Nach Angaben der Welthandels- und Entwicklungskonferenz schwankten Frachtraten des Shanghai Containerized Freight Index (SCFI), der die aktuellen Preise für einen Zwanzig-Fuß-Container von und nach Shanghai anzeigt, 2024 in kurzer Zeit so stark wie lange nicht. Betrugen die Frachtraten während der Corona-Zeit über 5.000 USUnited States-Doller, sanken sie schnell wieder und lagen bereits 2023 stabil bei etwa 1.000 USUnited States-Dollar. Im Jahr 2024 gab es hingegen große Schwankungen: Der Preis für einen Zwanzig-Fuß-Container pendelte zwischen 1.820 und 3.600 USUnited States-Dollar. Dies führte zu Verunsicherungen auf dem Weltmarkt.
Auch Containerhäfen haben 2024 neue Rekorde erreicht. Laut dem World Shipping Council, einem Handelsverband der Linienschifffahrt, hat allein der Hafen von Shanghai 51,51 Millionen TEUTwenty-Foot Equivalent Unit umgeschlagen. Das entspricht fast dem Vierfachen des gesamten Containerumschlags in Deutschland. Neben Shanghai sind noch fünf weitere chinesische Häfen unter den Top Ten. Der umschlagreichste Hafen in Europa war Rotterdam auf Platz elf mit 13,82 Millionen TEUTwenty-Foot Equivalent Unit. Hamburg als umschlagsstärkster deutscher Hafen lag mit 7,8 Millionen TEUTwenty-Foot Equivalent Unit auf Platz 26.
von Presse- und Informationszentrum der Marine