1. Maritime Wirtschaft und maritimer Handel
Die Gesamtökonomie Deutschlands kann ohne maritimen Handel nicht auskommen. Bindeglied zwischen beiden ist die deutsche maritime Wirtschaft.
Kernauftrag der Seestreitkräfte ist die Landes- und Bündnisverteidigung. Dazu gehört auch ihre wichtigste Nebenaufgabe: der Schutz von Handelsschiffen. Wo lauern weltweit die größten Sicherheitsrisiken für die freie Schifffahrt – auch in Friedenszeiten? Und warum braucht die Marine ein maritimes Netzwerk?
Deutschland gehört zu den führenden Handelsnationen der Welt. Der Wohlstand des Landes und der Menschen, die in ihm wohnen, fußt ganz erheblich auf der Ausfuhr von Dienstleistungen und Waren. Exporte wie diese machen einen erheblichen Anteil am deutschen Bruttoinlandsprodukt aus. Sie schaffen und sichern Arbeitsplätze, sie sorgen für wirtschaftliche Stabilität.
Doch Waren – wie Maschinen, Fahrzeuge, Elektronikerzeugnisse oder Chemieprodukte und viele andere hochwertige Industriegüter – lassen sich praktisch nur auf dem Seeweg außerhalb Europas bewegen. Überhaupt: 80 Prozent des Welthandels erfolgen per Schiff. Deutschland macht da keine Ausnahme.
Unternehmen aus Deutschland gehören daher nicht umsonst zu den größten Reedereien der Welt. Allein die zweitgrößte Containerschiff-Flotte weltweit ist in deutschem Besitz. Die Umschlagszahlen für deutsche Ex- und Importe in Häfen in Europa und in Südostasien sind riesig. Sichere und reibungslos funktionierende Seewege sind deshalb für Deutschland von enormer Bedeutung.
Maritime Sicherheit weltweit ist daher für Deutschland eine Grundbedingung seines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlstands. Die Marine ist ein zentrales Werkzeug dafür, gemeinsam mit Verbündeten und Partner weltweit für diese Sicherheit zu sorgen. Sie knüpft daher auch ein maritimes Netzwerk.
Dieses Netzwerk reicht zu zivilen Behörden wie den Wasserschutzpolizeien und dem Bundesamt Seeschifffahrt und Hydrographie, weil nur alle diese Akteure gemeinsam die Gesamtverantwortung für maritime Sicherheit tragen können. Das Netzwerk reicht zur Handelsschifffahrt mit Reedereien und Versicherungen, weil die Marine so besser Handelsschiffe schützen kann. Und das Netzwerk reicht bis zum Schiffbau und zur maritimen Infrastruktur wie Häfen und Wasserstraßen, weil sie wichtige strategische Ressourcen beziehungsweise Anlagen sind.
Wie gefährdet diese globale Schifffahrts- und Handelsnetzwerk sein kann, belegen schon wenige die Ereignisse aus der jüngsten Vergangenheit. Als 2021 der Containerriese „Ever Given“ im Suezkanal verunglückte und diesen Weg nur sechs Tage lang blockierte, störte das die Lieferketten bis nach Deutschland. Die Folge waren erhebliche wirtschaftliche Schäden.
Solche ernsthaften Auswirkungen haben aber nicht nur Unfälle. Das zeigen die Angriffe der Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf die Schifffahrt im Roten Meer seit 2023. Sie attackieren den Welthandel mit de facto militärischen Mitteln – ein Risiko, das in auch in anderen Seegebieten besteht. Leib und Leben von Menschen sind bedroht. Steigende Preise in Europa sind nur die geringste Folge.
Hier finden Sie aktuelle Daten und Fakten zu allen fünf Themenbereichen dieses Dossiers.
Autor: Marineschifffahrtleitung | E-Mail schreiben
Veröffentlicht am: 12.11.2024, zuletzt aktualisiert am: 01.07.2025
Ort: Hamburg
Lesedauer: 6 Minuten
Die Marineschifffahrtleitung vermittelt zwischen Flotte und Handelsmarine. Ihre Reserveoffiziere sind überwiegend zivile Seefahrer.