Kein Schulabschluss? Kein Problem!

Kein Schulabschluss? Kein Problem!

  • Ausbildung
  • Personal
Datum:
Ort:
Hannover
Lesedauer:
3 MIN

Drei junge Mannschaftssoldaten wollen Karriere bei der Bundeswehr machen. Doch dafür müssen die Obergefreiten Nicolas Herhold, Daniel Neurohr und Ronny Kühn ihren Hauptschulabschluss nachholen. Die Bundeswehr macht es möglich. Und so drücken die drei an der Bundeswehrfachschule in Hannover für ein halbes Jahr die Schulbank. Ihr Ziel? Unteroffizier werden!

Es gibt viele Gründe, warum es mit der Schule nicht geklappt hat. Oft sind es schlechte Noten oder zu viele Fehltage. Bei Daniel Neurohr war es ähnlich. Da er aber immer schon zur Bundeswehr wollte, entschloss er sich, Mannschaftssoldat zu werden. Für diese Laufbahn braucht er den Schulabschluss nicht. 

Ronny Kühn wird an der Bundeswehrfachschule Hannover unterrichtet

Obergefreiter Ronny Kühn (links) macht an der Bundeswehrfachschule Hannover seinen Hauptschulabschluss

Bundeswehr / PIZ Personal

96 Tage Schulbank drücken

Doch Obergefreiter Neurohr und die Obergefreiten Nicolas Herhold und Ronny Kühn wollten mehr erreichen. Sie nutzten ihre Chance und drückten mit fünf weiteren Kameradinnen und Kameraden nochmals die Schulbank. In sechs Monaten und 34 Wochenstunden Unterricht lernten sie Mathematik, Deutsch, Englisch, aber auch Geschichte und Wirtschaftslehre. Neben Biologie und Physik während des Unterrichts kamen nachmittags Hausaufgaben, aber auch Freizeitprogramme hinzu.

Erfahrene Lehrkräfte helfen

Damit die Marinesoldaten ihre schriftlichen und mündlichen Prüfungen am Ende bestehen, wurden sie durch erfahrene Lehrkräfte, wie beispielsweise die Klassenlehrerin Dorothea Geyer, gezielt gefördert, betreut und unterstützt. „An der Schule kann ich super lernen. Ich glaube, dass im Unterricht jeder mithalten kann. Man muss es nur wollen“, beschreibt Obergefreiter Herhold seine Erfahrung.

Lehrkraft Dorothea Geyer beschreibt das Experiment an der Tafel

Klassenlehrerin Dorothea Geyer erklärt den Schülern ihr Experiment

Bundeswehr / PIZ Personal

Neue Lieblingsfächer entdeckt

Wenn es doch mal mit dem Lernen nicht vorangeht, dann sind die Lehrkräfte und der Zugführer für die Schüler da. Ihr Zugführer gibt ihnen sogar früh morgens Nachhilfe, noch bevor es mit neuem Schulstoff im Unterricht weitergeht.  

„Meine Lieblingsfächer sind jetzt Betriebswirtschaftslehre und Mathe. Früher haben die mir überhaupt keinen Spaß gemacht“, sagt Neurohr. Und House-Musik-Fan Ronny Kühn ergänzt: „Mein Lieblingsfach an der Schule ist Physik. Ich hatte schon immer Interesse an Astrophysik. Die Frage nach der Herkunft der Menschheit finde ich faszinierend.“

Mannschaftssoldat Neurohr bearbeitet die Daten des Experiments am Computer

Obergefreiter Daniel Neurohr wertet das Experiment am Computer aus

Bundeswehr / PIZ Personal

Deutschlandweit anerkannter Schulabschluss

Neben der aktiven Beteiligung im Unterricht mussten alle Teilnehmer zwei bis drei Klassenarbeiten oder andere Leistungsnachweise erbringen. Zum Lehrgangsabschluss galt es mehrere schriftliche Prüfungen zu absolvieren. Externe Pflichtprüfungen in Deutsch, Mathematik und Wirtschaftslehre. Daneben mindestens zwei mündliche Prüfungen in frei gewählten Prüfungsfächern.

Der Hauptschulabschluss an der Bundeswehrfachschule wird deutschlandweit in allen Bundesländern von den Schulbehörden anerkannt

, unterstreicht Dorothea Geyer die Vorteile, die mit dem nachgeholten Abschluss einhergehen.

Dorothea Geyer, Lehrkraft an der Bundeswehrfachschule in Hannover mit dem Modellschiff Whiskey 81

Die selbstgebaute „Fregatte Whiskey 81“ ist im Unterricht ein sicherer Aufbewahrungsort für Mobiltelefone

Bundeswehr / PIZ Personal

Richtige Entscheidung, gute Perspektiven

Nicolas Herhold würde sich immer wieder für die Bundeswehr entscheiden: „Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie mein Leben sonst verlaufen wäre. Jetzt habe ich die Chance, bei der Bundeswehr in der Laufbahn der Unteroffiziere Karriere zu machen.“

Das Projekt Mannschaften ohne Schulabschluss

Das Projekt „Mannschaften ohne Schulabschluss“ wurde durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, das Bildungszentrum der Bundeswehr, in Zusammenarbeit mit der Bundeswehrfachschule Hannover und der Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildungs-Betreuungsstelle konzipiert. Ziel ist es Mannschaftssoldatinnen und -soldaten eine neue berufliche Perspektive bei der Bundeswehr zu bieten.


Soldatinnen und Soldaten, die sich für einen Laufbahnwechsel interessieren, aber über keinen Hauptschulabschluss verfügen, können diesen im Rahmen des Projektes erlangen. Der Lehrgang dauert sechs Monate und findet an der Bundeswehrfachschule in Hannover statt. Teilnehmen können sowohl Soldatinnen und Soldaten auf Zeit, als auch Freiwillig Wehrdienstleistende, deren Restdienstzeit mindestens 18 Monate beträgt.

Mehr Informationen zum Bildungsangebot der Bundeswehr

http://www.bildungszentrum.bundeswehr.de

Hier kannst du mehr über die Bundeswehr erfahren

http://www.bundeswehrentdecken.de/


von Tobias  Kliesing  E-Mail schreiben