Mit Abstand zum Offizier - Beförderungsappell in Hamburg

Mit Abstand zum Offizier - Beförderungsappell in Hamburg

  • Studium
  • Personal
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
2 MIN

400 Oberfähnriche und Oberfähnriche zur See sowie sechs französische Kadetten wurden heute mit Wirkung zum 1. Juli zu Leutnanten oder Leutnanten zur See und damit zu Offizierinnen und Offizieren ernannt. Anders als gewohnt traten die Studierenden unter Corona-Bedingungen an: Mit großem Abstand und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

französische Soldaten in einer Reihe

Auch sechs französische Kadetten wurden während ihres Studiums in Hamburg befördert

HSU/Ulrike Schröder
Viele Soldatinnen und Soldaten in einer Reihe auf Rasen

Soldatinnen und Soldaten sind mit großem Abstand zur Beförderung angetreten

HSU/Ulrike Schröder

Die Ernennung zum Offizier ist ein besonderer Moment im Leben eines Soldaten, daran erinnerte der Leiter des Studierendenbereichs, Oberst Bjarne Krause, in seiner Begrüßung. Üblicherweise feiert die Helmut-Schmidt-Universität diesen Moment mit einem großen Familienfest, dem jährlichen „Open Campus“. In diesem Jahr war alles anders.

Ministerin - Dank und klare Worte per Videobotschaft

Der sogenannte „Große Beförderungsappell“ fand am 25. Juni 2020 aus Platzgründen in drei Durchgängen nach Fachbereichen gegliedert statt. Die Formation bestand dabei ausschließlich aus den zu befördernden Soldatinnen und Soldaten und deren Disziplinarvorgesetzten. Mit zwei Metern Abstand in jede Richtung waren die Studierenden bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Sportplatz der Universität angetreten. Der Platz reichte unter diesen besonderen Bedingungen nicht für die ansonsten übliche Ehrenformation mit Musikkorps.

Die Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-Karrenbauer, war mit einer Videobotschaft auf einer großen LED-Wand zu sehen. „Ihr Dienst als Offizier geht einen entscheidenden Schritt weiter als das, was den meisten Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern abverlangt wird“, sagte die Ministerin und bedankte sich bei den Soldatinnen und Soldaten für ihre Bereitschaft zum Einsatz. Die Ministerin betonte die Verantwortung der Offiziere nicht nur für die ihnen unterstellten Männer und Frauen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Sie wandte sich entschieden gegen jede Art von Extremismus: „Unsere Bundeswehr steht fest auf dem Boden des Grundgesetzes. Es gibt gegen Soldaten keinen Generalverdacht auf Rechtsextremismus. Aber wir müssen noch entschlossener daran arbeiten, dass nicht einige Wenige das Ansehen der Bundeswehr nachhaltig beschädigen.“ Extremisten jeglicher Couleur hätten in unserer Bundeswehr keinen Platz, sagte die Ministerin.

Studium als Hilfe auch bei unbekannten Herausforderungen

Universitätspräsident Professor Dr. Klaus Beckmann brach in seiner Ansprache das Wesen des Offizierberufs auf drei Aspekte herunter: Entscheidung, Führung und Verantwortung seien die Herausforderungen, auf man sich einließe, wenn man sich für die Offizierslaufbahn entscheide. „Entscheiden, Gestalten, Verantwortung tragen – darauf bereitet vor allem ein wissenschaftliches Studium vor. Zunehmende Ungewissheit und Unklarheit von Lagen, die Komplexität möglicher Szenarien ohne ein eindeutiges „Kriegsbild“, die Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit von Aufgaben, der „Comprehensive Approach“ und die Beschleunigung künftiger Entwicklungen – einschließlich von „Black Swans“ und Entwicklungen mit disruptiven Konsequenzen – fordern von der Ausbildung der Offiziere, noch mehr als bislang, auf die Bewältigung des Unbekannten vorzubereiten“, sagte der Präsident.

Eine Soldatin mit viele weiteren Soldatinnen und Soldaten

Die Disziplinarvorgesetzte befördert die Studierenden

HSU/Ulrike Schröder

Man erwarte von den Offizierinnen und Offizieren, dass Sie über dreißig Berufsjahre in anspruchsvollen Fach- und Führungsverwendungen Höchstleistungen erbrächten. Das sei nur möglich, sofern das Studienwissen, das zu Beginn der Karriere erworben wurde, aktualisiert und erweitert und das eigene Denken und Handeln auf den Prüfstand gestellt und reflektiert würde, so Beckmann weiter. Methodenkompetenz, Selbstlernfähigkeit und Kritik- und „Utopiefähigkeit“ seien die drei Dinge, die man vom Studium mitnehmen müsse, um der neuen Rolle als Offizierin und Offizier und Akademiker und Akademikerin gerecht werden zu können.
 

von Dietmar Strey  E-Mail schreiben