Reicht Abi aus? Weshalb Offiziere studieren

Reicht Abi aus? Weshalb Offiziere studieren

  • Studium
  • Personal
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN
An den Universitäten der Bundeswehr studieren künftige militärische Führungskräfte. Hier lernen sie für ihren Beruf und für das Leben. Oberst Bjarne Krause leitet den Studierendenbereich der Helmut-Schmidt-Universität. In der Studienzeit ist er der Vorgesetzte der studierenden Soldatinnen und Soldaten. Im Interview erläutert er den Wert des Studiums für Offiziere und weshalb Abitur allein nicht ausreicht.
Oberst Bjarne Krause vor dem Stabsgebäude des Studierendenbereichs der Helmut Schmidt Universitätin Hamburg

Oberst Bjarne Krause leitet den Studierendenbereich an der HSU. Er ist militärischer Vorgesetzter der studierenden Offiziere während des Studiums

HSU/Michael Schinner

Weshalb brauchen Offiziere der Bundeswehr ein akademisches Vollstudium?

Offiziere sind heute mit komplexen Fragestellungen konfrontiert. Das betrifft die Auslandseinsätze, in denen wir gemeinsam mit internationalen Partnern einen vernetzten Ansatz verfolgen. Das betrifft aber auch den normalen Betrieb im Inland. Die Bundeswehr ist eine hochgradig arbeitsteilige Organisation. Und es betrifft nicht zuletzt den täglichen Übungs- und Ausbildungsbetrieb und die Anforderungen in der Truppe. Moderne Waffensysteme müssen vernetzt und effektiv zum Einsatz gebracht werden. Für mich ist die Frage deshalb eine Grundsätzliche:

Welche Art von Denke muss ich haben, um in diesem System von Komplexität und Kompliziertheit zurechtzukommen?

PIZ Personal/Ulrich Veen

Reicht das normale Abitur und eine Ausbildung in der Truppe dafür nicht aus?

Da reicht das normale „Schul-Ein-mal-Eins“ aus meiner Sicht nicht aus. Ich brauche nicht nur Fachwissen, sondern auch Methodenkompetenz. Das gilt für meine eigene Führungsrolle oder für eine Beraterrolle, in der ich eine Entscheidung vorbereite. Ich muss alle Aspekte so zusammenführen, dass eine Führungsentscheidung möglich wird. Dazu muss ich auch komplexe Sachverhalte in ihrer Gesamtheit, mit all ihren Facetten erfassen.

Zugleich muss ich in der Lage sein, diese Komplexität systematisch zu durchdringen und am Ende zu einer qualifizierten Bewertung zu gelangen. Auch eine Bachelor- oder Masterarbeit endet ja nicht mit der Einsicht, dass die Dinge kompliziert sind und man jetzt alles Mögliche tun könnte. Sondern sie endet mit einer auf das Wesentliche abgestimmten Auswahl an Lösungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen.

Man muss sich also fokussieren und konzentrieren - und das mit einer Methodik, die ich hier lerne.

Ich nehme also Methodenkompetenz mit, die ich auch, in den ersten Jahren meiner Dienstzeit mal mehr oder weniger intensiv, aber spätestens ab der Ebene Kompaniechef permanent anwenden kann.

Außerdem werden nicht alle Studierenden später auch Berufssoldat. Rund zwei Drittel unserer Studierenden verlassen den aktiven Dienst nach dreizehn Jahren als Zeitsoldat. Für diese Gruppe ist das Studium auch der Grundstock für ihre Karriere nach der Bundeswehr.

Geht es auch darum, die Kampfkraft der Truppe zu erhöhen, etwa durch militärisch oder sicherheitspolitisch geprägte Studiengänge?

Ja und Nein! Das Studium ist zivil strukturiert und die Universitäten der Bundeswehr stehen auch Studierenden offen, die nicht zur Bundeswehr gehören. Niemand will eine Offiziersausbildung, die sich allein auf militärisches Fachwissen beschränkt. Das starke Schwert des akademischen Betriebs und damit des Studiums ist ja gerade die Freiheit von Forschung und Lehre. Ein Studiengang muss aber auch nicht zwingend inhaltlich militärisch ausgerichtet sein, um einen Mehrwert für die Offiziere zu haben.

Statt um „Kampfkraft“ im engeren Sinne geht es hier eher darum, die allgemeine Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu erhöhen.

Ich würde die Brücke zum militärischen Nutzen weniger im Inhalt der Seminare sehen, als in den Methoden, die man an die Hand bekommt. Man kann auch ganz grundsätzlich die Frage stellen, inwiefern sich das in einer modernen Armee überhaupt noch trennen lässt: Ist ITInformationstechnik militärisch? Sind Ingenieurs- oder Organisationswissenschaft militärisch?

Da muss eben nicht zwingend Militär oder Sicherheit oder Verteidigungspolitik draufstehen. Es wäre aus meiner Sicht als Soldat für die Bundeswehr wünschenswert, wenn der Mehrwert des Studiums auch überall so ankommt.

Darum geht es im zweiten Teil des Interviews:

Als Führungskraft in der Bundeswehr lernen die Studierenden für ihren Beruf und für das Leben. Im zweiten Teil erfahren Sie kommende Woche, wie die Studierenden zu Offizieren mit Herz und Verstand werden.

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