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Strong Blue

„Wir haben die Übung mit der Bundeswehr als Bereicherung wahrgenommen“

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Das Sanitätsregiment 1 und das Kreiskrankenhaus Weißwasser übten vom 30. August bis 2. September 2024 gemeinsam die Versorgung von Verletzten. Dabei nutzten die Sanitätskräfte für die militärische Rettungskette auf der Übung Strong Blue auch die Infrastruktur der Klinik. Diese Kooperation ist in Art und Umfang bundesweit bisher einzigartig.

Viele Personen, die sich um einen Verletzten kümmern

Bereits bei der Anlieferung der Verletzten vor der Notaufnahme des Krankenhauses arbeiten zivile und militärische Kräfte zusammen

Bundeswehr/Patrick Grüterich

Ein paar Zuschauer säumen den Straßenrand vor dem Kreiskrankenhaus in Weißwasser. Sie sind neugierig geworden, denn immer wieder rollen olivfarbene Fahrzeuge der Bundeswehr vor die Notaufnahme der sächsischen Klinik. Sowohl Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsregimentes 1 aus Weißenfels als auch zivile Mitarbeitende des Klinikums trainieren gemeinsam einen sogenannten Massenanfall von Verletzten (ManVMassenanfall von Verletzten). 

„Das fetzt hier“, fasst Schwester Susi* kurz ihre ersten Eindrücke zusammen. Sie arbeitet in der Notaufnahme und ist trotz der in Wellen einströmenden Übungsverletzter bei guter Laune. „Die Arbeitsweise der Bundeswehr ist anders – zackiger würde ich sagen“, ergänzt die Schwester. Dabei ist der Hintergrund der Übung durchaus ernst. Die andauernden Kriege und Krisen machen es erforderlich, dass sich der Sanitätsdienst im Bündnisfall auch auf die Versorgung einer großen Anzahl Verletzter und Erkrankter einstellen muss. Das geht nur mit einer guten Zivil-Militärischen Zusammenarbeit. Und diese muss geübt werden.

Nutzung fester Infrastruktur hat Vorteile

Oberfeldarzt der Reserve Dr. Johannes Pflumm ist der klinische Direktor für die Übung. Er verantwortet den Patientinnen- und Patientenfluss von der Ankunft bis zum Abtransport. Durch die Überlastung der medizinischen Kapazitäten aufgrund zu vieler Verletzter bei einem ManVMassenanfall von Verletzten, bei der Bundeswehr MASCALMass Casualty genannt, müssen die zu Versorgenden möglichst schnell gesichtet und im Krankenhaus verteilt werden. Im zivilen Berufsleben ist der Mediziner Oberarzt für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie in einem Wernigeröder Krankenhaus. Als Reservist kennt Pflumm beide Seiten und Arbeitsweisen. Die Einbettung eines zivilen Krankenhauses in die Rettungskette der Bundeswehr ist für ihn etwas Besonderes.

Für den Reserveoffizier hat die Nutzung vorhandener ziviler Infrastruktur für die sanitätsdienstliche Versorgung von Verwundeten einige Vorteile. So sind die militärischen Sanitätseinrichtungen in fester Infrastruktur schneller einsatzbereit, da beispielsweise der Aufbau der Zelte entfällt. Feste Gebäude bieten mehr Schutz vor Beschuss, Aufklärung durch Drohnen und vor Witterung. Insbesondere an heißen Tagen sind die Zelte der beweglichen Behandlungseinrichtungen eine körperliche Herausforderung.

Schnittstelle Triage 

Vor der Notaufnahme des Krankenhauses steht auf einer grünen Wiese ein Bundeswehrzelt. Absperrbänder weisen den Weg zur Triage – Arbeitsplatz von Oberfeldarzt Dr. Marc R.* Der Triage-Arzt ist bei einem ManVMassenanfall von Verletzten eine wichtige Schnittstelle für die Steuerung des Flusses der Patientinnen und Patienten. Er teilt die Verletzten – allesamt Übungsdarsteller – in vier verschiedene Kategorien ein. Nach einer kurzen Übergabe und Untersuchung entscheidet der Mediziner, wann und mit welcher Priorisierung der oder die Verletzte behandelt wird. 

Der einsatzerfahrene Facharzt für Anästhesie- und Intensivmedizin ist nicht allein. Ein Team aus Mitarbeitenden der Klinik und Sanitätskräften der Bundeswehr arbeiten Hand in Hand. Oberfeldarzt R. ist begeistert, wie gut diese Zusammenarbeit funktioniert: „Eine positive Erkenntnis für mich ist, dass eine Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus im Ernstfall funktionieren würde.“

Und dieser positive Teamgeist ist in allen Bereichen von der Triage über die Notaufnahme, Schockraum bis in den Operationssaal spür- und sichtbar. Auch Pflumm bezeichnet die Zusammenarbeit mit der Klinik aus Weißwasser als Glücksfall. „Das hat all meine Erwartungen übertroffen. Wie uns die zivile Belegschaft und die Krankenhausleitung entgegengetreten sind, das war schon unglaublich.“

Portraitbild einer Person Bundeswehr/Patrick Grüterich
„Wir haben mit dem Kreiskrankenhaus Weißwasser einen Partner gefunden, der uns alle Türen geöffnet hat, um diese Übung zu einem Erfolg zu bringen.“

Aber auch der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Weißwasser, Steffen Thiele, zieht ein positives Fazit: „Wir haben die Übung mit der Bundeswehr als Bereicherung wahrgenommen.“ Für das Krankenhaus war es die erste zivil-militärische Übung. Thiele bewertet die Erkenntnisse aus solcher Zusammenarbeit für beide Seiten als gewinnbringend und dient als Vorbild für weitere Übungen zwischen Bundeswehr und zivilen Gesundheitseinrichtungen.

*Namen zum Schutz abgekürzt.

von Uwe Henning

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