Feldjäger üben Landes- und Bündnisverteidigung
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Thüringen
- Lesedauer:
- 3 MIN
Kritische Infrastrukturen, zum Beispiel Kraftwerke zur Energieversorgung, Häfen als logistische Drehscheiben oder Talsperren zur Trinkwasserversorgung sind im Verteidigungsfall mögliche Angriffsziele für gegnerische Kräfte. Sie zu schützen, ist eine Aufgabe der Feldjäger. Ein Auftrag, der in den Fokus der Ausbildungen und Übungen gestellt wird.
Zugriff! Spezialisten der Feldjäger dringen in ein Gebäude des Wasserwerkes ein. Darin vermutet man Saboteure der gegnerischen Kräfte.
Bundeswehr/Susanne HähnelDer Krieg in der Ukraine gibt ein aktuelles, alarmierendes Beispiel dafür, wie gefährdet kritische Infrastruktur im Verteidigungsfall ist. Durch die Sprengung eines Staudamms am Dnjepr wurde nicht nur das dazugehörige Wasserwerk zerstört, sondern auch das Umland überschwemmt und unpassierbar gemacht. Neben der daraus resultierenden Naturkatastrophe sind zudem Menschen auf der Flucht. Der mutmaßliche Grund für die Zerstörung war offenbar, die Beweglichkeit von Truppen einzuschränken, um daraus Vorteile für das eigene Operationsziel zu ziehen.
Damit sind bereits zwei wichtige Fähigkeiten der Feldjägertruppe benannt: Der Schutz kritischer Infrastruktur und das Verkehrsleitnetz stehen im Lastenheft der deutschen Militärpolizisten. Letzteres gewährleistet die Beweglichkeit der eigenen Kräfte durch Absichern, Überwachen und Reglementieren der Marschrouten und -straßen. Nur wenn das funktioniert und koordiniert wird, erreichen Kampfverbände zur rechten Zeit den richtigen Ort. Das Aufgabenspektrum der Feldjäger reicht dabei von der Unterstützung bei der Verlegung nationaler und internationaler Truppenteile während des Transits durch Deutschland bis zur Landes- und Bündnisverteidigung und den damit verbundenen Truppenbewegungen.
So bildeten der Schutz kritischer Infrastruktur und der Aufbau eines Verkehrsleitnetzes den Schwerpunkt der Übung Orange Road des Feldjägerregiments 3. Dessen Stab hat den ersten Durchgang des Jahres 2023 modular angelegt, um die beteiligten Einheiten aus ganz Deutschland in der Landes- und Bündnisverteidigung zu stärken. Lag der Fokus jahrelang eher auf den Auslandseinsätzen mit besonderen Herausforderungen, verschob sich angesichts der Zeitenwende der Schwerpunkt wieder auf sozusagen traditionellere Aufgaben. Modular bedeutet im Fall der Übung Orange Road, dass Kompanien für jeweils 72 Stunden in eine dynamische Lage versetzt werden; eine Lage, die sich durch Reaktionen und Entscheidungen der Führenden weiterentwickelt. Schiedsrichter überwachen und bewerten den Ablauf und geben den Beteiligten eine Rückmeldung. Kräfte der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr- und Sanitätstruppe ergänzen die Feldjäger und tragen mit zu einem realistischen Bild bei.
Die Streitkräftebasis (SKBStreitkräftebasis) koordiniert mit den Spezialistinnen und Spezialisten der Feldjäger die Verlegung von Truppenteilen der Bundeswehr und den Streitkräften befreundeter und verbündeter Nationen durch Deutschland auf dem Weg an einen Krisenherd oder in einen Übungsraum. Kolonnen müssen freie Fahrt bekommen, auch im zivilen Umfeld. An Kreuzungen und Knotenpunkten unterstützen Militärpolizistinnen und -polizisten ebenso, wie beispielsweile beim Auffahren auf Autobahnen. Sie erkunden in diesem Zusammenhang die Routen und organisieren deren Sicherung und Überwachung. Orange Road hielt für die Übungsteilnehmenden einige „Überraschungen“ bereit. So wurden die Kontrollposten von gegnerischen Saboteuren angegriffen, an einer wichtigen Kreuzung wurde ein schwerer Unfall nachgestellt. „Damit wollen wir den Blick für Maßnahmen im Sinne der Landes- und Bündnisverteidigung schärfen“, erklärt Oberstleutnant Marco L., der das Übungsszenario maßgeblich mitgestaltet hatte. So sei neben der Versorgung von Verletzten an einer Unfallstelle eben auch das rasche Freimachen der Straße und das Regeln des nachfolgenden Kolonnenverkehrs eine wesentliche Leistung, die erbracht werden müsse. Der verzögernde Stau einer großen LKW-Kolonne mit Versorgungsgütern könnte an der vorderen Linie der Verteidigung verheerende Folgen haben. „Dies gilt es stets zu bedenken“, so der Stabsoffizier weiter.
Sichere Homebase: Im Feldlager versorgen sich die Kompanien und im Gefechtsstand werden die Lagen gesteuert
Bundeswehr/Ben Dibowski
Nicht immer sind Menschen den Streitkräften gegenüber freundlich gesonnen. Demonstrierende dürfen aber nicht in das Tanklager gelangen!
Bundeswehr/Ben Dibowski
Absichern! Präzisionsschützen sichern die Zugriffskräfte während ihrer Operation
Bundeswehr/Ben Dibowski
Schwierig zu sichern: Das Tanklager ist herausfordernd
Bundeswehr/Ben Dibowski
Die Übung Orange Road trainierte in ihrem ersten Durchgang 2023 unterschiedliche Fähigkeiten der Feldjäger, insbesondere der Schutz kritischer Infrastruktur und das Verkehrsleitnetz
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Überwachen! Mit Recht als eine kritische Infrastruktur bezeichnet: Tanklager stellen ein Ziel in bewaffneten Auseinandersetzungen dar. Feldjäger arbeiten zu deren Schutz eng mit anderen Behörden zusammen.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Erheben und ermitteln ist eine wesentliche Fähigkeit der Feldjägertruppe. Die Übung Orange Road hielt auch „Tatorte“ bereit. Solche Ermittlungen sind – etwa bei Kriegsverbrechen -auch im Zusammenhang mit der Landes- und Bündnisverteidigung zu führen.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Auch das müssen Feldjäger können: Eine unentbehrliche Fachkraft des Wasserwerkes soll sicher zum Einsatzort verbracht werden.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Was geht hier vor? Der Fund eines Sprengsatzes ist ein realistisches Szenario im Zusammenhang mit dem Schutz kritischer Infrastruktur.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Enge Abstimmung: Die Übungsteilnehmenden müssen zusammenarbeiten und die Lage stets im Blick behalten
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Freihalten! Marschrouten sind essentiell für den Erfolg militärischer Operationen. Die Truppe muss sich frei bewegen können.
Bundeswehr/Susanne HähnelDer Schutz kritischer Infrastruktur, kurz KRITISKritische Infrastrukturen, ist eine gemeinsame Aufgabe aller Behörden. Die Feldjäger, als Militärpolizei schnell einsatzfähig und flächendeckend verfügbar, leisten dazu einen Beitrag. Auch das wurde geübt. Die Ohratalsperre im Thüringer Wald bot dazu ebenso eine passende Kulisse, wie ein Tanklager nahe des Standorts Ohrdruf, auf dessen Standortübungsplatz auch Feldlager und Gefechtsstände aufgebaut waren. Also genügend „Spielraum“, um viele Fähigkeiten der Soldatinnen und Soldaten abzurufen. So brachten Personenschützer wichtige Mitarbeitende des Wasserwerkes zu ihrem Arbeitsplatz. Sie waren laut Planung durch Anschläge gefährdet. Dennoch, so die Fortschreibung der Lage, konnten Saboteure sowohl hier, als auch im Tanklager ihr Unwesen treiben, was die eingesetzten Kräfte in Atem hielt. Für diese Rahmenlage – vergleichbar mit einem Drehbuch – wurden viele „Soldatinnen und Soldaten in darstellender Funktion“ eingesetzt, die ihre Rollen überzeugend ausfüllten.
von Ralf Wilke E-Mail schreiben