Multinationaler Austausch über Tradition und Moderne

Multinationaler Austausch über Tradition und Moderne

  • Ausbildung
  • Offizierschule des Heeres
Datum:
Ort:
Dresden
Lesedauer:
4 MIN

Wer die Offizierschule des Heeres (OSHOffizierschule des Heeres) schon einmal besucht hat, der weiß: Traditionelle Architektur gepaart mit modernen Vorlesungsgebäuden bieten Campusathmosphäre und den Raum zum Austausch. In einer Zeit, in der der Wandel des 21. Jahrhunderts die Taktzahl bestimmt, strahlt die Graf-Stauffenberg-Kaserne, in der die OSHOffizierschule des Heeres eingebettet ist, Ruhe aus. Doch es herrscht keinesfalls Stillstand. Moderne Ausbildungsmittel dienen hier als Grundstock einer erfolgreichen Ausbildung des Führungsnachwuchses des deutschen Heeres: ein einsatzfähiger und professioneller Offizier als Führer, Ausbilder und Erzieher.

Sie hingegen haben ihr Offizierspatent schon vor Jahren erhalten: Die erfahrenen Stabsoffiziere aus der ganzen Welt - von Brasilien über Singapur bis nach Benin – absolvieren derzeit den internationalen Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Heute führt ihre Ausbildung sie nach Dresden. Ein Blick in die Ausbildungsmethoden und -inhalte der OSHOffizierschule des Heeres gibt die Grundlage, um über den Stand der eigenen Militärakademien zu sprechen.

General Hein bringt es auf den Punkt: Wir formen hier den einsatzfähigen und professionellen Offizier.

General Hein bringt es auf den Punkt: Wir formen hier den einsatzfähigen und professionellen Offizier.

Bundeswehr / Kelm

Tradition: Selbstverständnis existiert seit Jahrzehnten

Das berufliche Selbstverständnis des Heeresoffiziers beruht auf vier Säulen: Werte und Standards, Kameradschaft, Bild des Offiziers und dem konsequenten Handeln. Zahlreiche Ausbildungsabschnitte stellte der Schulkommandeur, Brigadegeneral Martin Hein, den internationalen Soldaten vor. Wie ist der Umgang mit künftigen Herausforderungen? Welche digitalen Ausbildungsmethoden nutzt die OSHOffizierschule des Heeres bereits jetzt?

„In der Ausbildung unserer Reserveoffizieranwärter nutzten wir bereits seit einigen Jahren die Möglichkeiten des Fernlernens“, erläutert General Hein. Über eine technologiegestützte Ausbildungsplattform können sich die Lehrgangsteilnehmenden einloggen und so einzelne Abschnitte bereits in ihrer Heimat absolvieren.

„Auch unsere Offizieranwärter werden alle mit Laptops ausgestattet. So können sie Ausbildungsinhalte ortsunabhängig nacharbeiten oder sich in der Tiefe weiter damit auseinandersetzen“, so der Schulkommandeur.

Technologischer Fortschritt

Technologischer Fortschritt bietet gute Chancen

Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau

Der digitale Wandel zieht ein

So beschäftigt sich das Taktikzentrum der Offizierschule im kommenden Sommer mit den Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI). Inwiefern kann KI als Entscheidungshilfe im Führungsprozess dienen? Wie nehme ich dann im digitalen Veränderungsprozess alle Mitarbeiter, insbesondere die Reservisten, mit? Ausgelernt – Dieser Begriff wird zunehmend aus unserem Wortschatz schwinden. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger und erstreckt sich nicht nur auf der Führungs- oder Managementebene.

Das sagen die internationalen Stabsoffiziere zur Offizierausbildung

Oberstleutnant Bruno Fett absolviert seine Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr

Oberstleutnant Bruno Fett besucht derzeit den internationalen Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr

Bundeswehr/Sebastian Kelm

Oberstleutnant Bruno Fett, 40 Jahre, Brasilien

Sie waren selbst Ausbilder an der Militärakademie des Heeres in Brasilien. Was gibt es für Parallelen in der Offizierausbildung (Vergleich Deutschland – Brasilien)?

„Die Offizierausbildung in Brasilien dauert fünf Jahre, die Ausbildung in Deutschland sieben. Dies liegt unter anderem daran, dass wir unser Studium parallel zu den militärischen Ausbildungsinhalten absolvieren. Ansonsten sind die Inhalte der Ausbildung ähnlich. Die Offizierschulen haben viel gemeinsam. Wir haben das Privileg, mit intelligenten und engagierten jungen Menschen zusammenzuarbeiten, deren Hauptziel es ist, dem Land und der Gesellschaft zu dienen. 

Als ehemaliger Ausbilder an der Militärakademie des Heeres möchte ich besonders betonen, dass es eine Ehre ist,  den Nachwuchs auszubilden. Werte und Bildung gebündelt weitergeben zu können, macht uns stolz.
Die schöne Erinnerung an die Zeit als Kadett und die Wertschätzung für unsere Militärakademie, motivieren uns immer wieder dahin zurückzukehren, wo alles begonnen hat.“

Porträtfoto Major Eng Siong Ong absolviert seine Aubildung an der Führungsakademie der Bundeswehr

Major Eng Siong Ong hat vor seiner Ausbildung in Hamburg, einen rund einjährigen Deutschkurs beim Bundessprachenamt in Hürth absolviert

Bundeswehr/Sebastian Kelm

Major Eng Siong Ong, 33 Jahre, Singapur

Sie sind einer der jüngsten Teilnehmer des internationalen Generalstabslehrgangs. Ihre eigene Offizierausbildung liegt daher noch gar nicht so lange zurück. Wie weit ist Singapur im Bereich „digitales Lernen“?

„Technologie spielt eine Schlüsselrolle in der singapurischen Armee. Die Auszubildenden lernen am Laptop und tauschen sich dann mit Lehrkräften und anderen Kameraden aus. Vorschriften, Dokumente und Videos stehen uns dabei als Grundlage zur Verfügung.
Außerdem können die Soldaten vor einer Übung  durch Simulationstechnologien trainiert werden. Damit können sie ihre Fähigkeiten bereits vorher vertiefen und steigern. Dadurch erhalten sie mehr Vertrauen in ihre Fähigkeit, ihre Aufgaben zu erfüllen. Zum Beispiel nutzen wir Simulatoren für Kampf- und Schützenpanzer, an denen wir die Führung des Fahrzeuges trainieren.
Derzeit wird eine weitere ‚Smart Training Facility‘ für die singapurische Armee gebaut, um die Effektivität des Trainings zu steigern und die Lernerfahrung der Soldaten zu erhöhen.
In Verbindung mit der Erfassung und Analyse von Daten in Echtzeit erhalten Soldaten ein schnelles und genaues Feedback zu den Leistungen von Einzelpersonen und Verbänden.“

Oberstleutnant Yaovi Aihou war vor 20 Jahren selbst Lernender an der OSH

Oberstleutnant Yaovi Aihou war vor 20 Jahren selbst Lernender an der OSHOffizierschule des Heeres. Er hat von der Teilnahme als internationaler Soldat viel mitnehmen können

Bundeswehr/Sebastian Kelm

Oberstleutnant Yaovi Aihou, 44 Jahre, Benin

Sie waren in Ihrer letzten Verwendung Kommandeur der nationalen Offizierschule in Benin. Die OSHOffizierschule des Heeres kennen Sie bereits, da Sie selbst vor 20 Jahren an der deutschen Offizierausbildung teilgenommen haben. Was sind ihre Erfahrungen?

„Viele Männer aus unserem Land wollen in die Armee. Bevor diese zur Offizierausbildung zu uns kommen, haben sie bereits ein abgeschlossenes Studium. Bei uns dauert die Ausbildung zum Führer, Ausbilder, Erzieher dann zwei Jahre. Wir senden allerdings auch Lehrgangsteilnehmer in Militärakademien auf der ganzen Welt.

Wenn diese dann ausgebildet zurückkommen, absolvieren sie zunächst sechs bis zwölf Monate als Ausbilder an einer unserer Schulen. Dort bilden sie dann nach unseren Grundlagen aus. Aus meiner Zeit als Offizieranwärter an der OSHOffizierschule des Heeres habe ich viel mitgenommen. Die Art wie man eine Lehrprobe hält, ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.“



von Ines Blandau  E-Mail schreiben
LGAI-Teilnehmende sitzen in einer Aula während eines Vortrags

Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI)

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