Y-Titelstory: Achtung, Säure!
Der ABC-Schutz gehört zum Handwerk aller Soldatinnen und Soldaten. Das Objektschutzregiment der Luftwaffe in Schortens hat sich dafür einen ganz besonderen Ort zum Üben ausgesucht: eine verlassene Chemiefabrik.
Der ABC-Schutz gehört zum Handwerk aller Soldatinnen und Soldaten. Das Objektschutzregiment der Luftwaffe in Schortens hat sich dafür einen ganz besonderen Ort zum Üben ausgesucht: eine verlassene Chemiefabrik.
Jung, frisch und ganz nah dran – die Y ist ein fester Bestandteil der Truppeninformation und preisgekrönt. Alle zwei Monate erfahren die Leser, und Leserinnen was in der Bundeswehr passiert und was die Menschen mit und ohne Uniform bewegt. Das Magazin verbindet exklusive Geschichten mit starken Bildern und aufwendigen Grafiken.
Y erscheint alle zwei Monate. Hier zeigen wir ihnen einen exklusiven Beitrag aus der neuen Ausgabe. Wer mehr lesen will, findet hier das ganze Magazin als PDF.
Die Truppführer teilen den kontaminierten Bereich in Spürzonen ein.
Die verlassene Rüdersdorfer Chemiefabrik im Osten von Berlin bietet für diese Übung die ideale Kulisse: Mit ABC-Schutzmaske und eingepackt im Schutzanzug „Overgarment“ koordinieren die Objektschützer aus dem niedersächsischen Schortens ihre Arbeitsbereiche. Im Ernstfall müssen die Infanteristen der Luftwaffe dafür sorgen, dass die Bundeswehr Flugplätze und andere wichtige Infrastruktur auch bei einer Kontamination mit chemischen Kampfstoffen weiter betreiben kann. Alle Handgriffe und Zeichen müssen dann sitzen. Die Truppführer teilen den kontaminierten Bereich in Spürzonen ein.
Der Spürtrupp geht voran und sucht giftige Chemikalien.
„Lost Places“ nennen Fotografen Anlagen, die längst niemand mehr nutzt und die in Vergessenheit geraten sind. In der Chemiefabrik Rüdersdorf stellten DDR-Betriebe einst Phosphat und Zement her. Der Spürtrupp geht in den über 30 Meter hohen Hallen jetzt seinem Auftrag nach: Gefahrenpotenziale, wie gefährliche Chemikalien, identifi zieren und markieren. Die gelben Streifen an der Bekleidung und an der Spürrolle bestehen aus Kampfstoffspürpapier. Sie verfärben sich beim Kontakt mit bestimmten Chemikalien.
Die Geräte schlagen an: Ein giftiger Gegenstand wurde entdeckt.
Wenn die Messgeräte etwas anzeigen, ist höchste Konzentration geboten. Im Ernstfall kann jetzt ein falscher Handgriff tödlich sein. Die Objektschützer der Luftwaffe gehen ihr Standardverfahren durch, überprüfen den ersten Verdacht mit einer alternativen Messmethode und entnehmen Proben zur genaueren Analyse. Sie müssen die Fundstelle gut sichtbar markieren und genau dokumentieren, damit nachfolgende Kräfte die Dekontamination der Stelle durchführen können.
Eine Verfärbung zeigt an, womit es die Truppe zu tun hat.
Das Kampfstoffspürgerät besteht aus einer einfachen Handpumpe, in die ein zuvor angebrochenes Prüfröhrchen gesteckt wird. Für die schnelle Detektion einer Chemikalie saugt das Gerät Umgebungsluft durch das Prüfröhrchen, bis sich darin die Markierung verfärbt. Der zuständige Soldat wirft einen kritischen Blick auf das Prüfröhrchen. Nach kurzer Zeit steht das Ergebnis fest: Es handelt sich um Salzsäure.
Die ABC-Schutzausrüstung muss Schritt für Schritt abgelegt werden.
Bei langen Aufenthalten in einer gefährlichen Zone kann die Schutzausrüstung auch Giftstoffe aufnehmen. Bevor der Träger die Kleidung ablegen kann, muss er anhand einer festgelegten Reihenfolge zahlreiche Klett- und Reißverschlüsse öffnen. Das festgelegte Schema soll sicherstellen, dass sich niemand selbst kontaminiert. Die Objektschützer behalten die ABC-Schutzmasken bis zum Schlussauf. Erst wenn der Soldat im Sammelschutzraum kontrolliert wurde, darf er die Maske ablegen.