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Aktiv im Heimatschutz

Im zivilen Leben Bürgermeister, in der Bundeswehr als Heimatschützer unterwegs

Reserve

Seit elf Jahren managt Dr. Georg Ludwig die Belange der Gemeinde Lindlar in Nordrhein-Westfalen. Nach der Pandemie, der Flutkatastrophe und Russlands völkerrechtswidrigem Angriff auf die Ukraine meldete er sich bei der Bundeswehr, um sich im Heimatschutz zu engagieren.

Der Obergefreite schießt auf die Zielscheibe

Aus einer Entfernung von 25 Metern muss das Ziel mit dem Gewehr getroffen werden

Bundeswehr/Marcus Palmer

8:15 Uhr auf der Schießanlage in Ahlen. Über 30 Soldatinnen und Soldaten treten an, bekommen eine kurze Einweisung und werden in Gruppen aufgeteilt. Dann geht es auf die Schießbahn. Für Dr. Georg Ludwig beginnt die heutige Ausbildung auf der Bahn Alpha 1. Mit dem Gewehr G 36 muss er aus einer Distanz von 25 Metern die Zielscheibe treffen. Eine Herausforderung für den 55-Jährigen. Ludwig ist kein Berufs- oder Zeitsoldat. Eigentlich ist er Bürgermeister von Lindlar, einer Gemeinde in Nordrhein-Westfalen mit rund 22.000 Einwohnern. Aber heute trägt er Uniform, läuft über den Schotter Richtung Zielscheibe, um sich von dem Ausbilder einweisen zu lassen. Dann geht es zurück auf die Schießunterlage. Ludwig legt sich hin, sein Rucksack dient als Auflage für das Gewehr. Er entsichert die Waffe. Der Ausbilder weist ihn auf die korrekte Handhabung der Waffe im Anschlag hin. Auf das Kommando „Feuer“ fallen drei Schüsse. Die Waffe wird gesichert, dann geht es nach vorne an die Zielscheibe. Bestanden?

Hochmotiviert durch die Ausbildung

Ja, der zweifache Familienvater hat einen weiteren Teil der Schießausbildung erfolgreich absolviert. Aber seine Anspannung bleibt. Eine normale Reaktion, die alle Kameradinnen und Kameraden kennen: „Wir sind uns der Verantwortung bewusst, mit einer geladenen Waffe zu arbeiten.“ Davor hat Ludwig Respekt. Er möchte keine Fehler machen, am Ende bestehen. Weiter geht es auf der nächsten Schießbahn. Hier müssen gleich mehrere Ziele getroffen werden. Die Herausforderung für Ausbilder auf der Schießanlage liegt darin, alle Heimatschützerinnen und Heimatschützer auf das gleiche Leistungsniveau zu bringen. Dafür gibt es verschiedene Modulausbildungen, die Reservistinnen und Reservisten durchlaufen. Zum Hintergrund: Die Freiwillig Wehrdienstleistenden im Heimatschutz haben gerade eine siebenmonatige Grund- und Spezialausbildung hinter sich. Ludwig hatte zuletzt in den 80er Jahren während seiner Wehrpflicht eine Waffe in der Hand. In den Ausbildungen bekommt sein Können quasi das nötige Update.

Der Bürgermeister von Lindlar

Der promovierte Politikwissenschaftler ist seit August 2022 einer von über 400 Heimatschutzkräften in Nordrhein-Westfalen. Warum er nach so langer Zeit wieder zur Waffe greift? 
„Gerade in den letzten Jahren habe ich gesehen, dass die Zivil-Militärische Zusammenarbeit immer bedeutender wird. Während der Pandemie war die Bundeswehr in Impfzentren aktiv, auch bei uns in der Region. Es hat mich beeindruckt, wie geordnet, respektvoll und diszipliniert die Bundeswehrangehörigen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern aufgetreten sind. Aber sie haben auch klare Grenzen gesetzt, wenn sich jemand ohne Impftermin reinschmuggeln wollte. Das lief alles super.“ Als nächstes erinnert der Bürgermeister an die Unterstützung der Soldatinnen und Soldaten während des Hochwassers an Ahr und Erft im Juli 2021: „Das dauerte Monate und war eine enorme Ausdauerleistung der Bundeswehr. Da wurde mir noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig die Bundeswehr im Katastrophenfall ist. Das Hochwasser in unserer Gemeinde hatte zwar zahlreiche Gebäude beschädigt, aber zum Glück keine Opfer gefordert. In den Brennpunkten allerdings wäre die Situation ohne die Unterstützung der Bundeswehr nicht so gut bewältigt worden.“

Eine persönliche Entscheidung

Als dann Russland die Ukraine angriff, wurde Ludwig noch einmal mehr klar: „Die Reserve ist für die Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte von enormer Bedeutung. Ich habe ukrainische Anwälte und Beamte gesehen. Zivilisten, die Soldaten wurden, um ihr Land, ihre Freiheit zu verteidigen.“ Ein ausschlaggebender Moment, der Ludwig dazu bewegte, Reservist zu werden. Er sammelte Infos, schrieb E-Mails und war im Mai 2022 auf einer ersten Info-Veranstaltung. Sämtliche Unterlagen wurden eingereicht, es ging zur Musterung. „Und Ende August war ich mit meiner Ausstattung nach sehr vielen Jahren wieder auf einer Übung in Münster.“ Ja, die Dienstzeiten können auch einmal lang sein. Und Wind und Wetter ändern auch keinen Dienstplan. Aber die Motivation und die Kameradschaft stehen für Ludwig im Vordergrund.

Wie reagierte denn die Familie auf sein Engagement im Heimatschutz? „Im ersten Moment waren meine Kinder erstaunt, dass jemand mit Mitte 50 noch einmal zur Bundeswehr geht. Aber sie und meine Frau unterstützen mich voll und ganz. Wir verfolgen alle die Medien, nehmen Politik bewusst wahr. Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine ist uns klar: Wir brauchen in Deutschland mehr Menschen, die die Bundeswehr aktiv unterstützen. Und die Bundeswehr braucht mehr Akzeptanz. Als Reservist sehe ich mich auch als einen Mittler zwischen Gesellschaft und Streitkräften.“

Gutes Zeitmanagement

Natürlich ist es nicht immer leicht, alle Termine abzustimmen. Ein Bürgermeister hat einen vollen Terminkalender und auch die Familie will nicht zu kurz kommen. Daher nutzt Ludwig für die Übungen als Heimatschützer vor allem die Wochenenden: „Die Ausbildungsmodule sind flexibel. Und da wir frühzeitig eine Übersicht bekommen, kann ich alles gut planen.“
Und so sehr unterscheidet sich seine Aufgabe als Heimatschützer gar nicht von seinem Amt als Bürgermeister. „Als Bürgermeister muss ich ständig einsatzbereit sein. Es kann passieren, dass ich abends einen Anruf bekomme, weil es irgendwo brennt. Oder es gibt eine andere Notlage. Ähnlich ist es beim Heimatschutz.“ Wie der Reservist einer Heimatschutzkompanie ist auch ein Bürgermeister heimatverbunden. Dazu ist Ludwig ein Mensch, der gerne anpackt. Als Bürgermeister und als Heimatschützer.

von Sabine Körtgen  E-Mail schreiben

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