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Ehrenzeichen der Bundeswehr

Soldat trägt das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Ehrenzeichen: Bronze, Silber, Gold und Tapferkeit

Das Ehrenzeichen der Bundeswehr würdigt Leistung, Pflichterfüllung und Tapferkeit – in fünf Stufen, von der Ehrenmedaille bis zum Ehrenkreuz.

Afghanistan, 5. März 2010. Zwei Züge der Quick Reaction Force sind beim Dorf Gerdan auf Patrouille zu Fuß unterwegs. Aufständische greifen sie überraschend an und verwunden den Kompaniechef durch einen Oberschenkelschuss. Er fällt als Führer aus. Kein weiterer Offizier ist vor Ort. Daraufhin übernimmt der Kompanietruppführer aus eigener Initiative die Führung. Der Hauptfeldwebel koordiniert im 90-minütigen Gefecht Feuer und Bewegung. Er lässt den verwundeten Kompaniechef aus der Gefahrenzone retten, geht auf Abstand zu den Aufständischen und sorgt dafür, dass seine Soldaten das Gefecht unversehrt überleben. Für diese hervorragende Einzeltat unter Gefahr für Leib und Leben verleiht ihm der damalige Verteidigungsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg, die Sonderform des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold.

Das Ehrenzeichen der Bundeswehr gibt es in fünf Stufen:

  1. als Ehrenmedaille der Bundeswehr
  2. als Ehrenkreuz der Bundeswehr in Bronze
  3. als Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber
  4. als Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold
  5. als Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit

Die Ehrenmedaille wird für treue Pflichterfüllung und überdurchschnittliche Leistungen nach einer Dienstzeit von mindestens sieben Monaten verliehen. Erst nach einer Dienstzeit von fünf Jahren kann Soldatinnen und Soldaten das Ehrenkreuz in Bronze, nach zehn Jahren in Silber und nach 20 Jahren in Gold verliehen werden.

2008 wurde das Ehrenzeichen der Bundeswehr neben der Tapferkeitsauszeichnung um zwei weitere Sonderformen erweitert:

Damit sind diese Ehrenzeichen der Bundeswehr äußerlich hervorgehoben und unterscheiden sich von jenen, die wegen treuer Pflichterfüllung und überdurchschnittlicher Leistungen verliehen werden.

Das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit

Noch strenger als bei den Sonderformen sind die Voraussetzungen für die Verleihung des Ehrenkreuzes für Tapferkeit . Sie erfordern bei außergewöhnlicher Gefährdung von Leib und Leben ein mutiges, standfestes und geduldiges Verhalten, mit dem der militärische Auftrag erfüllt wird. Dienstgrade, Dienstzeiten oder andere Fristen spielen dabei keine Rolle. Gemäß Paragraf 7 des Soldatengesetzes gehört Tapferkeit zu den Grundpflichten der Soldatinnen und Soldaten. Sie geloben oder schwören, „(...) das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Zu etwas Vergleichbarem verpflichtet sich keine andere Berufsgruppe. Dies schließt von vornherein eine Hinnahme von grundsätzlicher Gefährdung der eigenen Unversehrtheit ein.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung stiftet das Ehrenkreuz für Tapferkeit am 13. August 2008. Anlass für die Stiftung waren die immer häufiger werdenden weltweiten Auslandseinsätze der Bundeswehr. Sie stellen hohe Anforderungen und bergen für die Soldatinnen und Soldaten Gefahren für Leib und Leben. Bundeskanzlerin Angela Merkel verlieh die ersten vier Ehrenkreuze für Tapferkeit am 6. Juli 2009 in Berlin. Bisher wurde das Ehrenkreuz für Tapferkeit 33-mal verliehen (Stand: 2025). Die Mehrzahl der Ausgezeichneten sind Infanteristen – 32 stammen aus dem Heer, einer aus der Luftwaffe. Darunter sind vier postume Ehrungen. Alle Auszeichnungen wurden für Taten im Auslandseinsatz vergeben: überwiegend im Rahmen des ISAF-Einsatzes in Afghanistan, darunter auch für Taten bei der Evakuierungsoperation aus Kabul im Jahr 2021.

Der Weg bis zur Verleihung eines Ehrenzeichens

Das Ehrenzeichen der Bundeswehr ist ein von der Bundespräsidentin oder dem Bundespräsidenten genehmigtes nationales Ehrenzeichen und wird jährlich hundertfach verliehen – an Mannschaftssoldatinnen und -soldaten ebenso wie an Unteroffiziere und Offiziere, an Reservistinnen und Reservisten sowie in Ausnahmefällen an Zivilpersonen. Es fällt unter das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957. Das heißt: Nur die Ministerin oder der Minister kann das Ehrenzeichen der Bundeswehr verleihen. Damit ist eine „freihändige“ Vergabe durch Vorgesetzte nicht möglich und Vorgesetzte können die Ehrung nur stellvertretend und im Namen der oder des aktuellen Bundesverteidigungsministers verleihen. Jedem Vorschlag geht dabei ein mehrstufiges Prüfverfahren voraus.

StufeVerleihungenStand
Ehrenmedaille4.7732024
Ehrenkreuz Bronze9.4552024
Ehrenkreuz Silber13.1472024
Ehrenkreuz Silber (Sonderform)5652024
Ehrenkreuz Gold15.0602024
Ehrenkreuz Gold (Sonderform)2312025
Ehrenkreuz Tapferkeit332025
Gesamt43.9922024

Eine Auszeichnung mit langer Entstehungsgeschichte

Am 12. November 1980 händigt Verteidigungsminister Hans Apel die ersten 34 Ehrenzeichen der Bundeswehr an Soldaten und ziviles Personal aus. Es ist der 225. Geburtstag des preußischen Militärreformers Gerhard Johann David von Scharnhorst. Bis dahin hat die Bundeswehr keine eigenen Ehrenzeichen und Orden. Seit dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 wird mehrmals versucht, ein Treuedienst-Ehrenzeichen, zum Beispiel für treues Dienen während fünf, zehn oder 20 Jahren, für alle Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder eine Wehrdienstmedaille zu schaffen. Erst als der Verband der Reservisten 1975 bei Verteidigungsminister Georg Leber den Antrag auf Stiftung einer Wehrdienstmedaille stellt, kommt der Stein ins Rollen.

Leber entscheidet 1978, dass eine Verdienstmedaille für Wehrdienstleistende vorgesehen werden soll. Heer, Luftwaffe und Marine plädieren jedoch auch für eine Auszeichnung länger dienender Zeit- und Berufssoldaten. Anfang 1980 stimmt Bundespräsident Karl Carstens der Stiftung eines Bundeswehr-Ehrenzeichens zu. In Absprache mit dem Bundespräsidialamt kommt man zu dem Ergebnis, dass die Auszeichnung keine reine Dienstzeitmedaille – also kein „Sitzfleischorden“ – sein, sondern auch einen verdienstwürdigenden Charakter haben soll.

Die Verdienste sollen über solchen Leistungen liegen, die nach der Wehrdisziplinarordnung mit einer förmlichen Anerkennung geehrt werden. Bundeskanzler Helmut Schmidt stimmt der Idee zu, sodass das Bundeskabinett auf seiner Sitzung am 20. August 1980 über die beabsichtigte Stiftung des Ehrenzeichens unterrichtet werden kann. Mit Erlass vom 6. November 1980 stiftet Minister Apel dann das Ehrenzeichen der Bundeswehr anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens.

FAQ

Wie viele Stufen hat das Ehrenzeichen der Bundeswehr?

Das Ehrenzeichen der Bundeswehr gibt es in fünf Stufen: Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber und Gold sowie das Ehrenkreuz für Tapferkeit als besondere Auszeichnung für außergewöhnliche Tapferkeit.

Wer kann das Ehrenzeichen der Bundeswehr erhalten?

Grundsätzlich alle Soldatinnen und Soldaten sowie in bestimmten Fällen Zivilpersonen. 2017 wurden unter den Ausgezeichneten auch 70 Reservistinnen und Reservisten gezählt.

Was ist das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit?

Es ist die höchste Stufe des Ehrenzeichens der Bundeswehr. Es wird unabhängig von Dienstgrad oder Dienstzeit für außergewöhnlich tapfere Taten unter akuter Gefahr für Leib und Leben vergeben. Bislang wurde es 33-mal verliehen.

Wer verleiht das Ehrenzeichen der Bundeswehr?

Ausschließlich die Bundesverteidigungsministerin oder der Bundesverteidigungsminister. Eine Vergabe durch Vorgesetzte ist nicht möglich.

Was ist der Unterschied zwischen den Sonderformen mit rotem Rand und den regulären Ehrenkreuzen?

Die regulären Stufen (Bronze, Silber, Gold) werden nach festen Dienstzeitstaffeln verliehen. Die Sonderformen mit rotem Rand hingegen werden für herausragende Einzeltaten vergeben – in Silber ohne, in Gold unter Gefahr für Leib und Leben.

Seit wann gibt es das Ehrenzeichen der Bundeswehr?

Die ersten Ehrenzeichen wurden am 12. November 1980 verliehen. Das Ehrenkreuz für Tapferkeit wurde am 13. August 2008 gestiftet – als Reaktion auf die Anforderungen der Auslandseinsätze. Gleichzeitig wurden 2008 auch die beiden Sonderformen Gold und Silber mit rotem Rand beschlossen.

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