Heereslogistik für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force

„Eine schraubt immer“: Drei Versorgungskompanien für mehr als 10 .000 Soldaten

„Eine schraubt immer“: Drei Versorgungskompanien für mehr als 10 .000 Soldaten

  • Logistik
  • Bundeswehr
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Ort:
Berlin
Lesedauer:
5 MIN

Heereslogistiker sorgen dafür, dass Panzer Treibstoff, Haubitzen Munition und Soldatinnen und Soldaten Wasser und Verpflegung haben. So auch das Versorgungsbataillon 131 aus Thüringen. Gemeinsam mit weiteren Logistikkräften aus Deutschland sowie den Nationen Belgien, Norwegen und Niederlande stellt es den multinationalen Combat Service Support (CSS) für die deutsch geführte VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Brigade 2023.

Zwei Soldaten stehen mit einem Bauteil in der Hand auf einem Panzer im Wald.

Arbeitsbereit im Wald: Auch unter freiem Himmel erfüllen die Heereslogistiker des Versorgungsbataillons 131 ihren Auftrag, Gefechtsfahrzeuge schnellstmöglich wieder kampffähig zu machen

Bundeswehr/Anne Weinrich

Die Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) ist ein schnell verlegbarerer Eingreifverband der NATO im Rahmen der NATO Response Force. Das multinationale CSS Batallion, im Kern gestellt durch das Versorgungsbataillon 131, ist dabei für die Versorgung von mehr als 10.000 Soldatinnen und Soldaten der deutsch geführten VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Kampfbrigade zuständig. Drei Kompanien betreiben dabei jeweils einen Versorgungspunkt. Unterstützt werden sie dabei von belgischen, niederländischen und norwegischen Logistikkräften.

Immer im Dreiklang: Instandsetzung, Umschlag, Transport

„Die Heereslogistik ist die Schnittstelle zur kämpfenden Truppe. Wir sind das Bindeglied zwischen der Kampfbrigade und der Logistik der Streitkräftebasis“, sagt der Kompaniechef, Major Niclas Greger. Dabei sei in jeder Kompanie das gesamte Fähigkeitsspektrum abgebildet, nämlich Instandhaltung, Umschlag und Transport. Zugleich sorge eine Fernmeldestaffel für die kommunikationstechnische Anbindung.

Das bedeute, dass auch jeder einzelne Versorgungspunkt autark agieren könne. Das sei wichtig, denn im Ernstfall würde er nur 48 bis 72 Stunden lang betrieben und dann verlegt werden. Major Greger erklärt: „Wir bewegen uns mit der kämpfenden Truppe. Bei einem hochintensiven Gefecht heißt das: Eine Kompanie fährt Kraftstoff und Munition, schraubt und versorgt mit EPa und Wasser. Eine stellt gerade an einem neuen Einsatzort ihre Einsatzbereitschaft her. Eine befindet sich auf dem Marsch.“ Entsprechend schnell sind seine Soldatinnen und Soldaten verlegefähig: Drei bis maximal sechs Stunden sind für den Abbau bis zur Marschbereitschaft notwendig. „Wir richten uns so wenig wie möglich häuslich ein“, sagt der Kompaniechef. 

Nutze alles, was da ist: Zügig reparieren und verlegen

Bei der Instandsetzung liegt der Schwerpunkt darauf, die Gefechtsfähigkeit schnellstens wiederherzustellen. „Kleinere Sachen machen die Grenadiere selbst, kleine Kabelbrüche reparieren oder etwas abdichten. Was Ersatzteile braucht, kommt zu uns“, erklärt Hauptfeldwebel Robert Stürmer, Gruppenführer in der Instandsetzung Schützenpanzer Marder. Bei den Gefechtsfahrzeugen kümmern sich verschiedene Teams um Ketteninstandsetzung, Radinstandsetzung, Waffenanlage und Funk.

„Schäden an der Waffenanlage sind selten. Aber defekte Kühlschläuche am Triebwerk sind eine Standardreparatur. Das ist einfach ein Verschleißteil“, erzählt Stürmer. Standardersatzteile seien daher immer vorrätig, aber vieles müsse auch über die SKBStreitkräftebasis-Logistiker angefordert werden. „Man kann nicht in die Glaskugel schauen, welcher Schaden eintritt“, bestätigt Major Greger.

Soldaten reparieren einen Schützenpanzer Mader in einer Werkshalle.

Nutze alles, was du bekommst: Schon eine einfache Werkshalle bietet die Möglichkeiten für aufwendige Reparaturen. Denn die erforderlichen Fähigkeiten bringen die Instandsetzer selbst mit.

Bundeswehr/Susan Billing
Ein Soldat repariert die Ketten eines Schützenpanzers Mader im freien Gelände.

Möglich auch ohne Komfort: Panzerketten können auch im Freien repariert und sogar komplett ausgetauscht werden

Bundeswehr/Anne Weinrich

Repariert werden jedoch nicht nur Panzer und Haubitzen, sondern alles, was an Gerät ausfallen kann: Generatoren und Geländewagen, aber auch Handwaffen, Funkgeräte und Nachtsichtbrillen. Für Kleingerät werden voll ausgestattete Werkstätten in Kabinen auf LkwLastkraftwagen-Ladeflächen mitgeführt. Für die Arbeit an Großgerät und an den Gefechtsfahrzeugen werden bevorzugt bestehende Werkstätten in Kasernen oder Gewerbegebieten genutzt. „Ziel ist immer, feste Infrastruktur für die Instandsetzungskräfte zu finden. Doch wir können unseren Auftrag auch im Wald und im Matsch erfüllen“, sagt Greger. Jedoch sinke die Effektivität, je mehr die Instandsetzung ins Gelände gehe. Zwar könne ein Bergepanzer problemlos ein Panzergetriebe ziehen. Eine Getriebereparatur auf unbefestigtem Boden unter Zeltplanen sei aber eine Herausforderung.

Dauert eine Reparatur mehr als sechs Stunden, wird defektes Gerät an die Instandhaltungskompanien der Streitkräftebasis abgegeben. Das gilt auch, wenn die Auslastung 60 Prozent überschreitet. Denn für kurzfristiges Schadaufkommen im Gefecht müssen Kapazitäten frei bleiben. Dauert die Instandsetzung wider Erwarten länger und feindliche Kräfte rücken schnell vor, werden noch nicht reparierte Gefechtsfahrzeuge mitgenommen – oder unbrauchbar gemacht, damit sie nicht zur Gefahr für die eigenen Truppen werden können. 

Panzergetriebe und Einwegrasierer: Der 30-Tage-Vorrat

Neben der Instandsetzung sind Lagerhaltung und Umschlag von Mengen- und Einzelverbrauchsgütern wesentliche Aufgaben der CSS-Kräfte. Denn die NATO gibt vor, dass die VJTFVery High Readiness Joint Task Force im Operationsgebiet für 30 Tage autark handlungs- und gefechtsfähig sein muss, während parallel die Nachschublinien für die Folgeversorgung geschaffen werden. 

100 mal 100 Meter Lagerfläche sind erforderlich, um allein die mehr als 25.000 Ersatzteile im Gesamtwert von 10 Millionen Euro vorzuhalten – Treibstoff, Verpflegung und Munition nicht eingerechnet. Von winzigen Unterlegscheiben bis zum Kampfpanzergetriebe ist alles dabei, um Funkgeräte, Waffensysteme und Gefechtsfahrzeuge einsatz- und kampfbereit zu halten. Oberleutnant Daniel Fiedler, Zugführer in der 4. Kompanie und verantwortlich für die Nicht- und Einzelverbrauchsgüter im 30-Tage-Vorrat, sagt: „Wir haben alles, was wir laut NATO vorhalten müssen – bis hin zu Einwegrasierern und Papiertaschentüchern.“ 

Mehrere beladene Lkws stehen nebeneinander im Gelände. Davor parkt ein Schwenklader.

Abholbereit verpackt und sortiert: Bis zu zwölf LkwLastkraftwagen mit Anhängern werden für Transport und Lagerung des von NATO vorgeschriebenen 30-Tage-Vorrates an Ersatzteilen benötigt – nur für die Versorgung des deutschen Anteiles an der VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Kampfbrigade.

Bundeswehr/Susan Billing

Für die Mengenverbrauchsgüter der Kampfbrigade ist Stabsfeldwebel Steffen Ludwig zuständig: Kraftstoff, Munition, Verpflegung, Wasser und Marketenderwaren sowie Bekleidung und Ausrüstung fallen in seinen Bereich. Er benötigt allein für die Bevorratung und Bewirtschaftung von Wasser, EPa, Marketenderwaren und Bekleidung sowie Ausrüstung noch größere Lagerflächen, rund 500 mal 500 Meter – die Ausmaße der Munitions- und Treibstofflager kommen noch hinzu. „90.000 Liter Kraftstoff und 600 Tonnen Munition für Handwaffen, Panzer und Haubitzen, dazu Fund- und Beutemunition. Das ist eine Herausforderung. Denn alles muss mit Abstand gelagert und gesichert werden“, sagt der Stabsfeldwebel. Dennoch dauere es maximal 60 Minuten vom Eingang einer Bedarfsmeldung bis zum Transport zum Gefechtsverband. Ludwig sagt: „Im Einsatzfall ist eine schnelle Versorgung das A und O. Der Papierkram kann warten.“ 

Transport: Schnelligkeit übertrifft Wirtschaftlichkeit

Im Transportbereich arbeiten die VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Logistiker ebenfalls multinational. „Aus NATO-Sicht ist Logistik grundsätzlich ‚national business‘. Das heißt, jede truppenstellende Nation bleibt für die Versorgung der eigenen Kräfte zuständig“, erklärt Kompaniechef Greger., Transportraum werde jedoch gemeinsam genutzt. Ob Wasser, Munition oder Schadgerät: Wer Kapazitäten frei hat, fährt. 

Der Transportzugführer der 4. Kompanie, Oberleutnant Marc Meuser, sagt: „Wir liefern alles außer Feldpost und frischen Lebensmitteln. Wir holen alles, was leer oder kaputt ist.“ Dabei würden Fahrten verbunden und Wege gespart, wo es möglich sei. „Aber im Einsatzfall müssen wir nicht wirtschaftlich, sondern schnell sein.“ Oberster Auftrag sei die durchgängige Versorgung der kämpfenden Truppe, auf der Übung Wettiner Heide ebenso wie im Ernstfall. 

von Simona Boyer

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