Multinationale Marinemanöver im Nordatlantik
Mit Partnern aus Kanada, den USA, Frankreich und Dänemark übt der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ gemeinsam in arktischen Gewässern.
Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ hat in Nuuk festgemacht, der Hauptstadt Grönlands. Zuvor hatte das deutsche Schiff den Polarkreis überquert und Kampfschiffe mit Kraftstoff versorgt. Doch was macht die Marine überhaupt im Nordatlantik?
Der Einsatzgruppenversorger "Berlin" ist am 16. August 2025 zu einem offiziellen Besuch in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eingelaufen
Bundeswehr/Jane SchmidtWährend der kalte Wind die Gischt über das Oberdeck verteilt, verschwimmt am Horizont das Grau des Nordatlantiks mit dem wolkenverhangenen Himmel. Dann zeichnet sich immer deutlicher die Silhouette eines Kriegsschiffs ab: der Fregatte „Hamburg“. Wenig später fährt sie trotz Wind und Wellen keine 50 Meter parallel zur „Berlin“ und befüllt über die Leitungen des größten Versorgungsschiffs der Marine ihre Kraftstofftanks. Dieses Seeversorgungsmanöver wird im Marinealltag RAS genannt:
Die beiden deutschen Marineschiffe befanden sich während ihres Versorgungsmanövers westlich von Island. Anschließend schloss sich die Fregatte „Hamburg“ wieder der
Ursprünglich am 3. August 2025 in Wilhelmshaven ausgelaufen, hat der Einsatzgruppenversorger mit seiner Fahrt entlang der sogenannten
Die Fahrt durch die GIUKGreenland-Iceland-United-Kingdom-Lücke ist die einzige Möglichkeit für die russische Nordmeerflotte, die Nachschubwege der NATONorth Atlantic Treaty Organization im Atlantik zu stören. Daher muss dieses Meeresgebiet streng überwacht werden.
Bundeswehr/Astrid Höffling | Kartenbasis: © MapCreator/OpenStreetMapIm Ernstfall ist der Seeweg über den Atlantik die einzige Möglichkeit, eine große Anzahl an Truppen und Gütern aus Nordamerika nach Europa zu bringen. Der Lufttransport kann in diesem Fall die benötigten Kapazitäten nicht sicherstellen. Hier braucht es Frachtschiffe, die Soldatinnen und Soldaten mit ihrer Ausrüstung in die großen Häfen Europas bringen, damit diese anschließend durch Deutschland an die Ostflanke der NATONorth Atlantic Treaty Organization marschieren können. Das Ziel: Russland von einem möglichen Angriff abzuschrecken oder im Verteidigungsfall die Aggression abzuwehren und die Souveränität Europas zu sichern.
Für Russland bietet die GIUKGreenland-Iceland-United-Kingdom-Lücke dabei die einzige Möglichkeit, die eigenen Marineeinheiten der Nordmeerflotte in den Atlantik zu bringen, um die Nachschublinien der NATONorth Atlantic Treaty Organization zu stören. Insbesondere die russischen U-Boote bilden hier die größte Gefahr, weshalb eine Überwachung der GIUKGreenland-Iceland-United-Kingdom-Lücke unerlässlich ist. Als Teil der Nordflanke der NATONorth Atlantic Treaty Organization bildet dieses Seegebiet daher neben der Ostsee einen Schwerpunkt in den Verteidigungsplänen des Bündnisses.
In der Arktis stand lange Zeit die Kooperation der Anrainerstaaten im Vordergrund, unabhängig von Rivalitäten in anderen Weltregionen. Dies wird allerdings zunehmend durch Russland infrage gestellt, das in den vergangenen Jahren immer mehr Truppen und militärische Infrastruktur in dieser Region ertüchtigt. Zudem führt die Eisschmelze zu neuen Möglichkeiten, Ressourcen auszubeuten und alternative Seewege zu erschließen, was auch China auf den Plan ruft.
Die Marine schützt auf See wichtige Versorgungsrouten der NATONorth Atlantic Treaty Organization im Nordatlantik. Aktuell ist der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ in der Region. Sein Auftrag: Er versorgt andere Schiffe der NATONorth Atlantic Treaty Organization mit Treibstoff – trotz rauem Wetters und hoher Wellen.
Darauf hat die Bundesregierung reagiert und in ihren „Leitlinien deutscher Arktispolitik“ (PDF, 5,1 MB) diese neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen anerkannt. Mit seiner Präsenzfahrt am Polarkreis, die unter dem Namen Atlantic Bear läuft, folgt der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ diesen strategischen Vorgaben. „Wir zeigen unseren Verbündeten, dass wir in der Lage sind, sie auch in diesem herausfordernden Seegebiet zu unterstützen, und dass wir hier am Polarkreis Flagge zeigen können“, sagt Fregattenkapitän Schlüter. Denn die Fahrt der „Berlin“ endet nicht in der Hauptstadt Grönlands. Anschließend wird das Schiff weiter Richtung Nordamerika fahren und an den multinationalen Manövern Nanook-Tuugaalik und Unitas teilnehmen.
Zusätzlich zu den scharfen RAS-Manövern und der Navigation durch die Unwägbarkeiten des Nordatlantiks hält sich die Besatzung der „Berlin“ durch regelmäßige Übungen einsatzbereit. Sei es Mann über Bord, Feuer im Schiff, Wassereinbruch oder die Notlandung des Bordhubschraubers auf dem Flugdeck: Alles muss immer wieder trainiert werden, damit die Abläufe im Ernstfall sitzen. Ebenso kommt die eingeschiffte Bordwaffengruppe zum Zug und kann sich an den Maschinengewehren zur Abwehr von Speedbooten beüben.
„Nach der Phase in der Werft und damit einhergehenden Personalwechseln nutzen wir zeitliche Freiräume, um neue Besatzungsmitglieder einzuarbeiten und erfahrenen Kameradinnen und Kameraden die Möglichkeit zum Üben zu geben“, erläutert Schlüter. Zudem wird Atlantic Bear genutzt, um dem Offiziernachwuchs der Marine erste Einblicke in die Seefahrt zu bieten.
Am 16. August 2025 lief der Einsatzgruppenversorger im Hafen von Nuuk ein. Aus Sicht des Kommandanten der „Berlin“ verlief dieser erste Teil von Atlantic Bear planmäßig. „Die ,Berlin‘ hat die Herausforderungen der Region um den Polarkreis sehr gut gemeistert. Die Besatzung ist hierdurch weiter zusammengewachsen und hat so eine gute Grundlage für die kommenden Vorhaben gelegt“, so Schlüter. Nach kurzem Hafenaufenthalt nimmt der deutsche Einsatzgruppenversorger Kurs auf Kanada – die Übung Nanook-Tuugaalik wartet schon auf die Besatzung.
Mit viel Kraftstoff, Frischwasser, Proviant und Munition im Bauch legt der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ in Island ab, um wenig später die Fregatte „Hamburg“ in See zu versorgen
Bundeswehr/Christoph Kassette
Nachdem das Stahlseil zwischen der „Berlin“ und der „Hamburg“ gespannt ist, wird der Schlauch für die Kraftstoffübergabe in den Tankstutzen der Fregatte geführt
Bundeswehr/Christoph Kassette
Keine 50 Meter trennen die Kriegsschiffe. Trotz Wind und Seegang müssen aber beide ihren Kurs konstant halten, um das Versorgungsmanöver erfolgreich zu beenden.
Bundeswehr/Christoph Kassette
Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ hat zwei Bordhubschrauber vom Typ Sea Lion in den bordeigenen Hangars. Start und Landung erfolgen vom Flugdeck am Heck des Schiffs.
Bundeswehr/Christoph Kassette
Ob Transportaufgaben, Suche und Rettung von Personen oder der Einsatz des Seeraumüberwachungsradars: Der Sea Lion erweitert das Fähigkeitsspektrum der „Berlin“ enorm.
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„Feuer im Schiff, Feuer im Schiff!“ Regelmäßig übt die Besatzung der „Berlin“ Notsituationen. Gleiches gilt für Mann über Bord oder Wassereinbruch.
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Die Soldaten der Bordwaffengruppe üben regelmäßig den Einsatz der Maschinengewehre an Bord, um gegebenenfalls Überwasserdrohnen oder Speedboote abwehren zu können
Bundeswehr/Christoph Kassette
Trotz stürmischer See navigiert die Besatzung der „Berlin“ sicher durch die Weiten des Nordatlantiks
Bundeswehr/Christoph Kassette