Panzer, Geländefahrzeuge, aber auch Flugzeuge und einige Drohnen müssen mit Kraftstoffen betankt werden. Im Gefecht ist das besonders heikel. Oberfeldwebel Dominic P.* ist Experte dafür. Bald geht er mit dem Panzergrenadierbataillon 401 für sechs Monate nach Litauen und dient an der Ostflanke der NATO.
Tanken im Freien: Oberfeldwebel Dominic P. betankt auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord die Militärfahrzeuge des Panzergrenadierbataillons 401
Bundeswehr/Jana Neumann
„Mit Fleiß und Hartnäckigkeit bin ich dahingekommen, wo ich heute stehe“, sagt Oberfeldwebel Dominic P. Als Mannschaftssoldat hätte er auf seinem Posten bleiben können, doch er wollte Verantwortung tragen, für Menschen, für die Truppe. Heute kontrolliert der 44-Jährige die Qualität von Kraftstoffen wie Benzin, Diesel und Erdgas für einen Teil der Bundeswehr. Das umfasst neben allen Landfahrzeugen der Truppe auch Hubschrauber oder Drohnen. Er ist ein viel gefragter Spezialist. „In der Bundeswehr gibt es zu wenige Betriebsstofffeldwebel“, sagt Dominic P. Die meisten der Dienstposten seien im Heer gerade unbesetzt.
Der heutige Oberfeldwebel ist bereits das zweite Mal bei der Bundeswehr: Im Jahr 2002 leistete Dominic P. als Sanitäter seinen Grundwehrdienst. Danach arbeitete er als Papiermacher, war stellvertretender Filialleiter bei einer Supermarktkette und führte einen Textildiscount. Doch nach mehr als zehn Jahren zog es ihn zur Truppe zurück: Er wurde wieder Soldat im Sanitätsdienst – erst als Hauptgefreiter, dann als Unteroffizier. Aber Dominic P. wollte mehr erreichen, sich weiterbilden. 2019 wechselte er in ein Versorgungsbataillon, das die Truppe unter anderem mit Kraftstoffen versorgt. Dort bekam er das Angebot, Betriebsstofffeldwebel zu werden.
Tanken ist sein Job – auch an der Front
Anfangs wusste Dominic P. nicht, was ein Betriebsstofffeldwebel tut. Er informierte sich über den Beruf und fand heraus, dass er dann auch im Labor arbeiten würde. Mit vielen unterschiedlichen Stoffen hantieren, Proben nehmen – das gefiel ihm, also sagte er zu. Zunächst absolvierte er dafür eine zivile Weiterbildung als Chemielaborant bei der Bundeswehr. Das war für ihn der Einstieg in seinen heutigen Beruf. Danach besuchte er den Lehrgang zum Feldwebel und wurde anschließend im Fach Betriebsstoff geschult. Insgesamt dauerte die Ausbildung fast zweieinhalb Jahre, zuzüglich der allgemeinen militärischen Ausbildung von sechs bis zwölf Monaten. Seit 2023 ist Dominic P. nun Betriebsstofffeldwebel.
Die Ausbildung zum Betriebsstofffeldwebel bei der Bundeswehr
Lehrgang
Inhalt
Dauer
Ort
Zivile Ausbildung zum Chemielaboranten
Zusammensetzung von Atomen, Versuche im Labor, Aspirin-Herstellung
21 Monate
Strausberg, Brandenburg
Feldwebellehrgang
Grundkenntnisse Materialbewirtschaftung, IT-Systeme der Bundeswehr, Versorgung und Logistik
3 Monate
Garlstedt, Niedersachsen
Fachteil Betriebsstoff
Grundkenntnisse Fahrzeuge, Probeentnahme und Auswertung im Labor von Diesel oder Kerosin, Bestimmung von Flammpunkten
3 Monate
Faßberg, Niedersachsen
Die Fünf von der Tankstelle
Dominic P. bewirtschaftet zusammen mit vier Soldatinnen und Soldaten eines Betriebsstoffteams die Tankstelle der Bundeswehr am Standort des Panzergrenadierbataillons 401 und des Versorgungsbataillons 142 in Hagenow im Westen Mecklenburg-Vorpommerns. Seinen typischen Arbeitstag beschreibt er so: Morgens checkt er, wie viel Kraftstoffe verfügbar sind. Ein Labor gibt es dort nicht, da sie die Kraftstoffe nicht prüfen müssen. Seine vier Kameradinnen und Kameraden betanken den Tag über sämtliche Militärfahrzeuge, die die Tankstelle anfahren, darunter auch Schützenpanzer und Lkw. Tagsüber bietet Dominic P. Weiterbildungen zum Thema Betriebsstoffe an. Als Soldat muss er sich auch fithalten und trainiert. Am Abend kontrolliert Dominic P. dann die Tankbücher, die vom Betriebsstoffteam geführt werden. Als Chef der Tankstelle übernimmt er die Dokumentation des Verbrauchs.
Im Schnitt zweimal im Jahr begleiten Dominic P. und sein Team zudem mehrwöchige Übungen der Bundeswehr, schließlich brauchen die Panzer und anderen Fahrzeuge auch dann Sprit, wenn sie weit von der Kaserne entfernt im Einsatz sind. Für den Ernstfall gilt das erst recht: Auch im Gefecht müssen sie draußen an der Front betankt werden. Das ist dann besonders heikel, denn viele Fahrzeuge kommen dazu auf engem Raum zusammen, bieten dem Gegner ein leichtes und lohnendes Ziel. Deshalb muss es schnell gehen und jeder Handgriff sitzen. Im Feld sucht der Betriebsstofffeldwebel mit seinem Tanklastenwagen unter Bäumen Schutz. Die Panzer kommen nacheinander an die Zapfsäule gefahren.
Übungen in Deutschland und Europa
Im August 2026 bereitet sich Dominic P. auf die nächste Herausforderung vor. Er geht Anfang 2027 zur Battlegroup der NATO nach Litauen, einem multinationalen Kampfverband an der Ostflanke des Bündnisses. Auch dort, weit weg von zu Hause, wird Dominic P. Fahrzeuge mit Kraftstoffen versorgen. „Das ist mein Job. Ich wusste vorher, dass mich das als Soldat erwartet“, sagt er. Das baltische Land kennt er bereits: 2024 hat er dort die Kraftstoffversorgung geleitet. Sechs Monate wird Dominic P. dort dienen. Dann wird er wieder nach Deutschland zu seiner Familie zurückkehren – und zu „seiner“ Tankstelle in Hagenow. Das war ihm wichtig. Deshalb hat er sich nicht zur Panzerbrigade 45 gemeldet, die dauerhaft in Litauen stationiert sein und derzeit aufgebaut wird.
Anfang 2026 hat die Bundeswehr seinen Antrag auf Verlängerung seiner Dienstzeit genehmigt. Dominic P. bleibt also noch bis 2035 bei der Truppe, 25 Jahre insgesamt. Kameradinnen und Kameraden hatten zwar gemeint, es könne schwierig werden mit der Dienstzeitverlängerung. Doch Dominic P. sagt: „Ich bin so ein Mensch, ich probiere es dann trotzdem. Und es hat geklappt!“ Wer Willen zeige und Leistung erbringe, der habe viele Chancen bei der Bundeswehr. Davon ist der Oberfeldwebel überzeugt.
Der 44-Jährige hat noch immer Spaß an seinem Job – auch wenn er abends nach Diesel riecht
Bundeswehr/Jana Neumann
Sechs Fragen an Dominic P.
Was ist das Beste an Ihrer Arbeit?
Die Abwechslung. Bei den Übungen lerne ich unterschiedliche Kompanien kennen. Mir gefällt auch, dass ich selbstständig arbeiten kann. Weil Betriebsstoff ein eigener Bereich ist, habe ich in Sachen Tanken quasi keine Vorgesetzten. Ich bin der Fachexperte und entscheide selbst.
Hätten Sie statt in der Sanität lieber direkt als Betriebsstofffeldwebel in der Bundeswehr gestartet?
Nein. Die Arbeit als Rettungssanitäter hat mir Spaß gemacht, aber ich wollte nach einigen Jahren in dem Bereich noch einmal etwas Neues lernen. Auch jetzt bilde ich mich weiter, online besuche ich einen Kurs zum Kaufmann im Büromanagement. Das ist meine vierte Ausbildung.
Welche Eigenschaften sollte man als Betriebsstofffeldwebel mitbringen?
Motivation, Lust mit Kraftstoffen zu hantieren und eine gewisse Bereitschaft, nach Diesel zu riechen.
Sie haben sich an den Geruch gewöhnt?
Nicht unbedingt, meine Klamotten lasse ich nach der Arbeit im Flur, damit der Dieselgeruch nicht in die Stube zieht.
Wo können Betriebsstofffeldwebel eingesetzt werden?
Überall. In jeder Stammeinheit, in Deutschland und im Ausland liefern wir Kerosin für die Flugzeuge oder Diesel für die Fahrzeuge. Ohne uns fährt und fliegt nichts, alles bleibt stehen.
Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der Lust auf den Beruf hat?
Wichtig ist, sich vorher schlau zu machen, was bei der Bundeswehr auf Soldatinnen und Soldaten zukommt. Das bedeutet, meist viel unterwegs und getrennt von der Familie zu sein. Früh aufstehen gehört auch dazu. Am Truppenbesuchszentrum in Munster können junge Leute eine Woche lang die Bundeswehr kennenlernen.