Heer
Das Luftlanderettungszentrum

Sanitätsversorgung auf hohem Niveau

Sanitätsversorgung auf hohem Niveau

Datum:
Ort:
Bergen
Lesedauer:
4 MIN

„Kernauftrag des Sanitätsdienstes der Bundeswehr ist, die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten zu fördern, zu schützen, zu erhalten und wiederherzustellen“, beginnt Oberstarzt Dr. Tobias Gamberger die Moderation an seiner Station. Hinter ihm ist das Luftlanderettungszentrum leicht der Panzerbrigade 12 aufgebaut. Die sanitätsdienstliche Versorgung auf Brigadeebene ist der Kern der Station bei der Ausbildungs- und Lehrübung (ALÜAusbildungslehrübung).

Vor Sanitätszelten werden zwei Verletzte von Soldaten jeweils auf einer Trage aus Fahrzeugen entladen.

Die Station Luftlanderettungszentrum zeigt und beschreibt, wie die Versorgung von Verletzten einer Kampfbrigade funktioniert

Bundeswehr/Mario Bähr

Der Oberstarzt ist Kommandeur des Sanitätslehrregimentes Niederbayern in Feldkirchen, er leitet die Station Luftlanderettungszentrum. In gut 90 Minuten zeigen etwa 60 Soldatinnen und Soldaten die Fähigkeiten und Arbeitsweisen rund um die notfallmedizinische und notfallchirurgische Versorgung einer Kampfbrigade. Anspruch der medizinischen Versorgung sei, den größtmöglichen Standard in der Versorgung für die Soldaten aufrechtzuerhalten, aber auch gleichzeitig mit den Anforderungen an eine flexible, schnelle und moderne Führung des Gefechtes Schritt zu halten, so Dr. Gamberger.

In nur wenigen Stunden arbeitsbereit

Ein wesentliches Merkmal eines Luftlanderettungszentrums seien die luftgestützten Zelte, so der Arzt. Das Konzept des besonderen Rettungszentrums ist auf den schnellen Transport mit mehreren Hubschraubern oder Transportflugzeugen ausgelegt. Die leichten Zelte seien dabei höchst mobil einsetzbar. Sie werden durch das Befüllen mit Luft aufgerichtet. Zu ihrer Ausstattung gehören kompakte modulare Geräte, welche die Operations- und Behandlungszelte mit Strom und einer angenehmen Temperatur versorgen. „Es ist ein sehr guter Kompromiss zwischen auf der einen Seite taktischer Mobilität, um schnell auf die Gefechtsführung der Brigade zu reagieren und auf der anderen Seite Flexibilität in der Anpassung der Notfallversorgung an die zu erwartenden Verletzungsmuster. Denn wir müssen und wollen eine hochwertige medizinische Versorgung selbstverständlich gewährleisten“, beschreibt der Kommandeur.

Das gesamte Rettungszentrum umfasst Material mit einem Gewicht von fast 45 Tonnen und hat aufgestellt eine Ausdehnung von 45 x 25 Metern. Nach Absetzen der mobilen Fracht können bereits nach gut 1,5 Stunden erste verletzte Soldaten aufgenommen werden, nach zwei Stunden können die Ärzte beginnen, erste Patienten zu operieren, bis dann nach vier Stunden das gesamte Rettungszentrum einsatzbereit ist.

Rettungskette: Von Druckverband bis Rehabilitation

Ein Arzt in grüner Schutzkleidung steht an einem verdeckten Patienten und operiert, davor auf einem Tisch OP-Bestecke.

Die Rettungsstation auf der Ausbildungs- und Lehrübung ist mit zwei Operationssälen ausgestattet. Hier werden die Verletzten notfallmedizinisch und chirurgisch versorgt.

Bundeswehr/Marco Dorow

Dieses Luftlanderettungszentrum auf der ALÜAusbildungslehrübung ist fester Bestandteil der in der Bundeswehr üblichen Rettungskette: Mit Beginn der Selbst- und Kameradenhilfe ist dieses in vier fest definierte Ebenen eingeteilt: Behandlungsebene 1 – ist die sanitätsdienstliche und Notfallversorgung, mit dem Ziel den Transport des Soldaten sicherzustellen. Dazu werden Rettungstrupp, Arzttrupps oder die Rettungsstationen der Bataillone bereitgehalten. Die Behandlungsebene 2 – zu der auch dieses Rettungszentrum gehört, dient der notfallmedizinischen sowie notfallchirurgischen Versorgung der Verletzten. Die Behandlungsebene 3 – ist die klinische Akutversorgung etwa in Einsatzlazaretten. Diese Versorgung zeichnet sich durch ausgewiesene Fachgebiete sowie größere Operations- und Pflegekapazitäten aus. Die Behandlungsebene 4 – das sind die Bundeswehrkrankenhäuser oder vergleichbare zivile Gesundheitseinrichtungen inklusive Rehabilitationsmöglichkeiten.

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Die Luftlanderettungsstation dient der Notfallversorgung der Soldaten aus dem Gefecht. Hochmobil und luftverladbar ist sie fast überall einsetzbar. Chirurgische Eingriffe und Intensivversorgung sind in ihr möglich.

„Zeit ist ein sehr entscheidender Faktor für das Behandlungsergebnis“, verdeutlicht der Oberstarzt eindringlich. Gemäß NATO-Standard gilt in Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung die 10 – 1 – 2 Regel, das bedeutet, dass die lebensrettende Blutstillung und Atemwegssicherung innerhalb der ersten zehn Minuten nach der Verletzung erfolgen muss. Nach einer weiteren Stunde, auch bezeichnet als Golden Hour, muss der Verwundete notfallmedizinisch innerhalb der Ebene 1 versorgt werden. Nach zwei Stunden muss der Verletzte in der chirurgischen Notfallversorgung, Ebene 2, also etwa in einem solchen Luftlanderettungszentrum, angekommen sein.

Alles beginnt am Gefechtsstand

Neun Verletzte werden im plakativen Übungsbetrieb während der ALÜAusbildungslehrübung im Rettungszentrum versorgt. Bei den speziell hergestellten Ausbildungszelten sind die Seitenwände geöffnet und die Teilnehmenden haben ungehinderte Sicht auf das Innere des Rettungszentrums. Sie können so die Sanitätssoldaten bei ihrer Arbeit verfolgen. Im Gefechtsstand des Luftlanderettungszentrums laufen alle Informationen zusammen. Eine neue Lagemeldung erhöht den Druck auf die Arbeit in den Zelten. Per Funk kommt die Meldung: „Ein Soldat Kategorie Alpha offenes Abdomen, ein Soldat Kat Bravo Splitterverletzung Unterschenkel, Eintreffen in zehn Minuten, weiterhin einrichten auf MasCal. – Kommen!“ Mas Cal steht dabei für Mass Casualty, was bedeutet, dass die Anzahl der Verletzten sehr stark ansteigen könnte. Sogar so stark, dass dies die Kapazitäten der Sanitätseinrichtung übersteigen könnte. Routiniert versorgen die Sanitäter die Verletzten weiter, wobei sich die Anspannung bis auf die Tribüne der Teilnehmer überträgt. 

Nach der Ankunft im Rettungszentrum erfolgt eine erste Sichtung der Patienten, dabei werden auch Behandlungsprioritäten festgelegt. Zwei Operationssäle und ein Intensivbereich bilden den Kern dieser Station. Zudem kommen noch eine Apotheke und ein Pflegebereich dazu, welche das Luftlanderettungszentrum komplett machen.

Die Teilnehmer erleben an dieser Station die Arbeitsweisen der sanitätsdienstlichen Versorgung auf Ebene der Brigade. Aber auch die Verknüpfung und Verortung dieses Luftlanderettungszentrums innerhalb der gesamten Rettungskette wird den Besuchern der ALÜAusbildungslehrübung plakativ gezeigt. In einem abschließenden Lehrgespräch können die Übungsteilnehmenden Fragen an den Kommandeur stellen.

Schnell und bestmöglich

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In einem Zelt ohne Zeltwände versorgen Sanitäter die Verletzten

Notfallaufnahme: Auf der Ausbildungs- und Lehrübung werden spezielle Zelte mit offenen Zeltwänden eingesetzt. Die Besucher können so das Vorgehen der Sanitäter unmittelbar verfolgen.

Bundeswehr/Marco Dorow
Zwei Sanitäter stehen links und rechts neben einer Trage, auf der ein verwundeter Soldat liegt. Sie versorgen ihn.

Jeder Patient kommt zuerst in die Notfallaufnahme. Dabei verschaffen sich die Ärzte und Sanitäter einen Überblick über die Verletzungen des Patienten. Danach werden Prioritäten für die weitere Versorgung festgelegt.

Bundeswehr/Marco Dorow
Blick über die Schulter, Rettungssanitäter in blauen Kitteln und Soldaten bringen Verletzte zu der Rettungsstation.

Die Rettungskette beschreibt die Reihenfolge der Versorgung der Verletzten. Sie reicht von der Selbst- und Kameradenhilfe direkt nach der Verletzung bis hin zur Rehabilitation in Kliniken.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein grüner Krankenwagen mit einem roten Kreuz auf weißem Grund biegt schnell auf eine Landstraße ein.

Das Wichtigste bei der Versorgung von Verletzten ist die Zeit. Die Golden Hour fordert, dass der Verletzte innerhalb einer Stunde notfallmedizinisch versorgt sein muss.

Bundeswehr/Marco Dorow
Zwei Sanitäter in blauen, medizinischen Kitteln versorgen einen Patienten in Tarnkleidung.

An die Versorgung verletzter Soldatinnen und Soldaten wird ein sehr hoher Standard gelegt. Sie muss der des zivilen Umfeldes gleichkommen.

Bundeswehr/Marco Dorow
Sieben grüne, halbrunde Zelte stehen auf einem Betonplatz, dazwischen Generatoren für die Energieversorgung.

Das Luftlanderettungszentrum ist auf höchste Mobilität ausgelegt. Alle Komponenten, wie Zelte und die gesamte Technik, sind luftverladbar und können mit Hubschraubern oder Flugzeugen transportiert werden.

Bundeswehr/Mario Bähr

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von René Hinz
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