Zwei Generationen suchen die Bewährung
Bei der USUnited States-amerikanischen Übungsserie Warfighter wird die 10. Panzerdivision getestet. Zwei Feldwebel sind im Gefechtsstand eingesetzt.
Lagekarten, Funkmeldungen und Entscheidungen im Minutentakt: In Grafenwöhr läuft Warfighter 26. Rund 1.300 deutsche Soldatinnen und Soldaten trainieren mit NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnern die Führung großer Verbände im Gefecht. Für die 10. Panzerdivision ist die Übung der Abschluss einer Ausbildungsserie und der Schritt zur Zertifizierung als „Warfighting Division“.
Ein Führungsfahrzeug der 10. Panzerdivision fährt in den Übungsbereich in Grafenwöhr. Soldatinnen und Soldaten üben den Auf- und Abbau von Gefechtsständen und deren Betrieb in Zusammenarbeit im multinationalen NATONorth Atlantic Treaty Organization-Verband.
Bundeswehr/Dennis TeilmannsDie Übungsserie gehört zu den wichtigsten Stabsübungen der USUnited States-Streitkräfte. Gefechtsstände werden dabei auf Divisions- und Korpsebene unter realistischen Bedingungen geführt und ihre Entscheidungen koordiniert. In Grafenwöhr trainieren deutsche Soldatinnen und Soldaten deshalb nicht allein, sondern eingebunden in ein multinationales Szenario unter Führung des V. USUnited States-amerikanischen Korps. Neben der 10. Panzerdivision nehmen zwei USUnited States-Divisionen, eine polnische und eine neu aufgestellte litauische Division teil. Für die deutsche Division ist Warfighter 26 der Schlusspunkt einer dreijährigen Entwicklung, bei der sie ihre Abläufe geschärft und ihre Rolle für die Landes- und Bündnisverteidigung weiter ausgebaut hat.
Das Szenario ist ernst und bewusst nah an einem möglichen Bündnisfall angelegt: Russland greift Polen und das Baltikum an. NATONorth Atlantic Treaty Organization-Kräfte verteidigen zunächst das Bündnisgebiet. Danach setzt das Korps zum Gegenangriff an, um die territoriale Integrität der Verbündeten wiederherzustellen. Für die Stäbe bedeutet das keine abstrakte Planspielroutine, sondern Taktung unter Druck. Meldungen laufen ein, Lagen ändern sich, Entscheidungen müssen schnell vorbereitet und noch schneller abgestimmt werden. Gerade darin liegt der Wert der Übung. Sie zwingt die Beteiligten dazu, Führung nicht nur zu denken, sondern unter Belastung durchzuhalten.
Ein Großteil des Szenarios läuft als computergestützte Simulation. In Gefechtsständen, Stabsräumen und Hallen werden Operationen geplant und geführt, so wie es auch im Ernstfall notwendig wäre. Rund 1.300 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr nehmen an der Übung teil. Die 10. Panzerdivision besetzt ihre Gefechtsstände mit rund 400 Kräften. Dort werden Aufklärung, Bewegungen, logistische Abläufe und Unterstützungsleistungen zusammengeführt. Die Übung zeigt damit klar, wie stark moderne Gefechtsführung von belastbaren Prozessen, funktionierenden Netzwerken und sauber abgestimmter Stabsarbeit abhängt.
Warfighter erfolgt nicht nur am Rechner. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr trainiert die Division auch das „Springen“ ihres Forward Command Post. Dieser vorgeschobene Gefechtsstand wird abgebaut, verlegt, an einem neuen Ort wieder aufgebaut und muss in kurzer Zeit erneut arbeitsfähig sein. Genau diese Mischung aus Simulation und realem Handeln macht den Wert der Übung aus. Führung muss nicht nur auf dem Papier funktionieren. Sie muss auch dann tragen, wenn Verbindungen neu aufgebaut werden, Zuständigkeiten unter Zeitdruck greifen und ein Gefechtsstand innerhalb kürzester Zeit wieder einsatzbereit sein muss.
Soldaten der Bundeswehr und ein niederländischer Offizier arbeiten während der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Übung Warfighter 26 in einem Gefechtsstand zusammen. Dabei geht es um Führung, Lagearbeit und Entscheidungsprozesse auf Divisionsebene.
Bundeswehr/Dennis TeilmannsWie eng die Zusammenarbeit im Bündnis inzwischen geworden ist, zeigt sich im Alltag der Stäbe. Offiziere aus verschiedenen Ländern arbeiten dort selbstverständlich mit. Einer von ihnen ist ein litauischer Offizier, der die 10. Panzerdivision seit Jahren begleitet und seine Kenntnisse in die Planung einbringt. Gerade für den baltischen Raum ist das ein spürbarer Mehrwert. Seine Rolle ist wichtig: „Es war sinnvoll, an der Übungsplanung unter Teilnahme der litauischen Brigade Eiserner Wolf beteiligt zu sein“, sagt er, auch weil er die Ortskenntnis habe und „das litauische Verteidigungssystem und dessen Planung“ kenne. Damit wird aus multinationaler Zusammenarbeit etwas sehr Praktisches: besseres Verständnis, kürzere Abstimmung und ein Lagebild nah an der Realität.
Für den litauischen Offizier selbst ist Warfighter 26 zugleich eine besondere Erfahrung. Die Arbeit auf höherer Führungsebene, die Fülle an Informationen und das hohe Tempo im Gefechtsstand fordern ihn ebenso wie die anderen Beteiligten. „Das war Neuland für mich – allein die immense Menge an zu verarbeitenden Daten und die Komplexität der Vorgänge“, bilanziert er. Genau darin liegt eine der Stärken der Übung. Sie macht deutlich, wie anspruchsvoll Führung auf Divisionsebene tatsächlich ist und wie wichtig gemeinsames Verständnis im multinationalen Rahmen geworden ist.
Für die 10. Panzerdivision ist die Übung deshalb mehr als ein weiterer Durchgang. Der Großverband durchlief die Übung bereits 2024 und 2025, nun folgt der Abschluss mit der angestrebten Zertifizierung als Warfighting Division. Das Ziel ist klar formuliert: Die Division will zeigen, dass sie schnell verlegbar, professionell und gemeinsam mit ihren Partnern stark ist. Oder, wie es in der Videobotschaft heißt: „Stronger together“. Warfighter 26 sendet damit auch ein Signal über Grafenwöhr hinaus. Die 10. Panzerdivision will nachweisen, dass sie ihren Auftrag an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke erfüllen kann und das V. USUnited States-amerikanischen Korps wird das bestätigen.
von Presse- und Informationszentrum des Heeres