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Heer
Umbenennung

Ausbildungsstützpunkt heißt wieder Schule

Tradition

Seit 1956 existiert die Luftlande-/Lufttransportschule im bayerischen Altenstadt. Zwischenzeitlich umbenannt, erhielt die Ausbildungseinrichtung jetzt ihren traditionellen Namen zurück. Der Vorgang ist nicht nur ein Bekenntnis zur Tradition einer Truppengattung.

Zwei Soldaten enthüllen ein mannshohes Schild, auf dem ein Fallschirm und ein Adler sind.

Der Leiter der Lehre und Ausbildung in Hammelburg, Oberst Stefan Leonhard (l.) enthüllt mit Schulleiter Oberstleutnant Udo Francke (r.) das Kasernenschild

Bundeswehr/Tim Reinhold

Bereits seit knapp 65 Jahren werden am Standort Altenstadt Soldatinnen und Soldaten für den Fallschirmsprung und in den verschiedenen Teilgebieten des Lufttransports ausgebildet. Zu den wohl bekanntesten Lehrgängen gehört der automatische Fallschirmsprunglehrgang, bei dem die Soldaten lernen, an einer automatisch geöffneten Rundkappe aus dem Flugzeug zu springen und sicher zu landen. Seit den Fünfzigerjahren ziert deshalb der stilisierte Rundkappenfallschirm das Wappen der Schule. Infolge der Neuausrichtung des Heeres änderte sich mit dem 1. Januar 2016 der Name der Schule zu „Ausbildungsstützpunkt Luftlande-/Lufttransport“. Die Unterstellung an das Ausbildungszentrum Infanterie als ehemalige Infanterieschule blieb jedoch immer bestehen.

Identitätsstiftende Tradition gefestigt

Ein General steht draußen vor einer Formation Soldaten.

Der Kommandeur der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte), Generalmajor Andreas Hannemann, ist bei der Umbenennung bei der Truppe in Altenstadt dabei

Bundeswehr/Tim Reinhold

Im März dieses Jahres verkündete Generalleutnant Stephan Thomas bereits via Twitter, dass eine Rückkehr zu den traditionellen Namen der Ausbildungseinrichtungen stattfinden wird. Als Verantwortlicher für die militärische Grundorganisation des Heeres im Kommando Heer in Strausberg erkannte er die Bedeutung der Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr. Aus diesem Grund kehrten die Altenstädter Fallschirmjäger neben neun weiteren Dienststellen ab dem 1. April 2021 zurück zu ihrer ursprünglichen Benennung. „Dieser Vorgang ist nicht nur ein Bekenntnis zur Wichtigkeit der Tradition einer Truppengattung, sondern ist auch ein Signal für alle Ehemaligen und Reservisten der Fallschirmjägertruppe. Auch die Bevölkerung erhält hiermit ein großes Stück Geschichte zurück“, verdeutlicht der Leiter der Ausbildungseinrichtung, Oberstleutnant Udo Francke, in seiner Rede am Umbenennungstag.

Erinnerungen an alte Zeiten

Ein Soldat mit Sprunggurt springt aus dem Sprungturm der Kaserne, zwei Soldaten stehen oben am Absprungpunkt des Turmes.

Die Sprungausbildung am Turm absolvieren die Soldaten, bevor es in den Flieger geht

Bundeswehr/Ernst-Otto Disqué

„Hopptausend, Zwotausend, Dreitausend, …“ tönt es über den Platz, wenn der Springer aus dem Turm in den kurzzeitigen freien Fall übergeht. Der Ruck am Gurtzeug simuliert die Schirmöffnung. Der Rest ist routinierter Ablauf und wird bis hin zum Drill geübt, in einer professionellen und fordernden Ausbildung, seit Jahrzehnten. Mit der Umbenennung lohnt sich aber nicht nur der Rückblick auf den Springerlehrgang. In über einem halben Jahrhundert erlebten die Altenstädter Fallschirmjäger eine Vielzahl an Ereignissen, Veränderungen, Erfolgen. Es gab aber auch Todesfälle. Die Besuche und der Austausch mit ausländischen Delegationen und ranghohen Politikern, die Erprobungen in der Lehr- und Versuchskompanie 909, der Einzelkämpferlehrgang am Sauwaldhof in der Alpenlandschaft, der erste Wassersprung in den Kochelsee – viele Erinnerungen an Altenstadt und das Mutterhaus der Fallschirmjäger formen das heutige Traditionsverständnis der aktiven und ehemaligen Soldatinnen und Soldaten mit dem bordeauxroten Barett. Doch auch die Bürgerinnen und Bürger der umliegenden Gemeinden sowie Freunde des Standortes dürfen sich ab heute wieder an die Ereignisse mit der „neuen alten“ Luftlande-/Lufttransportschule erinnern.

Auszeichnung für Hauptgefreiten

Ein Soldat reicht einem zweiten die Hand und gratuliert, im Hintergrund ein weißes Zelt mit Gästen auf Stühlen.

Für eine herausragende Einzeltat erhält Hauptgefreiter Jerome Winter (l.) während des Appells eine förmliche Anerkennung

Bundeswehr/Ernst-Otto Disqué

Ein besonderer Anlass, wie eine solche Umbenennung, gibt auch die Möglichkeit für besondere Würdigungen. Während einer Bahnfahrt erkannte Hauptgefreiter Jerome Winter einen Randalierer. Er folgte ihm beim Fluchtversuch über den Bahnhof Ulm und fixierte ihn bis zum Eintreten der Sicherheitskräfte. Nur durch sein entschlossenes Handeln war es möglich, die Strafverfolgung gegen den Mann einzuleiten. Mit diesem Engagement und der Bereitschaft in einer unübersichtlichen Situation instinktiv das Richtige zu tun, verdiente sich der Kamerad die Auszeichnung vor der Truppe.

von Tim Reinhold

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