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Deutschland und Niederlande

Binationale Heereskooperation: Gemeinsam planen, beschaffen, üben und kämpfen

Binationale Heereskooperation: Gemeinsam planen, beschaffen, üben und kämpfen

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Die deutsch-niederländische Heereskooperation, die seit 1995 besteht, ist in der NATO ein exzellentes Beispiel für die enge Zusammenarbeit zweier Verbündeter. Die Landstreitkräfte beider Länder arbeiten stetig an der Verzahnung ihrer Armeen: Planung, Beschaffung, Ausbildung, Übung und Personalaustausch werden gemeinsam vorangetrieben.

Niederländische Soldaten in Paradeuniform und deutsche Soldaten stehen mit Flaggen nebeneinander.

Im März 2016 wurde das Panzerbataillon 414 mit einem feierlichen Appell im niedersächsischen Lohheide in Dienst gestellt. Es wird kommandiert von der 43. Mechanisierten Brigade der Niederlande, die wiederum der deutschen 1. Panzerdivision untersteht.

Bundeswehr

Ein zentrales Instrument für den gegenseitigen Austausch und die Festlegung weiterer Schritte zur Entwicklung der Kooperation ist das deutsch-niederländische Griffin-Seminar, auch Grisem genannt. Es findet seit 2019 regelmäßig statt, so auch Ende Oktober 2026 wieder.

Im Jahr 2022 haben auf dem Grisem der damalige Inspekteur des Heeres und der niederländische Chef der Landstreitkräfte, der Commandant Landstrijdkrachten, die „Army Vision 2022“ gezeichnet. Es ist das zentrale Dokument zur Steuerung der deutsch-niederländischen Heereskooperation. Damit wird die Bündnisverteidigung gestärkt. Beide Länder vereinbarten darin, dass sie gemeinsame einsatzfähige und austauschbare Landeinheiten schaffen wollen, die zu Gefechtsoperationen befähigt sind. 

Ein Jahr darauf, 2023, wurde die niederländische 13. Leichte Brigade in die deutsche 10. Panzerdivision integriert. Beide Verbände bereiteten sich in der Folge darauf vor, als schnell einsatzbereite „Division 2025“ für die NATO bereitzustehen. 2016 war bereits das damals neu in Dienst gestellte Panzerbataillon 414 in Lohheide der niederländischen 43. Mechanisierten Brigade in Darp unterstellt und beide in die 1. Panzerdivision integriert worden.

Im Baltikum präsent

In der „Army Vision 2022“ haben sich beide Heere neben der strukturellen Verzahnung zudem auf folgende Schwerpunkte geeinigt: die Erhöhung der Einsatzbereitschaft, personell und materiell, den Aufwuchs von Fähigkeiten sowie die Synchronisierung und Optimierung nationaler Beschaffungsprozesse – mit einem eindeutigen Fokus auf Kriegstüchtigkeit, in der NATO Warfighting genannt. All diese Punkten werden seitdem vorangetrieben.

Besonders wichtig in der Kooperation ist deshalb das 1. Deutsch-Niederländische Korps, dass als sogenanntes Warfighting Corps in den Regionalplänen der NATO für die Führung von möglichen Landoperationen vorgesehen ist. Seit 1. Juli 2026 führt das Korps für einen bestimmten Zeitraum verschiedene Großverbände der NATO in Estland und Lettland – und baut seine Präsenz im Baltikum kontinuierlich aus. Gerade wird ein sogenanntes Verbindungselement mit 16 Stabsoffizieren eingerichtet.

Gemeinsame Rüstung

Ein Gefechtsfahrzeug gibt zwischen zwei Hausattrappen einen Schuss ab, ein Feuerball entsteht.

Den Radschützenpanzer Schakal beschaffen Deutschland und die Niederlande gemeinsam. Er basiert auf dem bewährten Mehrzweckfahrgestell des GTK Boxer. Das Gefechtsfahrzeug kam bei der Lehr- und Versuchsübung des Heeres im April 2026 zum Einsatz.

Bundeswehr/Marco Dorow

Mittlerweile sind Austauschoffiziere in beiden Heeren eingesetzt und bringen die Position der Gastnation mit ein. So sind deutsche Offiziere in den niederländischen Brigaden und im niederländischen Kommandostab der Landstreitkräfte, dem Staf Commando Landstrijdkrachten, tätig. Gleichzeitig sind niederländische Offiziere im Kommando Heer, in deutschen Divisionen und im Amt für Heeresentwicklung eingesetzt. Darüber hinaus stellt das niederländische Heer den Stellvertretenden Kommandeur Feldheer sowie stellvertretende Divisionskommandeure. Niederländische Offiziere nehmen am Generalstabslehrgang in Hamburg teil, während deutsche Heeresoffiziere die niederländische Stabsausbildung am Instituut Defensie Leergangen durchlaufen. Diese Einrichtung ist vergleichbar mit der Führungsakademie der Bundeswehr. Beide Heere erkennen ihre Ausbildungen auf Generalstabsebene jeweils an.

Zudem wollen beide Heere durch gemeinsame Rüstungsbeschaffungen ihre technische Verzahnung vorantreiben. Dabei gilt der Grundsatz: Was gut genug für den einen ist, ist auch gut genug für den anderen. Beispiele für gemeinsame Beschaffungen sind das Luftlandefahrzeug Caracal und der Radschützenpanzer Schakal für die Panzergrenadiere der Mittleren Kräfte. Deutschland und die Niederlande haben rund 200 Fahrzeuge vom Typ Schakal bestellt. Beim Caracal wurde die Beschaffung von rund 3.000 Fahrzeugen vereinbart.

Bereit zur Verteidigung

Drei Generale reichen sich die Hände zur Mitte und schauen in die Kamera.

Die multinationale Battlegroup Litauen stand 2024 mit Oberstleutnant Bas Schillemans (l.) erstmals unter niederländischer Führung. Er ist seit 2022 Kommandeur des Panzerbataillons 414 aus Lohheide – eine deutsch-niederländische Erfolgsgeschichte.

Bundeswehr/PAO NATO MNBGLTU

Die sicherheitspolitische Lage, insbesondere der Krieg in der Ukraine, zwingt beide Heere dazu, ihre Verteidigungsbereitschaft zu stärken, um aus dem Stand einsatzbereit zu sein und den Kampf aufnehmen zu können. Um dies zu erreichen, bauen beide Länder auch neue Fähigkeiten auf. Gemeinsam mit den NATO-Partnern implementieren Deutschland und die Niederlande innovative Lösungen wie Künstliche Intelligenz, unbemannte Systeme wie Drohnen sowie Cyberfähigkeiten, um die Entscheidungsfindung und die Zielgenauigkeit zu steigern.

Beide Länder wollen zudem ihre Übungsaktivitäten weiter intensivieren und harmonisieren sowie Ausbildungen und Beschaffungsprozesse zur Fähigkeitsentwicklung mit den NATO-Fähigkeitszielen abstimmen. Schließlich entwickeln sie binationale logistischen Netzwerke weiter und richten sie aufeinander aus, um die Truppe zu versorgen.

Deutschland und die Niederlande betrachten den Beitrag ihrer Armeen für die NATO als wichtigen Treiber, um kriegsfähige Landstreitkräfte aufzustellen. Die Heereskommandos schaffen dafür die Voraussetzungen in Abstimmung mit den beiden Ministerien und anderen Teilstreitkräften zu Logistik, Sanitätswesen, Rüstung und Cyberabwehr. Diese sind notwendig, um gemeinsam einen glaubwürdigen Beitrag zur Abschreckung und Verteidigung im NATO-Rahmen zu leisten.

von Robbert-Jan Aarten

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