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Tiefe Integration

Deutsche und Niederländer: Zehn Jahre, zwei Nationen, ein Auftrag

Übung

Deutsche und Niederländer: Zehn Jahre, zwei Nationen, ein Auftrag

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Motoren dröhnen, Staub liegt über dem Truppenübungsplatz Bergen: Rund 7.000 deutsche und niederländische Soldatinnen und Soldaten üben bei Fighter Lion. Hier bewährt sich, was seit zehn Jahren gewachsen ist: eine niederländische Brigade in einer deutschen Division und ein binationales Panzerbataillon. 

Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland und den Niederlanden auf einem Übungsplatz.

Deutsche und niederländische Soldatinnen und Soldaten trainieren gemeinsam bei Fighter Lion auf dem Truppenübungsplatz Bergen

Royal Netherlands Army

Seit 2016 ist die niederländische 43. Mechanisierte Brigade der deutschen 1. Panzerdivision unterstellt. Im selben Jahr wurde das Panzerbataillon 414 in Dienst gestellt. Dessen 4. Kompanie besteht vollständig aus niederländischen Soldatinnen und Soldaten. Sie werden nach deutschen Vorgaben ausgebildet. Deutsche dienen in Havelte, dem Heimatstandort der 43. Mechanisierten Brigade, Niederländer im Divisionsstab in Oldenburg. Deutsche führen Niederländer, Niederländer führen Deutsche.

Mehr als eine Unterstellung

Der Ursprung dessen liegt im Projekt Taurus. Deutsche und niederländische Truppenteile sollten von der Kompanie- bis zur Divisionsebene verbunden werden. Deutschland gewann mit der 43. Mechanisierten Brigade einen modernen, digital vernetzten Großverband und Expertise mit dem Schützenpanzer CV90. Die Niederlande erhielten nach Auflösung ihrer eigenen Division wieder eine Führung und mit dem Panzerbataillon 414 die Panzertruppe zurück. Doch wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Praxis?

Wenn Unterschiede Stärke werden

Ein Command Sergeant Major im Panzerbataillon 414 erinnert sich an eines der ersten deutschen Wörter, das ihm in Besprechungen auffiel: „Trennung“. Das steht im deutschen Militärjargon für „neues Thema“. Während Gespräche in den Niederlanden oft fließend von Thema zu Thema wechseln, werden sie in Deutschland stärker gegliedert. Was zunächst ungewohnt war, wurde für ihn zur Stärke: Niederländische Spontaneität und deutsche Klarheit ergänzen sich.

Ein Corporal First Class beschreibt einen weiteren Unterschied: Niederländische Soldatinnen und Soldaten gingen oft direkter in den Austausch, Deutsche legten stärker Wert auf Struktur und formale Führungslinien. Sein Fazit: „Wir arbeiten nicht immer gleich, aber wir verfolgen dasselbe Ziel.“

Major Leo Z. beschreibt es zugespitzt: In den Niederlanden höre man eher: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. In Deutschland eher: Wenn es nicht ausdrücklich erlaubt ist, lasse ich es. Was nach Gegensatz klingt, wird zum Mehrwert. Niederländische Flexibilität und deutsche Nachvollziehbarkeit können dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen.

Panzer oder Soldatinnen und Soldaten eines binationalen Verbandes.

Deutsche Panzer, die mit niederländischen Soldaten besetzt sind, machen die tiefe Integration beider Landstreitkräfte deutlich

Royal Netherlands Army

Zusammenhalt über den Dienst hinaus

Zusammenhalt entsteht aber nicht nur im Dienst. In Havelte wird der Tag der Deutschen Einheit gemeinsam begangen, in Oldenburg und Bergen/Lohheide feiern beide Nationen den niederländischen Königstag. Besonders sichtbar wird die Verbindung am 4. Mai, dem niederländischen Gedenktag für die Opfer von Krieg und Gewalt. In Bergen-Belsen stehen beide Nationen gemeinsam im Gedenken.

Gut zehn Jahre nach der Aufstellung des binationalen Panzerbataillons zeigt sich: Militärische Stärke entsteht nicht aus Gleichförmigkeit. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Führungskulturen an einem gemeinsamen Auftrag arbeiten. Vielfalt ist dabei kein Hindernis. Sie kann ein entscheidender Vorteil sein.

von Sandra Reker

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