Heer
Heeresflieger bereit für den NATO-Einsatz

Kein Nachschub ohne erfolgreichen Kampf

Kein Nachschub ohne erfolgreichen Kampf

  • Landes- und Bündnisverteidigung
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Datum:
Ort:
Wildflecken
Lesedauer:
4 MIN

Mit seinen Mehrzweckhubschraubern NHNATO-Helicopter-90 unterstützt das Transporthubschrauberregiment 30 der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) die Kampftruppen mit Versorgungs- und Truppentransporten. Ein Teil von ihnen befindet sich aktuell in der Bereitschaft für die NATO Response Force (NRFNATO Response Force). Unter ihnen sind auch die Soldaten der 1. Staffel. Was sie jetzt üben, kann im Ernstfall Realität werden.

Durch ein Nachtsichtgerät beobachtet, fährt ein Lastkraftwagen bei Nacht über einen Feldweg.

Ohne sie läuft nichts: Die Soldaten der 1. Staffel des Transporthubschrauberregiments 30 halten das Regiment durch verschiedene Dienstleistungen am Laufen.

Bundeswehr/Frederik Ströhlein

Die Soldatinnen und Soldaten der 1. Staffel des Transporthubschrauberregiments 30 haben keine eigenen Hubschrauber. Ohne sie würden jedoch die Hubschrauberbesatzungen gar nicht erst ihren Auftrag ausführen können. Die 1. Staffel sorgt für die grundsätzliche Einsatzbereitschaft des Heeresfliegerverbandes. Sie gewährleistet die Nutzbarkeit der Landebahnen mit ihrem Flugplatztrupp und dem militärischen Brandschutz, betreibt die Radaranlagen und die Flugberatung. Darüber hinaus kümmern sich die Allrounder mit der Material- und der Transportgruppe um den Materialumschlag sowie die logistische Versorgung der nichtfliegenden Anteile des Regiments. Außerdem verfügt diese Staffel auch über eine Verpflegungsgruppe, um die Feldverpflegung der Heeresflieger im Einsatz oder auf Übungen aufrechtzuerhalten. Für den Betrieb einer vorgeschobenen Operationsbasis (FOB) oder eines vorgeschobenen Nachschubpunktes (FARP) sind die Fähigkeiten der Staffel unerlässlich.

Um für den NATO-Auftrag einsatzbereit zu sein, beteiligt sich das Regiment mit seinen NRFNATO Response Force-Anteilen auch an der Wettiner Übungsreihe der Panzergrenadierbrigade 37. Es zählt: enge Verbindung zur Kampftruppe halten und realistisch üben.

Im Feuerkampf

Zwei Soldaten stehen mit ihrem Gewehr im Anschlag in einem Schützenloch auf einer Wiese und schießen.

Auch Versorger müssen kämpfen können. Das wird bei einer Übung in Wildflecken deutlich. Hier müssen sich die Versorger im scharfen Schuss und im taktischen Vorgehen beweisen.

Bundeswehr/Frederik Ströhlein

Wir sind auf dem Übungsplatz Wildflecken. Das Szenario sieht so aus: Soldaten der 1. Staffel marschieren zu einem sogenannten Forward Arming and Refueling Point (FARP), einem vorgeschobenen Nachschubpunkt. Dabei werden sie plötzlich von einer Anhöhe aus beschossen. Doch die Soldaten reagieren schnell. Sofort suchen sie Deckung und bewegen sich durch das Grabensystem, das zwischen ihnen und dem Feind liegt. Während vereinzelte Soldaten noch in Stellung gehen, eröffnet der Maschinengewehr-Schütze der Gruppe bereits das Feuer, um den Feind niederzuhalten. Dann eröffnet auch der Rest der Gruppe das Feuer. Es folgen zehn Minuten Feuerkampf.

Heeresflieger gehören zwar nicht zur Kampftruppe, aber für sie, als Teil der NRFNATO Response Force, ist in der Landes- und Bündnisverteidigung ein Gefechtsszenario durchaus realistisch. Auch Unterstützer müssen kämpfen können. Die NRFNATO Response Force ist die Schnelle Eingreiftruppe der NATO. Aktuell sind auch Heeresflieger aus Niederstetten in ständiger Bereitschaft. Im kommenden Jahr trägt die aktuelle Response Force Land nicht nur die NRFNATO Response Force-Verpflichtung. Dann wird sie als Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) mit einer kürzeren Alarmierungszeit von zwei bis sieben Tagen für ein Jahr lang zum schnellsten verlegbaren Großverband innerhalb der NRFNATO Response Force.

Eingespieltes Team für den Ernstfall

Mehrere bewaffnete Soldaten rennen über eine Straße ins Gelände.

Im Ernstfall kann das Transporthubschrauberregiment 30 als ein Teil der Aviaton Task Force der NATO Response Force eingesetzt werden. Dafür üben sie jedes erdenkliche taktische Szenario.

Bundeswehr/Frederik Ströhlein

Wenn im Ernstfall das Transporthubschrauberregiment 30 als ein Teil der Aviaton Task Force für die NRFNATO Response Force eingesetzt wird, operiert es von einer Forward Operation Base (FOB) aus und mit einem FARP, also einem vorgelagerten Punkt für die Betankung und Ausgabe der Munition. Da dieser Punkt jedoch auch nah am potenziellen Kampfgeschehen liegen kann, braucht das Regiment dauerhaft Nachschub, Verpflegung sowie eine Möglichkeit, alle Radfahrzeuge zu warten. Hier kommt die 1. Staffel des Regiments ins Spiel. Sie gewährleistet mit ihren Teileinheiten Führungsfähigkeit, Verpflegung, den materiellen Nachschub und die mobile Einsatzbereitschaft des Regiments. Dabei stehen nicht nur infanteristische Fähigkeiten wie der Umgang mit Panzerfäusten, Granatpistolen und das Gefecht in der Verteidigung auf dem Plan, sondern auch Kompetenzen, auf dem rauen Gefechtsfeld mobil zu bleiben.

Nachschub muss rollen – auch durch tiefsten Schlamm

Über einen schlammigen Feldweg fährt ein beiges Gefechtsfahrzeug.

Nicht nur die Gebirgsjäger haben ihn: Der BV 206 S Hägglunds wird beim Transporthubschrauberregiment als Führungsfahrzeug eingesetzt und für seine Geländegängigkeit geschätzt.

Bundeswehr/Frederik Ströhlein

Eine wichtige Fähigkeit der Kraftfahrer ist das Navigieren im Gelände und das Manövrieren unter schwierigen Bedingungen. Bereits im Frühjahr konnten die Soldaten im tiefen Schnee und bei eisigen Temperaturen auf der Geländehindernisbahn ihre Leistungen trainieren – Tag und Nacht. In Wildflecken hat die Staffel nun erneut die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Der Schnee ist tiefem Schlamm gewichen. Hier wird nicht nur mit den verschiedenen Radfahrzeugen der Staffel und sogar den Kränen, sondern auch mit dem BV 206 S Hägglunds, einem gepanzerten und besonders geländegängigen Kettenfahrzeug, geübt. Es dient Unterstützern als mobiles Führungsfahrzeug.

Ein Soldat kniet an einem Rad eines Lastkraftwagens und legt eine Gleitschutzkette an.

Auch die Kraftfahrer der Heeresflieger müssen sich regelmäßig weiterbilden. Das zügige und fehlerfreie Anlegen der Gleitschutzketten kann im Ernstfall wertvolle Zeit sparen.

Bundeswehr/Frederik Ströhlein

Für die Soldaten sind diese Fähigkeiten im Ernstfall ebenso überlebenswichtig wie die Vorbereitung auf ein Gefecht. Wenn Fahrzeuge im Schlamm stecken bleiben oder aus anderen Gründen nicht weiterkommen, liegen sie für den Gegner sprichwörtlich auf dem Präsentierteller. Aus diesem Grund wird auch das Anbringen und Fahren mit Gleitschutzketten geübt, um weichen und rutschigen Untergrund mit genügend Grip überwinden zu können. Für den Ungeübten ist das Anlegen der Ketten knifflig und dauert eine Weile. Deshalb müssen die Soldaten das immer wieder üben, damit es auch unter Gefechtsbedingungen schnell und fehlerfrei geht.

von Frederik Ströhlein

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