Heer

Die Jagd durch den Nebel

Die Jagd durch den Nebel

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Wildflecken
Lesedauer:
7 MIN

Die Jäger sind Teil der Infanterie des Deutschen Heeres. Sie sind Meister im Kampf in unübersichtlichem Gelände, egal ob im Nebel des Waldes oder von Haus zu Haus. Auf einer Übung in der Rhön zeigen sie, dass sie für die Landes- und Bündnisverteidigung gewappnet sind und lassen ihre jahrhundertealte Tradition mit moderner Kampfweise und Technik verschmelzen.

Mehrere Soldaten gehen bei dichtem Nebel hinter einem dunklen Kieshaufen in Stellung.

Gerade bei schlechter Sicht am Boden zählt für Infanteristen, wie die Jäger, stets den Überblick zu gewinnen und zu behalten, um den Auftrag zu erfüllen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Früh beginnt der Landmarsch. In der Kolonne mit vielen Fahrzeugen machen sich die Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons 292 aus Donaueschingen auf den Weg zu einem bestimmten Ort in Bayern. Von Hammelburg aus, dem sogenannten Verfügungsraum, werden sie sich morgen dann einem einsatznahen Verfügungsraum in der Rhön mitten im Wald nähern. Dieser Ort wird ganz nah am Feind sein, das Angriffsziel in unmittelbarer Nähe.

Stark für die Landes- und Bündnisverteidigung

Ein gepanzertes, teilweise getarntes Fahrzeug steht im Wald.

Sperrige Gefechtsfahrzeuge müssen sofort getarnt werden, um sie den suchenden Augen des Feindes möglichst zu entziehen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Was führt die Jäger aus Donaueschingen in die Rhön nach Wildflecken? Sie wollen trainieren, größere Strecken auf dem Landweg zu überwinden, anschließend abzusitzen und ihren eigentlichen Kampfauftrag auszuführen. Es ist wichtig, dass die logistische Versorgung eines solchen Kampfbataillons in Übung gehalten wird, denn Bataillone, wie das Jägerbataillon 292 müssen mehrere Tage autark, also ohne externe logistische Unterstützung, kämpfen können. Wird es ihnen gelingen, ihre Fahrzeuge an einem erkundeten Ort im Gelände zu betanken und Wasser und Nahrung für die Soldatinnen und Soldaten im Feld zu verteilen? In der letzten Phase, im Angriff, sind sie dann in ihrem ureigenen Element. Sie werden ihre Fahrzeuge an einem sicheren Ort abstellen, sich zu Fuß durch den dichten Wald kämpfen und mit ihrem Gewehr und ein Angriffsziel, ein altes Feldlager, nehmen.

Nicht entdeckt werden

Eine Gruppe Soldaten versammelt sich auf dem belaubten Waldboden um einen Soldaten mit einer Karte.

Im Wald erhalten die Gruppenführer eines Zuges der Donaueschinger Jäger den Befehl für die Sicherung.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Im einsatznahen Verfügungsraum angekommen und frisch aufgetankt und durch die Logistik versorgt, müssen sie schnell ihre großen Gefechtsfahrzeuge der Sicht des Feindes entziehen. Jede Gruppe bezieht mit ihrem Fahrzeug eine sogenannte Box, sprich eine Art Parkplatz, der vorher erkundet wurde. Unter den Bäumen des dichten Tannenwaldes beginnt jede Gruppe sofort, ihr Fahrzeug mit Tarnmaterial der Umgebung anzupassen. Geschwungene Tannenäste und Moos bedecken die Lackierung der auffällig kantigen Stahlmonster. Die Tarnung darf die Fahrzeuge allerdings nicht an der Bewegung hindern. Die Sicherung wird geplant, um bei Angriffen sofort zu alarmieren und kämpfen zu können. In der Dämmerung folgen dann die Befehlsausgaben für den morgigen Angriff auf Kompanieebene. Um ein Modell des Einsatzgebiets, den sogenannten Geländesandkasten, versammelt sich das Führungspersonal der jeweiligen Kompanie. In den letzten Lichtstrahlen schimmern die fluoreszierenden Farben auf der großen Lagekarte und zeigen Wegeverläufe sowie mögliche Hindernisse. Hier wird der morgige Angriff durchgegangen. Die Befehlsausgabe wird kurz, aber präzise gehalten. In der Nacht soll es losgehen, der Angriff auf das feindliche Feldlager. Wird in der Früh alles nach Plan verlaufen?

Angriff in der Dunkelheit

Eine Gruppe Soldaten versteckt sich im Dunkeln hinter einem grünen Erdwall an einer Waldkante.

Seit 2 Uhr hat der Angriff der Infanteristen begonnen. Die letzten zwei Kilometer geht es zu Fuß ins Angriffsziel.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Mitten in der Nacht, um 2 Uhr, geht es für die meisten Soldaten los. Interessant ist, dass die Aufklärungskräfte bereits sieben Stunden früher am selben Ort waren, um mögliche Wege und den Absitzraum zu erkunden. Bei absoluter Dunkelheit sitzen die Jäger wieder auf ihren Gefechtsfahrzeugen vom Typ GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer auf. Die gepanzerten Wagen sind in erster Linie bewaffnete Transportmittel für die Infanteristen. Mit ihnen gelangen sie in den vom Feind besetzten Einsatzraum, wo sie mit leichter Ausrüstung das Fahrzeug verlassen, also absitzen. Die Fahrzeuge werden dann in einem sicheren Versteck untergezogen und warten, bis sie wieder abgerufen werden. Ihren Weg zum Angriffsziel, ungefähr zwei Kilometer, gehen die Jäger ab jetzt zu Fuß. Mit Funkgeräten und Nachtsichtmitteln ausgestattet, fällt jeder Schritt durch den Urwald der Rhön leichter, denkt man zumindest. Nicht immer sind die Mittel nutzbar. Bei dichtem Nebel und Neumond in unbekanntem, unwegsamem Gelände sind tatsächlich eher die traditionellen Fähigkeiten der Jäger von Vorteil. Es zählt, sich gut orientieren zu können, das schwache Licht, reflektiert durch den Mond, zu nutzen und sich im Schutze des Nebels anzunähern. Absolute Stille ist jetzt gefordert. Jäger sind darin geübt, sich leise wie eine Raubkatze durch den Wald zu bewegen, fließend wie das Wasser eines Baches. Jedes kleinste Geräusch, jeder brechende Ast und jeder unüberlegte Laut könnte sie sofort zum Ziel für den Feind machen.

Geflecht aus Klingen

Ein Soldat öffnet mit einer großen Metallschere eine Rolle aus Stacheldraht auf einer grauen Asphaltstraße.

Die stabilen Stacheldrahtsperren werden bewacht und sind nur mit Werkzeug oder Sprengmitteln zu öffnen. Schnelligkeit ist gefragt.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Währenddessen richtet sich auf der anderen Seite der Feind in seinem Lager zur Verteidigung ein. Der Feind zählt 33 Soldaten, zwei gepanzerte und bewaffnete Fahrzeuge, ein Führungs- und Funktionsfahrzeug Eagle und ein GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer. Straßen und Wege, die dem Feind helfen könnten, sich ungehindert durch das Objekt zu bewegen, werden mit Stacheldraht gesperrt und mit Maschinengewehren überwacht. Die roten Kräfte sind sich sicher: Hier kommt keiner so leicht durch. Es gibt wenige Öffnungen. Durch sie soll der Feind gezielt durch das eiserne Netz in das Feuer gelenkt werden. Sollten sich die Jäger dazu entschließen, diese Wege unbedarft zu nutzen, erwartet sie das Feuer aus allen Rohren. Der Weg sollte durch den Angreifer also mit Bedacht gewählt werden. Mit der Drahtschere unter Deckungsfeuer durch den bewachten Zaun oder Überwinden der Stacheldrahtsperre unter Deckungsfeuer? Eine schwere Entscheidung.

Wird der Plan der Jäger aufgehen?

Eine Gruppe Soldaten versteckt sich bei Nebel hinter einem grauen Kieshügel vor einer Halle.

Nachdem die Jäger sich in der Dunkelheit durch den Wald an das Ziel angenähert haben, warten sie auf das Überraschungsmoment für den Sturm.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Im Nebel sind die Rollen aus Stacheldraht nur schwer erkennbar. Im gegenüberliegenden Wald warten die Jäger bereits in ihrer Sturmausgangsstellung. Von hier aus soll die Sturmphase auf das Objekt beginnen. Mit zwei Elementen, einem Sturm- und einem Deckungselement wollen die Jäger angreifen. Während die 2. Kompanie überwacht und Deckungsfeuer auf das Objekt namens Hawk Site#en schießt, wird die 3. Kompanie stürmen und eine Einbruchstelle in das Objekt schaffen. Wenn die 3. Kompanie dann drin ist, kann sich jetzt die 2. Kompanie bewegen und so schnell wie möglich viele Soldatinnen und Soldaten nachziehen. Die Taktik nach dem Prinzip Feuer und Bewegung wird vom Kommandeur selbst koordiniert. Mit seinem Bataillon will er das Objekt nehmen. Was bedeutet das? Infanteristen haben ein Angriffsziel genommen, wenn sie jedes einzelne Gebäude feindfrei gekämpft haben, nach innen sichern und nach außen überwachen können.

Feuer und Bewegung

Ein Soldat hinter einem Gebäude gibt einem anderen rennenden Soldaten ein Handzeichen.

Beim Sturm und Einbruch drücken sich die Jäger Trupp für Trupp unter Deckungsfeuer durch das Objekt, um es zu nehmen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Dann geht alles ganz schnell. Maschinengewehre feuern aus dem Wald. Unter Deckungsfeuer und Nebel gelangen die ersten Jäger rennend aus dem dunklen Wald direkt an eine Sperre. Im Ernstfall werden die vielen Lagen des gefährlichen Geflechts mit einem Sprengrohr geöffnet. Ein kleiner schmaler Weg ist jetzt offen und passierbar für die Jäger. Dann erfolgt die Phase Sturm und Einbruch. Unter Deckungsfeuer ziehen die Jäger so viele Soldaten wie nur möglich in das Objekt. Sie suchen hinter den zahlreichen Gebäuden Deckung. Der Feind wartet den Hang aufwärts auf sie – ein enormer taktischer Vorteil. Wie können sie Erfolg haben? Die Jäger sagen: Nur das Einfache hat Erfolg. Sie entschließen sich deshalb dazu, sich überschlagend nach vorn zu kämpfen, mit Schwung. Auf jeden Verteidiger kommen somit sechs Angreifer.

Immer wieder ist Maschinengewehrfeuer zu hören. Gebäude für Gebäude bringen die Jäger unter ihre Kontrolle. Gut zu beobachten ist, dass sich die Infanteristen immer nur dann bewegen, wenn das eigene schützende Deckungsfeuer liegt. Nur so wird der Feind daran gehindert, sie gezielt zu bekämpfen. Dann greift plötzlich ein Trupp über eine Freifläche an, ohne schützendes Deckungsfeuer. Die Infanteristen werden sofort vom Feind bekämpft.

Die letzten Minuten der Operation

Eine Gruppe Soldaten versteckt sich im Gras bei Nebel hinter einer Hauswand und gibt sich Handzeichen.

Jeder muss wissen, wo die Gefahren lauern, bevor die Soldaten sich zügig zum nächsten Gebäude bewegen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Es kommt jetzt darauf an, den Angriffsschwung aufrecht zu erhalten. Trupp für Trupp gelangt hangaufwärts. Die Jäger sind jetzt deutlich in der Überzahl. „Man spricht davon, dass dem Feind immer mehr das eigene Handeln aufgezwungen wird“, erklärt Hauptmann Philipp Riedl vom Jägerbataillon 292. „Es wird ihm keine Möglichkeit geboten, schützende Wechselstellungen zu beziehen oder sich einen taktischen Vorteil zurückzugewinnen.“ Oben auf der Hawk Site, ungefähr eine dreiviertel Stunde später, ergibt sich der Feind und legt seine Waffen nieder. Der Plan der Donaueschinger Jäger geht auf. Das Angriffsziel ist genommen.

Unschlagbarer Mix: Tradition und hochmoderne Waffen

So trainiert das Jägerbataillon 292

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Ein beigefarbenes Gefechtsfahrzeug fährt auf einem Schotterweg durch den herbstlichen Laubwald.

Landes- und Bündnisverteidigung heißt auch, dass die Jäger viele Hundert Kilometer auf ihrem Gefechtsfahrzeug überwinden können müssen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Ein Soldat betankt auf einer grauen Betonfläche neben vielen Fahrzeugen einen Panzer.

Normalerweise unter Deckung im Wald: Zu Übungszwecken wird die Kampftruppe im Gelände auf einer Betonfläche betankt und mit Gütern wie Wasser und Nahrung versorgt.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Zwei Soldaten arbeiten im Wald an einem Gefechtsfahrzeug.

Steht ein Gefechtsfahrzeug auf der Stelle, muss es zum Schutz umgehend durch die Soldaten getarnt werden.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Eine Gruppe Soldaten läuft vor einer grünen Halle an einem Hang hoch. Daneben ist eine mit Stacheldraht versperrte Treppe.

Beim Sturm und Einbruch zum Angriffsziel stoßen die Infanteristen immer wieder auf Sperren, die sie verlangsamen, die sie aber zügig überwinden müssen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Ein Soldat stützt seine Hand an einer grünen Containerwand ab. Mit der anderen hält er den Hörer seines Funkgeräts.

Kompaniechef Major Sascha Einig führt seine 3. Kompanie des Jägerbataillons 292 im Angriff.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Ein Soldat mit Gewehr im Nebel auf einer Wiese schreit, daneben stehen weitere Soldaten.

Beim Angriff zählt gute Koordination mit den Kameraden. Im Gefechtslärm und unter Stress ist dies gewiss keine leichte Aufgabe.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Ein Soldat liegt hinter einem Kieshaufen in Deckung und schießt.

Beim Prinzip Feuer und Bewegung zählt das ausreichende Deckungsfeuer durch Maschinengewehrschützen, hier mit einem MG5. Sie unterstützen ihre Kameraden im Sprung.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

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von Peter Müller

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