Diensthunde der Bundeswehr
Von der Aufzucht über die Ausbildung und den Einsatz bis zur Versorgung im Alter – all das ist Aufgabe des Diensthundewesens der Bundeswehr.
Mit ihren sensorischen Fähigkeiten sind Diensthunde der Pioniertruppe in der Lage, versteckte Waffen und Kampfmittel aufzuspüren – und üben das regelmäßig mit ihren Diensthundeführern. Aber kann das auch ein Roboter? Warum der Spürsinn der lebenden Vierbeiner weiter unverzichtbar bleibt und wann die Bundeswehr zukünftig Roboterhunde einsetzen will.
Die Einsatzkompanie der Kampfmittelabwehrschule in Stetten am kalten Markt ist die militärische Heimat der Diensthundetrupps der Pioniere. Hier finden regelmäßig Ausbildungen im internationalen Rahmen statt.
Bundeswehr/Vico KrögerEin dunkler Schacht führt tief ins Innere einer unterirdischen Bunkeranlage im Landkreis Sigmaringen. Von hier aus kamen die Drohnen des Feindes. Im Gefecht musste der in ein neues Versteck ausweichen. Welche Gefahren hier unten für die eigene Truppe lauern, das wissen die Diensthundetrupps der Einsatzkompanie aus Stetten am kalten Markt, die hier bei einer Übung die Kampfmittelsuche trainieren. Sie sind Spezialisten für das Erkennen von Sprengladungen, Munition und Waffen, die der Feind zurückgelassen haben könnte, um Schaden anzurichten.
Diensthundetrupps gehen dorthin, wo es für andere zunächst gefährlich sein könnte. Die spezifische Ausbildung der Pioniere, die Lehrgänge zum Diensthundeführer mit dem Hund und das spätere Training in der Einsatzkompanie sind intensiv und sehr realistisch. So wachsen Mensch und Tier zu einem festen Team zusammen.
Die Hunde, meist Deutsche oder Belgische Schäferhunde, sind agil und wegen ihrer besonderen Fähigkeiten in der Lage, selbst auf engstem Raum ihren Auftrag auszuführen. Sie können 100.000-mal besser Düfte wahrnehmen als der Mensch. Je nach Einsatzzweck, Art und Ausbildung sind die Tiere darauf trainiert, die Sprengladungen binnen kürzester Zeit direkt aufzuspüren – egal, ob sich die Gefahrenquellen hinter verschlossenen Türen oder im Boden befinden. Diese Eigenschaften werden sie im Bunkersystem brauchen.
Das Fliegen mit dem Hubschrauber ist eine mögliche Verbringungsart für die Diensthundetrupps. Die Verfahren werden regelmäßig geübt, um handlungssicher zu werden und um den Hund daran zu gewöhnen.
Bundeswehr/Vico Kröger
Bei der Übung werden die Diensthunde ins dunkle Bunkersystem abgeseilt. Dort sollen sie nach Sprengladungen suchen. Ein ruhiger Hundeführer bewirkt, dass sich die Hunde konzentrieren und nicht ablenken lassen.
Bundeswehr/Vico KrögerMit dem Hubschrauber geht es für die Diensthundetrupps zum Übungsort. Dort angekommen, lassen die Diensthundeführer ihre Hunde am Seil durch einen Luftschacht ins dunkle Innere eines der Bunker ab. Für die Tiere ist das der pure Stress. Sie legen ihr Leben in die Hände des Menschen – großes Vertrauen ist nötig. Die Hunde können natürlich nicht wissen, dass es sich beim Einsatz im Bunker nur um eine realistische Übung handelt. Bereits auf dem Weg nach unten muss ihre Nase gut funktionieren und der Fokus auf dem Spürauftrag liegen. Dabei muss der Mensch Ruhe und Nerven bewahren. Hunde spüren sofort, wenn etwas nicht stimmt.
Endlich sind alle Pfoten auf dem Boden. Der Mensch folgt ihm. Unter Taschenlampenlicht tasten sich die beiden Hundetrupps Meter für Meter vor. Überall Dreck, Müll, sogar zurückgelassene Gefallene – ein beißender Geruch zieht in die Nasen. Rauch erschwert die Sicht. Plötzlich legt sich einer der Hunde in einem offenen Raum vor einer Munitionskiste ab und starrt sie an – das eindeutige Signal, dass er etwas gefunden hat. Aber auch so muss der Hundeführer seinen Hund gut lesen können, ihn verstehen, um ihn wiederum zu schützen. Denn die treuen Begleiter würden ihren Dienst sonst bis über ihre Belastungsgrenze hinaus leisten.
Jetzt beginnt die Arbeit des Pioniers. Nachdem er die Zündvorrichtung gefunden hat, die mit einer Anti-Personen-Mine verbunden ist, muss jede Bewegung des Objekts vermieden werden. Der Fund wird sofort markiert und zur Räumung vorbereitet. Hätte man die Kiste einfach angehoben, wäre die Mine binnen Millisekunden explodiert. Es gäbe keine Zeit zu reagieren.
Für die Tiere ist die Spürarbeit sehr anstrengend. Wenn sie die Gerüche derart intensiv aufsaugen, sind 10 bis 15 Minuten Spürarbeit vergleichbar mit einem Halbmarathon für einen Menschen. Um die Spürarbeit wiederholbar und verlässlich zu leisten, trainieren die Hundeführer deshalb die Tiere immer wieder, schärfen ihre Sinne und bereiten sie damit auf ihren speziellen Einsatz vor. Könnte man das auch mit einem Roboter oder eine KI machen?
Bislang nicht. Denn Tiere setzen bei ihrem Einsatz nicht nur ihre Sinne ein. Sie nutzen Erfahrungswerte und können durch die Interpretation ihrer Sinnesleistung Entscheidungen treffen, wo die KI teilweise nicht weiterkommt. Roboterhunde und echte Tiere ergänzen sich aber bei der jeweiligen Leistung, die erbracht werden muss. Die Technik soll und kann das echte Tier nicht ersetzen.
Roboterhunde sind aber mittlerweile in der Lage, dem Team Mensch/Hund Arbeit abzunehmen und dort zu entlasten, wo es gebraucht wird – etwa wenn konkrete Gefahren auf ausgebrachte ABC-Kampfmittel hindeuten oder in einem großflächigen Einsatzraum unter feindlichen Beschuss nach Kampfmitteln gesucht werden muss. Zusätzlich können die Roboter auch mit Sprengladungen ausgestattet werden, wo sonst ein besonderes Risiko für Mensch und Tier besteht.
Roboterhunde, wie der V60 der Bundeswehr, sind so robust gefertigt, dass sie selbst unter extremen Gefechtsbedingungen Informationen liefern können, um so Mensch und Tier zu unterstützen
Bundeswehr/Vico Kröger
Vierbeinige Roboter sind dank KI und optionaler Sensorik mittlerweile in der Lage, Kampfmittel aufzuspüren. Doch werden sie den echten Hund irgendwann ersetzen können?
Bundeswehr/Vico KrögerDie Bundeswehr hat erste Roboterhunde im Bestand. Aktuell wird erprobt, wie die Technologie in der Truppe eingesetzt werden kann. Daran arbeiten die Entwickler gemeinsam mit der Truppe und der Industrie auf Hochtouren. Das Ziel: Ressourcen sparen, Arbeit abnehmen und sich einen Vorteil gegenüber einem möglichen militärischen Gegner verschaffen.
Die Roboterhunde sind für den militärischen Einsatz gebaut und können extrem viel einstecken. Sie halten teilweise Beschuss stand und ihre elektronischen Sensoren sind gehärtet. Wie eine Art Rechnernetzwerk sind sie der verlängerte Arm oder die Augen für den Bediener aus der Entfernung. Sie sind als Plattform zu verstehen, die mit einer integrierten Recheneinheit funktioniert und je nach Einsatzzweck eine vielseitige Zusatzausstattung trägt. Dazu zählen unter anderem Manipulatorarme, Waffensysteme, Kameras und spezielle Sensorik wie Massenspektrometer.
Mithilfe von KI können gesammelte Informationen in Echtzeit übermittelt und schnell ausgewertet werden. Die Ergebnisse tragen zur Entscheidungsfindung bei, wie mit der Gefahrenquelle umgegangen werden soll – inklusive der Sprengung durch eine am Roboterhund angebrachte Ladung.
Weder der Roboter noch der Diensthund ist dem anderen überlegen. Der Mensch ist sowohl mit dem Hund als auch mit dem Roboter in der Lage, jeweils sein sensorisches Netzwerk zu erweitern – am Ende führt die Effizienz zum Vorteil. Deshalb ist es wichtig, dass die Truppe echte Diensthunde einsetzt und gleichzeitig Robotertechnik mit Bionik auf dem Gefechtsfeld implementiert.
von Peter Müller