Heer
Kombinierte Gebirgsausbildung

Ein eingespieltes Team: Heeresflieger und Gebirgsjäger

Ein eingespieltes Team: Heeresflieger und Gebirgsjäger

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bayern
Lesedauer:
4 MIN

Der Rotorwind drückt alles zu Boden. Auf einer Bergnase, einem schroffen Felsvorsprung, unterhalb der imposanten Alpspitze, landet ein Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90. Mit einem Arm halten sich mehrere Soldaten an der Schulter des Vordermanns. Geduckt rücken die Gebirgsjäger in einer Art Kette an die Seitentüre heran und steigen nacheinander in die Maschine.

Mehrere Soldaten laufen in Reihe zu einem Hubschrauber auf einer Wiese vor einer Felswand.

Mühsam kämpft sich eine Gruppe Gebirgsjäger gegen den Rotorenwind an den NHNATO-Helicopter-90-Transporthubschrauber heran. Heeresflieger und Gebirgsjäger sind ein eingespieltes Team.

Bundeswehr/Sebastian Krämer

Vom Tal aus ist das Manöver zu erkennen. Es ist die gemeinsame Übung des Transporthubschrauberregiments 30 aus Niederstetten und des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233. Über mehrere Tage trainieren sie zusammen den herausfordernden Transport von Personal und Material im schroffen Gebirge. Die Besonderheit ist, dass hiermit die Gebirgsjäger bereits in ihrer Spezialgrundausbildung, also ganz zu Beginn ihrer anspruchsvollen Dienstzeit, das Zusammenwirken mit dem Hubschrauber erlernen.

Für die meisten Übungsteilnehmenden ist die gemeinsame Übung am Wetterstein- und am Estergebirge Teil eines viertägigen Hochgebirgsbiwaks – quasi die Abschlussübung innerhalb der Spezialgrundausbildung. Die angehenden Gebirgsjäger werden in der 2. Kompanie des Mittenwalder Bataillons ausgebildet. Bevor die Soldaten diesmal in den NHNATO-Helicopter-90 steigen, haben sie bei der Abschlussübung bereits allerhand erlebt. Unter Gefechtsbedingungen kletterten sie am Seilgeländer bis zur Alpspitze, begingen den Ferrata-Klettersteig und trainierten das Abseilen am Felsen.

Kampftruppe trifft Hubschrauber

Ein Hubschrauber mit Aufschrift Heer schwebt unter blauem, leicht bewölktem Himmel über dem Fotografen.

Mit dem Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 ist die Kampftruppe in der Lage, schnell und unmittelbar an den Einsatzort zu gelangen. Die Zusammenarbeit mit den Heeresfliegern wird auch von erfahrenen Infanteristen regelmäßig geübt.

Bundeswehr/Jana Neumann

Zur Ausbildung im Gebirge gehört die schnelle Verlegung mit geeigneten Transportmitteln. Die Kampftruppe soll im Ernstfall unmittelbar einsatzbereit sein. „Das geht am besten mit dem Hubschrauber“, unterstreicht der Kompaniechef der 2. Kompanie, Hauptmann Hermann P. Man bewege sich schon im anspruchsvollen Gelände und nun komme die Transportausbildung mit dem Hubschrauber dazu: „Das ist ein großes Spektrum an Anforderungen, was zu üben ist.“ Das fange an bei den Witterungsverhältnissen und gehe bis hin zu den schwierig anzufliegenden Geländeformationen. So sind auch Soldaten anderer Teileinheiten vom Mittenwalder Bataillon dabei. Auch sie sollen für die sogenannte Luftverladefähigkeit ausgebildet werden. Sie müssen sich beim Einsteigen an Gegenwind in Orkanstärke und an den Transport im Laderaum des Hubschraubers gewöhnen.

Der Hubschraubereinsatz erweitert die Einsatzmöglichkeiten der Kampftruppe erheblich. In regelmäßigen, gemeinsamen Übungen mit den Gebirgsjägern wird diese Zusammenarbeit perfektioniert. Gute Vorbereitung ist jedoch alles. Tage zuvor gehen sie daher bereits in Trockenübungen auf dem Exerzierplatz in der Kaserne die Abläufe durch. Wie nähert sich eine Gefechtsgruppe am besten an den Hubschrauber an? Wie muss eine Ladung gepackt sein, damit sie sicher am Hubschrauber hängend transportiert werden kann?

Leistungsfähigkeit der Hubschrauber wird getestet

Aber nicht nur für die Gebirgsjäger ist die Ausbildung im Gebirge wertvoll. Bereits eine Woche zuvor haben auch die Heeresflieger vom Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten in Baden-Württemberg das Fliegen und Landen in den Bergen geübt. Schließlich ist auch für die Hubschrauberbesatzungen der Gebirgsflug immer etwas Außergewöhnliches, und das liegt weniger an der atemberaubenden Aussicht, sondern vielmehr an den zahlreichen Besonderheiten und Schwierigkeiten, die es im Gebirge zu beachten gilt. Sie betreffen die Physik, Meteorologie und Flugführung.

Die dünnere Luft in zunehmender Höhe reduziert Triebwerksleistung und Auftrieb. Die Piloten müssen die Grenzen ihres Hubschraubers kennen. Das Wetter im Gebirge kann sich schnell ändern und hält mit Steig- und Fallwinden besondere Schwierigkeiten für die Hubschrauber und ihre Besatzung bereit. Die Flugwege sind oft bodennah und durch Felswände stark eingeschränkt. Die Gebirgslandeplätze sind meist klein, uneben und schwierig anzufliegen. Um mit diesen Besonderheiten vertraut zu werden und um Erfahrung aufzubauen, werden spezielle Gebirgsflugtrainings angesetzt, bei denen Piloten und Bordmechaniker für den Gebirgsflug qualifiziert werden.

Intensive Ausbildung dient auch dem Katastropheneinsatz

Ein Soldat steht mit orangerotem Signaltuch auf einer Anhöhe im Gebirge. Im Hintergrund verstecken sich mehrere Soldaten.

Mit einem Signaltuch markiert der Gruppenführer dem Piloten den Landepunkt. Die restliche Gruppe liegt in Stellung und wird auf Signal herangeholt.

Bundeswehr/Sebastian Krämer

Gebirgsfliegen ist Teamarbeit. Piloten und Bordmechaniker sind bei solchen Einsätzen gleichermaßen gefordert. Sind die besonderen Qualifikationen im Tag- und Nachtflug im Gebirge erbracht, wird mit der Gebirgsjägertruppe geübt. Wie gut diese Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigte sich bei einer Rettungsaktion am Zirbelkopf bei Mittenwald im November 2020. Damals wurde ein Gebirgsjäger durch Steinschlag beim Klettern verletzt. Die zufällig gleichzeitig stattfindende Gebirgsflugausbildung der Heeresflieger wurde rasch unterbrochen und innerhalb von Minuten zu einer Rettungsaktion. Unter schwierigen Bedingungen wurde der verletzte Soldat mit der Winde gerettet und nach Mittenwald geflogen. Von der intensiven Ausbildung am Berg profitiert auch die Zivilgesellschaft: Innerhalb von Amtshilfe-Ersuchen werden die Transporthubschrauber beim Katastrophenschutz eingesetzt, so wie im vergangenen Jahr im Ahrtal oder Anfang 2019 bei der Schneekatastrophe im Berchtesgadener Land oder zuletzt 2022 bei den verheerenden Waldbränden in Brandenburg.

„Die haben echt geliefert“

Kampftruppe absetzen, Material nachführen, Stellungen wechseln – das war der Schwerpunkt der Übungsflüge zwischen Alpspitze und Estergebirge. Über ein Dutzend Mal flog der Hubschrauber von Mittenwald ins Berggebiet um Garmisch.

Vom Estergebirge mussten sich die Mittenwalder Jager die letzten zwanzig Kilometer bis zur Kaserne zu Fuß durchschlagen, sich einem Hinterhalt stellen und auf dem Hohen Brendten ein Notbiwak errichten. „Die haben echt geliefert“, sagt Kompaniechef P. nicht ohne Stolz. Im Herbst wird der Hubschrauber wieder in Mittenwald landen. Dann soll der Transport von Soldaten und Material bei schlechter Sicht und bei Dunkelheit trainiert werden.

Von Trockentraining bis Außenlast

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Mehrere Soldaten knien mit Waffe vor einem parkenden Hubschrauber auf einer grauen Betonfläche vor einer Halle.

Schnelligkeit ist Trumpf: Immer wieder übt die Gruppe in der Kaserne das gefechtsmäßige Ein- und Aussteigen am Hubschrauber. Beim Durchgang im Gebirge muss alles sitzen.

Bundeswehr/Sebastian Krämer
Ein Hubschrauber schwebt neben einer grauen Felswand.

Bei der Landung auf kleinen Gebirgslandeplätzen ist Teamarbeit gefragt. Der Bordmechaniker ist das Auge des Piloten. Er blickt aus der Seitentür der Maschine und unterstützt den Piloten mit wichtigen Informationen.

Bundeswehr/Peter Straub
Ein Hubschrauber nimmt eine Last an einem Seil über einer Wiese neben einer Felswand auf.

Flugkünste: Der Hubschrauber dreht sich langsam unterhalb der Alpspitze und hebt sich mit der Außenlast am Seil sanft in die Höhe

Bundeswehr/Sebastian Krämer

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von Peter Straub und Sebastian Krämer

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