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Ein fürsorglicher Hund für eine verletzte Seele

Ein fürsorglicher Hund für eine verletzte Seele

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Während in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich des Endes des Afghanistaneinsatzes gedacht wird, hält der Tag für einen Hauptfeldwebel und Afghanistanveteranen des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 eine große Überraschung bereit.

Ein Soldat und ein Hund hocken an einem Strandabschnitt, während es regnet.

Der Hauptfeldwebel und sein Labradoodle Halvar bei Regenwetter am Strand

Quelle: Bundeswehr/Gebirgsaufklärungsbataillon 230

Im Jahr 2011 ist der großgewachsene und gestandene Hauptfeldwebel noch als Stabsunteroffizier am Observation Post North (OP North) in Afghanistan als Aufklärer eingesetzt. Hier leistet er rund fünf Monate seinen Dienst in einem Drohnenzug der 4. Kompanie des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 in der Provinz Baghlan, circa 60 Kilometer südlich von Kundus. Dort liegt ein knapp 1.000 Soldaten starkes Ausbildungs- und Schutzbataillon, das durch das Panzergrenadierbataillon 112 und andere Truppenteile gestellt wird.

An einem Freitag im Februar 2011 muss er miterleben, wie ein afghanischer Terrorist als Innentäter mehrere Kameraden der Panzergrenadiertruppe, die auch zu seinem Schutz eingesetzt sind, erschießt. Der Gebirgsaufklärer wird dabei schwer an seiner Seele verwundet. Er ist seit diesem Moment Tag und Nacht wachsam. Gewehrschüsse und Knallgeräusche erinnern ihn jedes Mal an den verhängnisvollen Tag am OP North. Ihm und seinen Kameraden wird bald klar: Er leidet an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBSPosttraumatische Belastungsstörung).

Ein täglicher Kampf mit sich selbst

Soldat und Therapiehund liegen auf dem Bauch im hohen Gras und schauen sich an.

Der Afghanistanveteran und sein Labradoodle Halvar beim gemeinsamen „Geländedienst“

Quelle: Bundeswehr/Gebirgsaufklärungsbataillon 230

„Dieser Mann ist einer meiner mental stärksten Soldaten und Vorbild für meine gesamte Kompanie, weil er jeden Tag ‚im Gefecht‘ steht und trotzdem seinen Teil zu unserem Erfolg als Gebirgsaufklärungskompanie beiträgt“, so der Kompaniechef. Die Kameraden, die 2011 gemeinsam am OP North gedient haben, dienen auch zehn Jahre später in derselben Kompanie. Sein damaliger Zugführer ist heute der Spieß der Kompanie und sein engster Vertrauter. Sein Spieß war es auch, der alles dafür getan hat, dass dieser Tag im Oktober 2021 für den Hauptfeldwebel in Zukunft auch ein Tag werden könnte, der mit positiven Erinnerungen assoziiert wird.

Der Hauptfeldwebel, der in der Kompanieführungsgruppe seinen Dienst leistet, hat einen Weg gefunden, wie er wieder mehr am Leben – auch neben dem Dienst – teilhaben kann. Seinen Weg soll demnächst ein Assistenzhund teilen. Halvar (Beschützer des Felsen) heißt der jetzt eineinhalbjährige Labradoodle, der ab Anfang 2022 dem Hauptfeldwebel zur Seite stehen wird.

Die Ausbildung dieses Hundes ist zeitaufwendig und kostenintensiv. Gut 28.000 Euro sind notwendig, bis der Wegbegleiter voll ausgebildet und combat ready, also einsatzbereit, ist. Der Verein Rehahunde Deutschland hat einen speziellen Züchter, der diese Mischung aus Großpudel und Labrador züchtet. Diese besonders intelligente, lernwillige und fürsorgliche Hunderasse vereint dabei alles, was es bedarf, um die vielfältigen Aufgaben als Assistenzhund zu meistern.

Ein hellbrauner Hund mit rotem Halstuch sitzt vor einem Spiegel.

Der Labradoodle Halvar bringt rassentypisch die besten Voraussetzungen für seine Aufgabe als Therapiehund mit.

Bundeswehr/Gebirgsaufklärungsbataillon 230


Beginnend im Welpenalter bis zum ersten Geburtstag durchlaufen angehende Assistenzhunde ihr „Auswahlverfahren“ und die „Grundausbildung“. Bei Pflegefamilien lernen die angehenden Helfer ein umfassendes Sozialverhalten mit unterschiedlichen Menschen, mit kleinen Kindern und anderen Tieren. Dabei sind sie unter Beobachtung von erfahrenen Hundetrainern, werden geschult und geprüft. Wenn ein Tier die hohen Anforderungen nicht erfüllt, wird es nicht für die Therapie genutzt. Auch die Gesundheit der angehenden Wegbegleiter wird überprüft. Ein Amtstierarzt kontrolliert jeden Hund regelmäßig auf mögliche Gesundheitsrisiken und Erkrankungen. Zudem werden die Hunde kastriert, um so das Revierverhalten zu reduzieren.

In der folgenden „Dienstpostenausbildung“ wird Halvar nun speziell auf den Soldaten und sein spezifisches Krankheitsbild ausgebildet. Regelmäßig werden dabei der Soldat und sein Assistenzhund gemeinsam trainiert. Sie spielen sich aufeinander ein, lernen sich kennen und lernen voneinander. Halvar muss verstehen, in welchen Situationen er seinem Herrchen besonders beistehen soll. Schlägt jemand laut eine Tür zu, drängelt jemand an der Supermarktkasse von hinten, braucht sein Herrchen plötzlich sein Notfallmedikament – all das sind Situationen, in denen Halvar nun zur Stelle ist.

„In solchen Situationen wird Halvar mein Buddy sein, derjenige, der mir die Rückendeckung gibt, die ich brauche. Er ermöglicht es mir, mir die Dinge des täglichen Lebens wieder zuzutrauen“, so der Afghanistanveteran. Wie der Stabsunteroffizier 2011 mit seinen Kameraden Schritt für Schritt am OP North in den staubigen Grund gesetzt hat, so kann der heutige Hauptfeldwebel in Zukunft mit Halvar Schritt für Schritt wieder in die Berge des Allgäus gehen, eine Innenstadt oder einen Wochenmarkt besuchen.

Finanzielle Unterstützung aus vielen Geberhänden

Und welche große Überraschung hielt nun dieser Tag im Oktober bereit? Der Spieß seiner Kompanie wusste, dass die 28.000 Euro durch den Soldaten allein nicht zu stemmen waren, auch wenn er einen großen Eigenanteil einbrachte. Trotz der Hilfe aller Soldaten des Bataillons, die spendeten, einer großen Einzelspende eines weiteren Oberstabsfeldwebels der Kompanie, eines bayerischen Unternehmens sowie des Sozialwerks der Gebirgstruppe blieb ein fünfstelliger Betrag offen. Der spendenfinanzierte Verein Rehahunde Deutschland hatte dem Gebirgsaufklärer seinen Halvar zwar schon zugesichert, aber der Hauptfeldwebel wollte den gesamten Betrag aufbringen, auch um niemanden finanziell zur Last zu fallen. An diesem Tag klingelte schließlich im Dienstzimmer des Veterans das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war ein Mitarbeiter des Soldatenhilfswerks der Bundeswehr. Sein Spieß habe die Lage des Hauptfeldwebels dort „aufs Tableau“ gebracht. Mit großer Unterstützung durch den Sozialdienst des Bundeswehrdienstleistungszentrums Füssen habe man nun alles geprüft und er freue sich, ihm mitteilen zu dürfen, dass der gesamte noch offene Betrag durch das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr finanziert werde. Ein Moment, der den großgewachsenen Veteranen zu Tränen rührte …

„Ich vertraue Halvar absolut“

„Dieser schlaue und aufmerksame Hund darf nun mir als Kamerad und meiner Seele als Therapeut dienen. Er hat einen Zugang zu mir, den ich bislang keinem Menschen mehr gewähren kann. Ich vertraue Halvar absolut“, so der kräftige Mann aus der Allgäu-Kaserne zu Füssen. Ohne die bedingungslose Unterstützung durch seinen langjährigen Weggefährten und heutigen Spieß, sowie seinen Kompaniechef, der ihn vom ersten Tag an in seinem Vorhaben bestärkte und unterstützte, wäre der Gebirgsaufklärer diesen langen Weg nicht angetreten.

„Halvar wird jetzt Teil unserer Kampf- und Leidensgemeinschaft sein, wird überall dort dabei sein, wo unser Hauptfeldwebel unterwegs ist. Ob er nun ausbildet, organisiert oder kontrolliert, mit seinem Assistenzhund haben wir als Kompanie wieder mehr von dem Hauptfeldwebel, der uns allen in der Kompanie als Vorbild dienen kann“, so der Kompaniechef.

von Gebirgsaufklärungsbataillon 230

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