Heer

Eine Ära endet auf dem Gefechtsfeld

Eine Ära endet auf dem Gefechtsfeld

  • Modernisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bergen
Lesedauer:
3 MIN

Für die Panzergrenadiere aus Augustdorf ist das Gefechtsschießen in Bergen ein Wechselbad der Gefühle. Während zum ersten Mal neue Schützenpanzer Puma auf die Schießbahn rollen, endet für das Vorgängermodell Marder eine Ära. Seit 1972 war er das Arbeitstier der Grenadiere. Im Sommer geht der Schützenpanzer nach fast 50 Jahren in den Ruhestand.

Zwei Schützenpanzer Marder sind mit Tannengrün getarnt, rote Flaggen signalisieren das Schießen mit Gefechtsmunition.

Ein letztes Mal zeigt der Schützenpanzer Marder „seine Krallen“ beim Gefechtsschießen der Augustdorfer Grenadiere.

Bundeswehr/Michael Uffmann

Hauptmann Daniel Ahnert und Oberstabsfeldwebel Michael Schnitzer sind Panzergrenadiere. Beide gehören zum Panzergrenadierbataillon 212 in Augustdorf, beide kennen ihre Waffensysteme. Und doch trennen sie Welten: Ahnert ist Kompaniechef der 4. Kompanie, der Puma-Kompanie. Zum ersten Mal schießen seine Männer und Frauen im Verbund mit vier dieser modernen Schützenpanzer – bei Tag und Nacht. Schnitzer ist seit 1988 im Bataillon. Als Gruppenführer, Zugführer und Kompaniefeldwebel hat er alles erlebt, was ein Panzergrenadier erleben kann. „Aber den Puma, den kenne ich nur vom Sehen“, muss der 54-Jährige zugeben. Der Oberstabsfeldwebel ist Marder-Mann. Nach 46 Jahren im Verband verlassen die Schützenpanzer Marder im Sommer das Panzergrenadierbataillon in Augustdorf. Und auch für Michael Schnitzer endet seine Zeit bei den lippischen Panzergrenadieren. Der Berufssoldat geht in den Ruhestand.

Mittendrin statt nur dabei

Ein Soldat steht neben drei Journalisten an einem selbstgebauten Geländesandkasten und hält einen Zeigestock.

Der Kompaniechef Daniel Ahnert erklärt den Journalisten am Geländesandkasten den Ablauf des Gefechtsschießens.

Bundeswehr/Jens Wander

Lageeinweisungen gehören für Hauptmann Daniel Ahnert zum Alltag. Seit über einer Woche trainiert seine Kompanie mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Übungsplatz in Bergen. Heute auf dem Programm: Gefechtsschießen eines Panzergrenadierzuges. „Wir haben die letzten Tage und Nächte geschossen. Es läuft wirklich gut“, freut sich der Kompaniechef und wendet sich 25 Journalisten und Fotografen zu, die gespannt auf die Erklärungen zum Ablauf warten. „Wir bringen Sie heute ganz nah an das Geschehen“, verspricht Ahnert. Mit seinem knappen Befehl „Alpha Feuer frei!“ beginnt das Schießen in der Heide.

Wer kämpfen will, muss fit sein

Zwei Soldaten mit Helmen und Gewehren hocken nebeneinander im Wald an einem Baumstamm und beobachten das Gelände.

Angriff durch den Wald: Panzergrenadiere kämpfen auch abgesessen , also zu Fuß, in für Panzer schwer zugänglichem Gelände.

Bundeswehr/Michael Uffmann

Der Zugführer des Panzergrenadierzuges meldet: „Sperre erkannt, greifen abgesessen weiter an und bekämpfen Feind an der Sperre.“  Der Kompaniechef nickt zustimmend: „Richtig erkannt.“ Noch während Ahnert die letzten Funkbefehle gibt, öffnen sich die Heckklappen der Pumas und die Panzergrenadiere stürmen in das nahegelegene Waldgebiet und nehmen das Gefecht gegen den Feind an der Minensperre auf. Schüsse donnern. Der Zugführer gibt lautstark Kommandos. „Wer bei uns dienen will, muss fit sein“, betont Ahnert . Verschiedene Waffen, Munition, Funkausstattung, Schutzwesten und Helme sind stete Begleiter der Grenadiere im Gefecht. „Da kommt einiges an Gewicht zusammen.“ Nach zwanzig Minuten haben die Männer und Frauen des Alphazuges das Angriffsziel erreicht. Der Feind an der Sperre konnte entscheidend geschlagen werden. Die Schützenpanzer rauschen heran und die Trupps verschwinden binnen Sekunden in den Kampfräumen.

„Puma ist die Eintrittskarte“

Zwei mit Tannengrün getarnte Schützenpanzer Puma stehen nebeneinander im Gelände.

Nachdem die Soldaten wieder auf die Panzer aufgesessen sind, greifen die Schützenpanzer Puma weiter an.

Bundeswehr/Jens Wander

Nach knapp zwei Stunden hat der Panzergrenadierzug das Angriffsziel erreicht. Der Feind ist geschlagen. „Sind Sie mit der Übung zufrieden?“, fragt ein Journalist den Hauptmann. Ahnert zögert keine Sekunde: „Unser Waffensystem gehört zu den Besten weltweit. Ich denke, das war deutlich zu sehen“, antwortet er. „Was meine Soldatinnen und Soldaten betrifft: Wir dürfen hier das tun, wofür wir da sind. Und wir sind Panzergrenadiere.“ Mehr sei für die Motivation der Truppe nicht notwendig, so der Offizier. Der Puma ist die Eintrittskarte der Grenadiere in das 21. Jahrhundert, ist der Kompaniechef überzeugt.

Abschied einer Legende

Ein Schützenpanzer steht auf einem Sandweg im Gelände. Vor ihm explodieren mehrere Nebelgranaten und hinterlassen Leuchtspuren.

Abschied vom Marder: Zum letzten Ausweichen baut sich eine künstliche Nebelwand auf der Schießbahn auf.

Bundeswehr/Michael Uffmann

Szenenwechsel nach dem Angriffsszenario. Während des Kompaniegefechtsschießens werden den Zivilisten viele dynamische Bilder geboten. Das Ende des Schießens läutet aber nicht nur den Abschied des Schützenpanzers Marder ein. Nachdem der letzte Schuss gefallen ist, klettert Schnitzer zum letzten Mal aus dem Turm des Panzers. Im Beisein vieler altgedienter Kameraden des Bataillons überreicht der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Maik Cohrs, dem Oberstabsfeldwebel ein Andenken. Mit Freude nimmt Schnitzer das Abschiedsgeschenk – ein Holzbrett mit einer Patronenhülse und einem Patronengurt – entgegen. „Das bekommt einen Ehrenplatz“, sagt er und lässt ein letztes Mal den Blick über die Schießbahn streifen. „Mit dem Marder geht eine Legende und ein Stück Geschichte des Bataillons“, ist sich der erfahrene Feldwebel sicher. „Na, das gilt für Dich aber auch“, meint ein Kamerad im Vorbeigehen. Nach 32 Jahren im Panzergrenadierbataillon 212 ist für Schnitzer endgültig Dienstschluss. Damit verlässt ein Teil lebendiger Geschichte der 212er die Panzergrenadiere aus Augustdorf.

Ein Soldat mit Barett gratuliert einem älteren Soldaten mit Vollbart und Brille. Ein Journalist fotografiert den Handschlag.

Oberstleutnant Maik Cohrs (l.) gratuliert Oberstabsfeldwebel Michael Schnitzer (M.) im Beisein der Journalisten zum erfolgreichen „Letzten Schuss“.

Bundeswehr/Jens Wander


von Martin Waltemathe

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