Panzergrenadiere: Das Bindeglied zwischen Infanterie und Panzertruppe
Panzergrenadiere müssen körperlich fit, psychisch belastbar und teamfähig sein. So kämpfen sie, so werden sie ausgebildet.
Hinter den jungen Rekrutinnen und Rekruten liegen bereits fünf intensive Wochen der Heimatschutzausbildung. Sie haben den Umgang mit verschiedenen Waffen erlernt und das Verhalten der Gruppe in unterschiedlichen Gefechtssituationen trainiert. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen wenden sie nun gemeinsam an, was sie zuvor gelernt haben.
Einer schießt (im Bild), der andere beobachtet und leitet das Feuer. Im Gefecht besteht, wer sich in der kleinen Kampfgemeinschaft unterstützt und ergänzt.
Bundeswehr/Andreas DreßlerEin Höhepunkt ihrer militärischen Ausbildung ist für die Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierlehrbataillons 92 das Gefechtsschießen. Unter möglichst realitätsnahen Bedingungen müssen sie zeigen, dass sie das Erlernte auch beim Schießen mit scharfer Munition, unter Zeitdruck und als Teil ihrer kleinen Kampfgemeinschaft anwenden können.
Die Lage ist klar: Die Gruppe befindet sich in der Sicherung. Sie hat ihre Stellungen bezogen und beobachtet das Gelände vor sich.
In den Tagen zuvor hatten die Ausbilder die Soldatinnen und Soldaten Schritt für Schritt auf das Gefechtsschießen vorbereitet. Die Waffenhandhabung, das Beobachten und Melden, die Bewegungen im Gelände sowie Feuer und Bewegung wurden zunächst einzeln geübt. Jetzt muss alles zusammenpassen.
Der Tag neigt sich dem Ende zu, es wird langsam dunkel. „Mit feindlichen Spähtrupps ist jederzeit zu rechnen!“, schließt der Zugführer seinen Befehl an die Gruppe. Die Blicke gehen ins Vorgelände, jedes Geräusch erhält plötzlich Bedeutung.
Dann durchbricht eine Meldung die angespannte Ruhe: „Kettengeräusche im Vorgelände!“ Noch ist vom Gegner wenig zu erkennen. Doch jeder kennt seinen Platz und seinen Auftrag. Als der Pfiff des Gruppenführers ertönt, führen die Soldatinnen und Soldaten gemeinsam einen geschlossenen Feuerüberfall durch.
Binnen Sekunden verändert sich die Situation. Die Soldatinnen und Soldaten der Gruppe eröffnen nahezu gleichzeitig das Feuer. Mündungsblitze durchbrechen die Dunkelheit, die einzelnen Schüsse verschmelzen fast zu einem einzigen Knall. Jetzt muss ineinandergreifen, was in den vergangenen Wochen immer wieder geübt wurde.
Doch der Gegner gibt sich nicht geschlagen. Schützenpanzer sind in die Tiefe des eigenen Stellungsraums eingedrungen. Deshalb setzt der Gruppenführer seinen Panzervernichtungstrupp ein. Er besteht aus zwei Schützen, die möglichst gleichzeitig das Ziel bekämpfen. Der Trupp arbeitet sich links entlang des Weges vor, um die feindlichen Kräfte zu umfassen, während die übrigen Soldatinnen und Soldaten den Gegner binden.
In der Dämmerung: Die Panzergrenadiere verschießen mit ihren Maschinengewehr-Salven Leuchtspurmunition, damit sie die Feuerrichtung und das Ziel, vorn die Schützenscheiben, erkennen können.
Bundeswehr/Andreas Dreßler
„Achtung, Panzerfaust schießt!“ Die Rekrutinnen und Rekruten trainieren mit einer besonderen Panzerfaust 3 zur Übung, um handlungssicher zu werden.
Bundeswehr/Andreas Dreßler„Achtung, Panzerfaust schießt!“, ruft der Schütze. Sekunden später folgt die Detonation. Maschinengewehr- und Granatpistolenfeuer setzen ein. Gleichzeitig erschweren Rauch und Feuer zunehmend die Beobachtung. Leuchtspurmunition erhellt die Heide vor der Stellung. Flammen lodern im Vorgelände, und dichter Rauch zieht über die Schießbahn.
Jetzt kommt es auf das Zusammenspiel an. Während die Gruppe den Gegner bindet, führt eine benachbarte Gruppe aus dem angrenzenden Waldstück flankierend einen Gegenstoß durch. Frontal binden, flankierend schlagen: Was zuvor als taktischer Grundsatz vermittelt wurde, wird nun erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Der gegnerische Angriff wird abgewehrt.
In einer Gefechtssituation geht es um mehr als das sichere Treffen eines Zieles. Die Soldatinnen und Soldaten müssen ihren Auftrag verstehen, aufeinander achten und auch dann handlungsfähig bleiben, wenn Lärm, Dunkelheit, Feuer und Rauch die Lage unübersichtlich machen. Hier wächst die kleine Kampfgemeinschaft zusammen, auf die es im Gefecht ankommt.
Mit dem Gefechtsschießen erreichen die jungen Soldatinnen und Soldaten einen entscheidenden Abschnitt ihrer Basisausbildung. Der nächste Schritt wartet bereits: Die angehenden Panzergrenadiere agieren dann in der Nähe der Schützenpanzer Puma, des Hauptwaffensystems der Panzergrenadiere.
von Andreas Dreßler