Heer
Grand Quadriga

Feuer – Sturm – Einbruch: Infanterie bei der Übung in Litauen

Feuer – Sturm – Einbruch: Infanterie bei der Übung in Litauen

Datum:
Ort:
Pabrade
Lesedauer:
4 MIN

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An jeder Häuserecke knien Jäger mit ihren Waffen im Anschlag. „Fire Fire Fire!“, brüllt der französische Sergent. Deutsche und französische Infanteristen kämpfen gemeinsam und erwidern das Feuer, das aus verbarrikadierten Gebäuden in der kleinen Ortschaft auf sie niedergeht. Ein Zurück gibt es nicht. „Ausweichen ist keine Option“, so der Sergent.

Mehrere Soldaten feuern mit ihrem Gewehr neben Militärfahrzeugen, im Vordergrund Pflanzen.

Die deutschen und französischen Infanteristen der Deutsch-Französischen Brigade üben gemeinsam den Kampf im urbanen, bebauten Gelände

Bundeswehr/Marco Dorow

Soldatinnen und Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade üben den Orts- und Häuserkampf. Der binationale Verband beteiligt sich mit rund 600 Soldatinnen und Soldaten an der Übungsserie Quadriga 2024. Speziell dafür wurde eine binationale Taskforce unter Führung des Donaueschinger Jägerbataillons 292 gebildet. Seit Januar laufen dafür Übungsvorhaben.

Im litauischen Pabradė üben die Infanteristen ihre ureigenste Aufgabe: den Kampf. „Die Struktur unserer Brigade, in der Deutsche wie auch Franzosen gemeinsam kämpfen, ist einzigartig. Sie ist eine binationale Infanteriebrigade, gesprochen wird Englisch. Verbände und Einheiten der Brigade sind in Standorten beider Länder stationiert. Sie vereint also deutsche und französische Truppen“, erklärt ein Offizier des Brigadestabes. Diese Brigade ist damit ein wichtiges Element in der Reaktionsfähigkeit der NATONorth Atlantic Treaty Organization für die Landes- und Bündnisverteidigung.

Jäger und Husaren – Schulter an Schulter

Zwei Soldaten hocken an einem Lattenzaun, halten eine Geländekarte und besprechen ihr Vorgehen.

Ein deutscher und ein französischer Gruppenführer besprechen auf Englisch den Sturm und Einbruch in das nächste Gebäude, beide Nationen verfolgen den gleichen Plan

Bundeswehr/Marco Dorow

„Im Schwerpunkt setzen wir hier bei der Übung in Litauen unsere Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons 292 aus dem deutschen Donaueschingen sowie die Husaren des im französischen Metz stationierten 3. Husarenregiments ein“, sagt ein deutscher Planungsoffizier. Die Jäger der Brigade trainieren hier ihre Hauptfähigkeiten, um so ihre Ergebnisse im Gefecht zu verbessern. Das bedeutet: Sie kämpfen bei dieser Übung im schwierigen Gelände, im Wald, in der Ortschaft und im Grabensystem.

Aber auch das hochmobile Gefecht auf dem GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, als Teil der Mittleren Kräfte, machen die Jägertruppe aus. „Eine besondere Herausforderung ist, dass die Soldatinnen und Soldaten aus beiden Ländern miteinander agieren, sodass wir in Taktik, Kommandosprache und Leistungsfähigkeit eine gemeinsame Basis für das Gefecht haben und diese weiter festigen werden“, so der Heeressoldat zuversichtlich.

Zurück in die Ortschaft. Die Befehlsausgabe vom französichen Offizier ist klar und knapp formuliert: „Wir gehen mit zwei Zügen rein. Die Husaren machen die Spitze und die Jäger folgen rechts tief. Im Schwerpunkt müssen wir das Feuer zusammenfassen und werden gemeinsam, überschlagend vorgehen.“ Diese taktischen Vorgaben sind die Voraussetzung dafür, dass später im Kampf von Haus zu Haus jeder weiß, worauf es ankommt.

Deckungsfeuer und los

Zwischen einem flachen Gebäude und einem Fahrzeug stürmen Soldaten mit Waffe im Anschlag voran

Die französischen Infanteristen verstärken ihre Sicherung mit dem VBL, einem leichten Panzerfahrzeug mit lafettiertem Maschinengewehr

Bundeswehr/Marco Dorow

Das Bild, das sich den Jägern nach der Annäherung an die Ortschaft bietet, ist trostlos. Die Anlage wirkt alt und verlassen, gezeichnet von Konflikten und Gefechten in der Vergangenheit. Überall liegen Haufen mit Geröll, Schutt und Autowracks. In den Gebäuden fehlen Fenster und Türen, die teilweise mit Brettern und Kisten verbaut sind.

Auch die bis zu drei Etagen hohen Gebäude machen es schwierig, den Feind sofort zu lokalisieren. Und schon fallen die ersten Schüsse – nicht aus den eigenen Waffen. „Contact!“, brüllen die Jäger laut. Sofort ist allen klar: Feind! Ab jetzt pumpt das Adrenalin die Gruppen nach vorn. Nun sind Koordination und kühler Kopf beim Kampf durch die Ortschaft gefragt.

Innerhalb der Gebäude arbeiten die Sturmtrupps schnell und präzise. Türen oder Barrikaden öffnen die Soldatinnen und Soldaten mit tausendfach eingeübten Handgriffen. Ist der Raum geöffnet, ein schneller Blick, kurze Feuerstöße und weiter. „So gehen wir von Raum zu Raum, von Etage zu Etage. Ist das Haus frei, kurz sammeln und Absprache mit den anderen Trupps, dann Sturm und Einbruch auf das nächste Gebäude“, beschreibt einer der Husaren grob das taktische Vorgehen.

Die Enge und Unübersichtlichkeit im Gebäude sowie der Wechsel zwischen Gebäude und Gelände fordern die Soldatinnen und Soldaten ganz besonders. Sie müssen sehr aufmerksam, konzentriert und stressresistent sein. Erst nach zwei Stunden stehen die beiden Züge vor dem letzten Haus, dem Ziel ihrer Mission.

Hauptwaffensystem Handwaffe

Blick über die Schulter eines stehenden Soldaten mit einem Gewehr. Er schießt auf einer Schießbahn.

Das MG4 ist ein leichtes Maschinengewehr. Mit der vollautomatischen Waffe bekämpfen die Infanteristen Ziele auf eine Entfernung von bis zu 600 Metern.

Bundeswehr/Marco Dorow

Tage zuvor auf einer Schießbahn in Pabradė: „Der Kern unseres Auftrags ist der Kampf. Dichtes, unübersichtliches Gelände, Kälte, Hitze, schlechte Sicht, Dunkelheit – alles, was das Gefecht erschwert, sind Parameter, bei denen die Jäger beweisen müssen, dass sie ihr Handwerk beherrschen“, beschreibt einer der Ausbilder. Das bedeutet, die Jäger müssen trotz widriger Umstände durchsetzungsstark in Gefechte gehen.

Die Grundlage dafür ist blindes Vertrauen in Ausrüstung und Ausbildung, im Speziellen in ihre Handwaffen. Das Gefecht der Jäger findet stets in der Bewegung statt: „Wir simulieren das Schießen im Gehen. Dabei geht es nicht nur darum, mit dem G36 schnell zu zielen, zu schießen und Deckungen zu nutzen. Auch Magazinwechsel müssen die Soldaten sicher durchführen und Störungen an der Waffe schnell beseitigen“, so einer der Ausbilder. Welche Waffe die Jäger am Ende nehmen, hängt vom Inhalt des Auftrags ab. Die einzelnen Stationen der Schießbahn bilden diese Aufträge ab. So kämpfen etwa die Jäger mit dem Maschinengewehr MG5 auf Lafette auf Entfernungen von bis zu einem Kilometer. Mit den Sprengsplitterpatronen der Granatpistole bekämpfen sie den Feind hinter Mauern oder in Gebäuden.

Das Training mit den Handwaffen legt dabei die Basis, damit Feuer und Bewegung, Sturm und Einbruch im Orts- und Häuserkampf funktionieren und sich die Infanteristen der Deutsch-Französischen Brigade im Gefecht erfolgreich durchsetzen.

  • Soldaten mit Gewehren laufen in Reihe im Schutz hinter einem Fahrzeug.

    Bei Sturm und Einbruch in das nächste Gebäude nutzen die Infanteristen die Deckung ihrer Fahrzeuge

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Drei Soldaten mit ihren Waffen im Anschlag laufen hintereinander an einer Mauer entlang.

    Das Stresslevel ist hoch. Hinter jeder Hausecke könnte der Feind lauern.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Mehrere Soldaten stürmen mit vorgehaltenen Waffen über einen Sandweg.

    Beim Sturm und Einbruch ist die Geschwindigkeit entscheidend. Je höher die Geschwindigkeit der Soldatinnen und Soldaten, umso größer ist das Überraschungsmoment gegenüber dem Gegner.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Zwei bewaffnete Soldaten feuern an einer Hausecke, andere gehen hinter ihnen in Deckung.

    Der Orts- und Häuserkampf wird wie keine andere Gefechtsart durch das Team und Kameradschaft getragen. Alle wissen, dass sie sich zu hundert Prozent auf die anderen verlassen können.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Soldat schießt beim Laufen seitlich durch Stellwände. Ein Ausbilder läuft nebenher.

    Das Schießen aus der Bewegung erfordert viel Training: Zielen, schießen oder Magazinwechsel müssen flüssig funktionieren.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Zwei Soldaten schießen durch Stellwände, der eine kniet, der andere läuft seitlich.

    Auf der Schießbahn trainieren die Soldatinnen und Soldaten die sichere Schussabgabe in verschiedenen Haltungen – stehend, kniend und laufend

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Munitionsgurt über der Schulter eines Soldaten mit Ärmelpatch "Quadriga 2024" an der Uniform

    Maschinengewehre sind vollautomatische Waffen. Die Munition führen die Bediener mit einem Patronengurt zu.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Zwei Soldaten mit ihren Waffen im Anschlag stehen an einem Schießstand

    Jede Soldatin und jeder Soldat muss schießen können. Diese Grundbefähigung wird immer wieder geübt. Unter Stress müssen alle Abläufe fehlerfrei funktionieren.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Soldat feuert mit Maschinengewehr im Anschlag liegend auf einer Schießbahn.

    Das Maschinengewehr MG5 verfügt über ein Kaliber von 7,62 Millimeter und kann bis zu 800 Schuss in der Minute verschießen. Präzision und Zuverlässigkeit zeichnen das Gewehr aus.

    Bundeswehr/Marco Dorow
von René Hinz

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