Heer

Grenadiere in ihrem Element

Grenadiere in ihrem Element

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Schleswig-Holstein
Lesedauer:
2 MIN

Schlechtes Wetter und kalte Temperaturen sind für Panzergrenadiere nichts Ungewöhnliches. Doch während einer mehrtägigen Erstausbildung auf dem Truppenübungsplatz in Boostedt war es für die Soldaten vom Aufklärungs- und Verbindungszug der 1. Kompanie des Panzergrenadierlehrbataillons 92 aus dem niedersächsischen Munster besonders unangenehm.

Ein Geländewagen mit Tarnnetzen steht im Wald. Aus dem offenen Dach schaut ein Soldat mit einem Gewehr im Anschlag.

Alles im Blick: Mit seinem Gewehr sichert ein Soldat vom offenen, leichten Aufklärungsfahrzeug Wolf aus die Bergungsstelle.

Bundeswehr/Rainer Stolze

Panzergrenadiere sind hart im Nehmen. Doch dieses Mal gibt es für Hauptfeldwebel Dennis John und seine Männer vom Aufklärungs- und Verbindungszug gleich mehrere Herausforderungen. Dauerregen, Schnee, Hagel, Nebel und Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt machen ihr mehrtägiges Ausbildungsbiwak auf dem Truppenübungsplatz in Boostedt für die Grenadiere nicht gerade einfach. „Wir haben alles, nur keine Sonne“, sagt Ausbilder und Zugführer Dennis John schmunzelnd. Doch nicht nur das Wetter bietet der Truppe eine erfrischende Abwechslung, sondern auch das unbekannte Terrain. Dass die Munsteraner dieses Mal im gut 140 Kilometer entfernten Boostedt das Leben und Überleben im Felde trainieren, begründet der Hauptfeldwebel so: „Die Übungsplätze bei uns Zuhause kennen die Soldaten doch schon in- und auswendig.

Unbekanntes Gelände

Ein Soldat sitzt auf einem Motorrad und zwei stehen daneben. Alle drei schauen auf eine Landkarte, die der mittlere hält.

Der Zugführer Hauptfeldwebel Dennis John (r.) gibt seinen Kradmeldern einen neuen Auftrag.

Bundeswehr/Rainer Stolze

Auch abseits vom bekannten Übungsgelände müssen die Grenadiere nun beweisen, dass sie mit Karte und Kompass umgehen können. Das gilt auch für die beiden Kradmelder Oberstabsgefreiter Arne Hartmann und Stabsgefreiter Philipp Kreutz. Was ihnen am meisten Probleme bereitet? „Die Kälte“, geben die beiden Männer unumwunden zu.

Gut, dass es Stabsunteroffizier Dean Kaatz und seinen Trupp gibt: Sein Reich ist die Feldküche 250. Kein Kampf ohne Mampf, das gilt insbesondere für Panzergrenadiere. Deshalb zaubert der gelernte Koch auch mitten auf dem Übungsplatz leckeres Essen: Rührei mit Speck, Kürbiscremesuppe, Minestrone und natürlich literweise Heißgetränke.

Bergung unter Feinddruck

Ein offener grüner Geländewagen wird am Seil aus dem Moor im Wald gezogen. Der Nebel stammt von einer Nebelgranate.

Das festgefahrene Aufklärungsfahrzeug Wolf wird unter dem Schutz eines künstlich erzeugten Nebels geborgen.

Bundeswehr/Rainer Stolze

Die Mahlzeit haben sich später auch diejenigen verdient, die an einer Kreuzung mitten im Wald das Sichern und Bergen eines Fahrzeuges üben, das sich im Schlamm festgefahren hat. Die Soldaten trainieren unter Feinddruck und daher mit 360-Grad-Rundumsicherung. Denn im Ernstfall wäre der Trupp in solch einer Situation, ohne Sicherung, leichte Beute für den Feind. „Wichtig ist, das Fahrzeug immer nach hinten wegzuziehen, denn da ist die Spur frei“, erklärt John. Das klingt aber nur in der Theorie einfach, denn um das Abschleppseil am Fahrzeug zu befestigen, müssen sich die Grenadiere ordentlich in den aufgewühlten Modder legen.

Doch am Ende sind die Soldaten erfolgreich und schaffen es, den festgefahrenen Wolf aus dem Gefahrenbereich zu ziehen. Die Aktion scheint selbst Petrus zu gefallen, denn für wenige Minuten reißt der Himmel auf, bevor es wieder zu regnen anfängt. Die Soldaten des Aufklärungs- und Versorgungszuges nehmen es gelassen. Panzergrenadiere lassen sich nicht entmutigen. Und vom Aprilwetter schon gar nicht.

von Klaus Reschke