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Heeressoldaten im Hochwassereinsatz

Heeressoldaten im Hochwassereinsatz

  • Katastrophenhilfe
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Datum:
Ort:
Bundesweit
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4 MIN

Fallschirmjäger aus Zweibrücken, Heeressoldaten des Panzerpionierbataillons 130 aus Minden, der Panzerbrigade 21 aus Augustdorf, des Panzergrenadierbataillons 371 aus Marienberg und der Gebirgsjägerbrigade 23 – sie gehören zu den insgesamt rund 1.000 Bundeswehrsoldaten, die seit dem 14. Juli in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern die Städte und Gemeinden bei der Beseitigung der schweren Unwetterschäden unterstützen.

Ein Panzer schleppt mit einem Seil einen Schwerlaster ab, ein Umschlaggerät transportiert Gasflaschen auf einer Palette.

Mit einem Bergepanzer Büffel ziehen Soldaten in Hagen einen LkwLastkraftwagen aus dem Schlamm. Gleichzeitig werden Gasflaschen mit einem Feldumschlaggerät sicher abtransportiert.

Bundeswehr/Markus Urban

Noch ist das ganze Ausmaß der Hochwasserkatastrophe in Deutschland nicht vollständig abzusehen. Aber bereits jetzt steht fest: Mindestens 170 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt – sie wurden auf den Straßen, in ihren Autos und Kellern von hereinbrechenden Fluten überrascht. Zeitweise gab es mehr als 2.500 Vermisste.

Sie machen die Wege frei

Geröll liegt etwa einen halben Meter hoch in einer Straße, ein Militärfahrzeug mit Schaufel beräumt die Straße

Ganze Fahrzeuge verschwinden im Geröll. In Hagen in Nordrhein-Westfalen hilft das Heer mit einem Feldumschlaggerät FUG 2,5t bei den Aufräumarbeiten.

Bundeswehr/Katharina Flor

Das Wasser steht nach heftigen, ergiebigen Regenfällen in kürzester Zeit in Erftstadt, Schuld, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Bad Münstereifel, Hagen, Altenburg, Schönau und weiteren Orten teils meterhoch in den Straßen. Häuser und Brücken sind eingestürzt, Fahrbahnen über- und unterspült. Hunderte Autos sind im Hochwasser gestrandet. Eine dicke Geröll- und Schlammschicht liegt auf Plätzen, Wegen und Straßen – kein Durchkommen. Die Heeressoldaten rücken mit schwerem Räumgerät, wie Bergepanzern und watfähigen Radpanzern und Radladern, LkwLastkraftwagen und Kippern an. Sie schleppen damit große Transporter ab, sichern abdriftende Container, bergen Autos aus dem Hochwasser, beseitigen Geröll- und Schlammmassen und machen damit wieder die Straßen frei für weitere Bau- und Unterstützungsmaßnahmen ziviler Kräfte.

Militärischer Katastrophenalarm

Zwei Soldaten werden gleich eine Palette mit Hilfsgütern an ein Seil hängen, dass zu einem schwebenden Hubschrauber gehört.

Am Nürburgring, einer zentralen Anlauf- und Sammelstelle für die Fahrzeuge der Hilfswerke und die im Ahrtal benötigten Güter, nimmt ein Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 des Heeres Hilfsgüter auf und fliegt sie zu den Menschen.

Bundeswehr/Transporthubschrauberregiment 30

Kurz nach der Ausrufung des militärischen Katastrophenalarms, der Voraussetzung für die Amtshilfe der Bundeswehr ist, retten Hubschrauber des Heeres Menschen von Dächern, die sich dorthin flüchten mussten. Sie bringen Trinkwasser und Nahrungsmittel in Dörfer, die von der Außenwelt abgeschnitten sind. Denn häufig sind in den Städten und Gemeinden auch die Strom-, Gas- und Trinkwasserversorgung ausgefallen. Soldaten helfen auch bei der Suche von Vermissten, Bergung von Leichen und Transport von Verletzten in Krankenhäuser.

„Das ist eine furchtbare Katastrophe. Aber ich bin froh, dass die Bundeswehr in der Lage ist, hier den Menschen in der Region zu helfen“, sagt Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Sonntag nach einem Besuch in Erftstadt in Rheinland-Pfalz, einem der am schwersten betroffenen Orte. Auch der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant, Alfons Mais, dankt den Soldaten vor Ort und sagt: „Verwüstung und Hoffnung liegen nah beieinander. Wir sind bei den Menschen, vor Ort und in Gedanken.“ Kramp-Karrenbauer hatte angeordnet, dass alle anderen Aufträge, die nicht unmittelbar mit den Auslandseinsätzen verbunden sind, hintenangestellt werden und alle schnell verfügbaren Kräfte und geeignetes Material in die Hochwasserregion gebracht werden.

Immer neue Amtshilfeanträge

Neben einem Haus schaufeln ein Bagger und mehrere Soldaten mit ihren Schippen Kies.

Nach einem Dammbruch in Bischofswiesen beseitigen Soldaten des Gebirgspionierbataillons 8 mit ihrem Schreitbagger und Schaufeln angeschwemmtes Geröll und Kies. Sie gehören zu den mehr als 100 in Bayern eingesetzten Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbrigade 23

Damit die Amtshilfe der Bundeswehr so unbürokratisch wie möglich angefordert werden kann, stellte das Bundesverteidigungsministerium das entsprechende Antragsformular über die Onlineplattform Twitter schnell bereit. Auch wenn niemand ahnen konnte, dass das bestehende Kontaktnetz der Bundeswehr mit den zivilen Rettungskräften so schnell wieder beansprucht werden würde. Die Amtshilfeverfahren sind durch die Monate der Bekämpfung der Coronapandemie gut eingespielt und auf sie kann auch bei dieser Katastrophenlage verlässlich zurückgegriffen werden.

Neben dem Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin, das die Bundeswehrhilfe zentral koordiniert, spielen die Landeskommandos der Bundeswehr in diesem Fall von NRWNordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine wesentliche Rolle. „Bereits Mittwochnachmittag erreichte uns die erste Bitte um Amtshilfe aus Hagen in Nordrhein-Westfalen und 21.30 Uhr waren wir mit einem Bergepanzer vor Ort, um Straßen zu räumen“, sagt Brigadegeneral Torsten Gersdorf, Kommandeur des Landeskommandos NRWNordrhein-Westfalen, in einem Radiointerview. Immer wieder liefen neue Hilfeanträge ein, die systematisch in Zusammenarbeit mit den zivilen Katastrophenschutzzentren abgearbeitet würden.

Männer und Frauen der ersten Stunden

Ein Panzer steht auf einem Schwerlasttransporter.

Verstärkung für Ahrweiler, einen der am schlimmsten betroffenen Landkreise in Rheinland-Pfalz: Soldaten des Panzergrenadierbataillons 371 aus Marienberg unterstützen die Rettungskräfte mit schwerem Gerät vor Ort.

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 371

Die Heeressoldaten sind mit ihrem schweren Gerät und vor allem mit ihren Pionier- und Versorgerfähigkeiten gefragt. Sie kommen aus verschiedenen Einheiten und sind an vorderster Front die Männer und Frauen der ersten Stunde. Sie beseitigen die größten Hindernisse bereiten die Infrastruktur vor für den späteren zivilen Wiederaufbau und unterstützen die Versorgung der Bevölkerung. So bauen Pioniere der Pionierschule in Ingolstadt in Essen eine 30 Meter lange Brücke über einen Kanal und Soldaten des Panzerpionierbataillons 1 bringen eine 200 Meter lange provisorische Faltstraße aus.

Rettungshubschrauber unterstützen

Ein grüner Hubschrauber mit orangefarbener Lackierung und den Buchstaben SAR fliegt. Unter ihm liegen Felder und Dörfer.

Hilfe aus der Luft: Zwei Transporthubschrauber NHNATO-Helicopter-90 und zwei Rettungshubschrauber LUH SARSearch and Rescue unterstützen die Kräfte am Boden bei der Suche und Rettung von Menschen.

Bundeswehr/Transporthubschrauberregiment 30

200 Soldaten der Panzerbrigade 21 aus Ahlen und Unna räumen mit Bergepanzern die B265 von 100 Pkw frei, die im Wasser versunken sind und die Bundesstraße versperren. Vier Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 und zwei Rettungshubschrauber LUH SARSearch and Rescue (Search and Rescue) helfen bei der Suche und Rettung in Not geratener Menschen. Die Heereshubschrauber aus Faßberg und Bückeberg starten in Zusammenarbeit mit der Luftwaffe vom Stützpunkt Nörvenich aus und transportieren Hilfsgüter aller Art. Mehr als 200 Heeressoldaten verschiedener Verbände helfen in allen drei Bundesländern bei der Räumung von Gebäuden. Sie pumpen Wasser ab, beseitigen Schlamm, helfen bei der Trümmerbeseitigung. Versorger der Deutsch-Französischen Brigade bauen Feldküchen auf, andere transportieren Feldbetten für Notunterkünfte.

Sind wir für den Zivilschutz gut aufgestellt?

Eine blau gekleidete Zivilistin steht vor Soldaten in beigen T-Shirts, die sich um sie herum versammelt haben.

„Wir sind hier, um zu helfen und wir bleiben, solange wir gebraucht werden.“ Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer besucht in Erftstadt eingesetzte Soldaten und spricht mit ihnen.

Bundeswehr

Für Kramp-Karrenbauer ist klar, wenn die größten Aufräum- und Hilfsarbeiten der Bundeswehr im Westen des Landes beendet sind, gelte es, „die Lektionen aus der Coronapandemie und dieser Hochwasserkatastrophe zu lernen“. Die Bundeswehr müsse sich dann fragen, ob sie neben der Bündnis- und Landesverteidigung, die im Fokus steht, auch für den Zivilschutz gut aufgestellt ist. Es sei insbesondere eine Aufgabe für den Heimatschutz und die Reserve kritische Infrastruktur in Zukunft zu schützen. Aber jetzt erst einmal „bleibt die Bundeswehr im Hochwassergebiet, solange sie gebraucht wird“, versichert die Ministerin.

von PIZ Heer

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