Heer

Heimatschutz besonderer Art

Heimatschutz besonderer Art

  • Coronavirus
  • Heer
Datum:
Ort:
Frankenberg
Lesedauer:
4 MIN

„Das Virus fordert uns im ersten Quartal des neuen Jahres sehr stark. Wir werden überall gebraucht“, sagt Oberst Alexander Krone, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 37 aus dem sächsischen Frankenberg. In den besonders stark betroffenen Freistaaten Sachsen und Thüringen stellt die Brigade den Großteil der Soldaten für den Kampf gegen das Coronavirus.

Ein Soldat sitzt vor einem Computer. Neben ihm steht eine Frau im weißen Kittel, die auf den Bildschirm deutet.

Viele Soldaten unterstützen bei der Kontaktnachverfolgung bereits Infizierter. Hier wird Stabsunteroffizier Benjamin Weinschenk gerade von einer Amtsärztin in seine Tätigkeit eingewiesen.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Die Corona-Pandemie hat Deutschland im Griff. Deutlich wird das in Regionen mit einer besonders hohen Inzidenz, wie in Sachsen und Thüringen. Fallzahlen von häufig über 300 Fälle je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen veranlassen viele Bürgermeister und Landräte, die Bundeswehr um Unterstützung zu bitten. Diese Amtshilfe durch die „Helfenden Hände“ aus den Reihen der Panzergrenadierbrigade 37 ist Verpflichtung und Herausforderung zugleich. Rund 1.200 Soldaten und Soldatinnen sind derzeit im Einsatz. Damit stellt die Brigade den Hauptteil der Kräfte in der Region. Krone will die Amtshilfe weiterführen, doch gleichzeitig muss er die Vorbereitungen für den Auftrag der Schnellen Eingreiftruppe der NATO, der Very High Joint Readiness Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ), im Jahr 2023 gewährleisten.

130 verschiedene Maßnahmen

Im April 2020 hat die Brigade in Radeberg bei Dresden ihren Corona-Einsatz begonnen. Mittlerweile sind es etwa 130 verschiedene Maßnahmen in fast allen Landkreisen Sachsens und Thüringens. Die Amtshilfeersuche gehen über die Landeskommandos ein. Anschließend findet eine Prüfung auf den unterschiedlichen Ebenen statt. Die gebilligten Amtshilfeanträge werden dann den jeweils regional zuständigen Verbänden zugeordnet. „Die Frauen und Männer, die dann tatsächlich eingesetzt werden, stellt die Truppe“, erklärt Krone. Da sehr viele seiner Soldaten in der Amtshilfe gebunden sind, müssen auch geplante Ausbildungs- und Übungsvorhaben der Brigade angepasst werden. Um den militärischen Hauptauftrag dennoch zu erfüllen, muss die künftige VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Brigade die verfügbaren Kräfte möglichst effizient einsetzen.

Jederzeit ein aktuelles Lagebild

Ein Soldat in Flecktarnuniform steht vor einer großen Lagekarte, auf der mehrere Hinweisschilder angebracht sind.

In Gesundheitsämtern, Pflegeheimen und Krankenhäusern seien die rund 1.200 Soldaten eingesetzt, sagt Major Michel Beger, der Leiter des Lagezentrums der Panzergrenadierbrigade 37.

Bundeswehr/Sven Fischer

Das Lagezentrum der Brigade wertet die Amtshilfeanträge aus und teilt die Hilfsmaßnahmen einem der sechs mitteldeutschen Bataillone zu. Bei der Arbeit im Lagezentrum kommt auch das neu ins Heer eingeführte digitale Führungsinformationssystem, das Battle Management System (BMS) Sitaware, zum Einsatz. Das BMS garantiert hierbei ein jederzeit aktuelles Lagebild über die eingesetzten Kräfte. So können Informationen schneller verarbeitet und die Hilfsleistungen noch effizienter organisiert werden. Major Michel Beger, 34 Jahre alt und im Grundbetrieb zuständig für die Koordination der Einsätze für Angehörige der Brigade, führt derzeit das Lagezentrum. „Aktuell sind beinahe 30 Prozent des Personals der Brigade in Amtshilfemaßnahmen eingesetzt. Die Tätigkeiten erstrecken sich dabei von der telefonischen Kontaktnachverfolgung in Gesundheitsämtern bis zur Unterstützung bei einfachen Tätigkeiten, Verwaltung und Organisation im Bereich der Pflegeheime und Krankenhäuser“, erklärt Beger. Besonders in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern seien die Unterstützungsleistungen der Bundeswehr unerlässlich: „Dort gilt es Menschenleben zu retten. Da muss der Schwerpunkt sein!“

Pflegepersonal wird entlastet

Ein Soldat bearbeitet eine digitale Lagekarte an zwei Computerbildschirmen.

Mithilfe des neuen Battle Management Systems werden im Corona-Lagezentrum im Stab der Panzergrenadierbrigade 37 die genehmigten Amtshilfeanträge ausgewertet und die Aufträge an die Bundeswehr verteilt.

Bundeswehr/Sven Fischer

Demnächst wird die Brigade auch die Impfzentren in Sachsen und Thüringen unterstützen. Um die Impfungen für möglichst viele Bürger in den beiden Freistaaten schnellstmöglich zu gewährleisten, werden zusätzlich 240 Soldaten bereitgestellt. Die Arbeit in Senioreneinrichtungen oder Krankenhäusern ist für einen Panzergrenadier, Pionier oder Aufklärer meist eine neue Erfahrung. „Es ist ein interessanter Einblick in völlig andere Berufsgruppen. Wir sehen hier hautnah, was das Pflegepersonal täglich leistet. Die Dankbarkeit und leuchtenden Augen der Bewohner sind unbezahlbar“, berichtet Oberstabsgefreiter Enrico Knorr, Angehöriger des Panzergrenadierbataillons 371 aus Marienberg über seine Arbeit in einem Pflegeheim im Erzgebirge.

Aufgrund der Zunahme an Erkrankten steigt auch die Belastung für das Personal in den Krankenhäusern. Kommen dann noch Infektionen unter den Mitarbeitern hinzu, ist ein Hilfeersuchen an die Bundeswehr mitunter der letzte Weg. So packen Soldaten zunehmend auch in sächsischen Krankenhäusern mit an. „Wir sind da, um anderen die Arbeit abzunehmen. Hauptsächlich arbeiten wir am Empfang und greifen den Pflegekräften unter die Arme. Darüber hinaus achten wir auch auf die Einhaltung der Hygienebestimmungen und nehmen Desinfektionsmaßnahmen vor“, sagt Oberfeldwebel Niklas Luthe. Er ist seit dem 4. Januar zusammen mit sieben weiteren Kameraden des Panzerbataillons 393 aus Bad Frankenhausen im Elblandklinikum in Meißen eingesetzt. Die unmittelbare Nähe zu den teils schweren Verläufen einer Coronainfektion sind für die Kameraden eine eindrucksvolle Erfahrung. Aufgrund dieser Eindrücke und der täglichen Erkenntnis, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung leisten, ist die Motivation unter den eingesetzten Soldaten ausgesprochen hoch.

Hauptaufgabe Kontaktnachverfolgung

Ein Büro mit vier Bildschirmarbeitsplätzen. Links sitzen eine Frau und ein Mann in Zivil, rechts zwei Soldaten.

Zivile Mitarbeiter und die Soldaten der Panzergrenadierbrigade arbeiten bei der Kontaktnachverfolgung von Infizierten eng zusammen. Alle auf dem Foto Abgebildeten wurden vor ihrer Arbeit auf Corona negativ getestet.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Ein wirksames Mittel gegen das Virus ist die gezielte Isolation von infizierten Menschen und deren Kontaktpersonen. Viele Gesundheitsämter arbeiten seit Wochen durchgehend daran, die Kontakte von positiv auf das Virus Getesteten nachzuverfolgen und Isolationsmaßnahmen für die Kontaktpersonen anzuordnen. „In den Regionen mit besonders hohen Inzidenzwerten kommen wir teilweise nicht nach“, sagt Sandra Mann, Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes in Chemnitz. Um dies zu verhindern, arbeiten in 44 Gesundheitsämtern in Sachsen und Thüringen die Mitarbeiter zusammen mit Soldaten im Bereich der Nachverfolgung. „Bei den vielen Telefonaten kriegt man einiges über den Verlauf der Corona-Erkrankungen mit“, sagt Stabsunteroffizier Marcus Platzeck. Er leistet mit seinen Kameraden wichtige Aufklärungsarbeit und informiert über Tests und Quarantänebescheide. Die Aufgaben, denen sich die Soldaten stellen müssen, sind dabei völlig andere als im regulären Dienstbetrieb. Das erfordert Flexibilität, funktioniert aber aufgrund der Zusammenarbeit mit den erfahrenen Mitarbeitern dann nach kurzer Eingewöhnung sehr gut. 

von Renzo Di Leo

mehr lesen