Heer

Infanteristen helfen gegen Ausbreitung der Schweinepest

Infanteristen helfen gegen Ausbreitung der Schweinepest

  • Amtshilfe
  • Heer
Datum:
Ort:
Torgelow
Lesedauer:
3 MIN

Einsatzgebiet und Taktik sind ähnlich, dennoch ist der Auftrag der Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons 413 besonders. Mit dem Ziel, die Afrikanische Schweinepest (ASP) im brandenburgischen Spree-Neiße Gebiet zu bekämpfen, durchforsten die Jäger aus Torgelow bewaldetes Gebiet. Für die Militärs eine außergewöhnliche Amtshilfe, bei der sich die gegnerischen Kräfte plötzlich tote Wildtiere sind.

„Die Soldaten machen genau das, was sie am Heimatstandort während der Ausbildung auch machen. Sie befinden sich im Wald und erfüllen auf etwas andere Art ihren Auftrag“, sagte Oberstleutnant René Ochs, Kommandeur des Jägerbataillons 413. „Sie nun sind Jäger im Einsatz gegen tote Wildschweine.“

Afrikanische Schweinepest in Ostdeutschland

Drei Soldaten stehen an einem Auto, auf dessen Motorhaube eine Karte liegt.

An der Karte und mit dem Blick ins Gelände werden die nächsten Suchabschnitte zugeteilt.

Bundeswehr/Jägerbataillon 413

Das erste verendete Wildschwein war Anfang September in Sembten im Landkreis Spree-Neiße gefunden worden. Eine epidemiologische Untersuchung des Tieres durch das Friedrich-Löffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, ergab: Die ASP hat das Bundesland Brandenburg erreicht – und zwar mit unbekannter Ankunftszeit. Weitere Erkenntnisse konnten dann schließlich Forscher aus übrigen infizierten Skelett- und Knochenfunden schlussfolgern, da diese bereits bis zu zehn Wochen an den jeweiligen Fundorten lagen.

Die ASP ist eine für den Menschen ungefährliche, aber hochansteckende Tierseuche und endet für Wild- und Hausschweine tödlich. Das Nachverfolgen jedes einzelnen Falls unter Wildschweinen soll die Wahrscheinlichkeit des Überspringens der Krankheit auf Hausschweinbestände verringern und damit die Gefahr schwerer wirtschaftlicher Folgen für Agrarbetriebe dämmen. Denn wird nur ein infiziertes Hausschwein in einem Bauernbetrieb entdeckt, muss der gesamte Bestand getötet werden.

Nach dem Fallwildfund in Sembten ersuchte der Landkreis Amtshilfe bei der Bundeswehr. Da die Prüfung freier Ressourcen des Dienstherrn nicht auf die Bundesländer beschränkt ist, ging der Auftrag an das Jägerbataillon 413 in Torgelow. Der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant René Ochs, erkannte schnell den Ernst der Lage. Unter wachsendem Zeitdruck müssen verendete Tiere, sogenanntes Fallwild, aufgespürt und für weitere Untersuchungen für Forscher und Wissenschaftler zugänglich gemacht werden.

Da es in der Infanterie keine halben Sachen gibt, befahl Ochs zügig 120 Soldaten unter der Führung von Hauptmann Marcus Seelmann in den Spree-Neiße-Kreis. Die Jäger sollten nun zu Fuß und unterstützt von Drohnen, Wärmebildkameras und Spürhunden insgesamt 6.500 Hektar absuchen. Ziel war es, die Ausbreitung der ASP unter den Wildschweinen zu verhindern.

4.500 Hektar Marschleistung

Soldaten laufen durch ein bewaldetes Gebiet.

Insgesamt 4.500 Hektar bewaldetes Gebiet suchen die Jäger aus Torgelow auf Fallwild ab.

Bundeswehr/Jägerbataillon 413

Am 1. Oktober startete der Einsatz: In breiter Front und im Abstand von drei Metern am Waldesrand angetreten, marschierten die Soldaten los. Statt eines Gewehres hielt jeder einen Stock in der Hand. „Während sich die Soldaten zügig durch das Unterholz bewegen, haben sie nicht nur den Waldboden im Blick, sondern auch ihren Nebenmann“, erklärt Hauptmann Seelmann. „Dadurch wissen die Soldaten immer, auf welcher Höhe sie sind.“ In dieser Formation suchten die Soldaten bereits nach fünf Tagen weit über die Hälfte der Fläche ab. Mithilfe der Spürhunde und Drohnen konnten schon in der ersten Woche knapp 40 tote Tiere gefunden werden. Neun davon waren mit dem ASP-Virus infiziert. Am Ende des Einsatzes durchkämmten die Soldaten des Jägerbataillons 413 insgesamt 4.500 Hektar. Dabei gab es sehr schwer zugängliche Abschnitte, mitunter durch eine starke Bewaldung und sumpfiges Gebiet.

Dass seine Soldatinnen und Soldaten dort erfolgreich sind, wo selbst Technik an ihre Grenzen stößt, überrascht Ochs nicht. „Schwierig ist das Gelände nur für den Gegner. Den vollen Einsatzwert eines Jägers erkennt man nur, wenn man gerade in einem solchen Gelände Ausbildung betreibt und übt.“

Koordiniert wurde der Einsatz von einem zivil-militärischen Lagezentrum im Feuerwehrhaus in Groß Gastrose. Von hier aus wurden die Funde an den Krisenstab des Kreises weitergeleitet. Die Zusammenarbeit war geprägt von einem sehr professionellen Miteinander. Die Dankbarkeit über den Einsatz der Jäger war stets spürbar. Mit der Rückverlegung nach Torgelow endete der Auftrag der Infanteristen.

von Robert Plückhahn

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