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„Kommandeur ist eine der schönsten Aufgaben im Heer“

„Kommandeur ist eine der schönsten Aufgaben im Heer“

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Datum:
Ort:
Pfreimd
Lesedauer:
1 MIN
Drei Soldaten reichen sich zur Mitte hin die Hände.

Bataillonsübergabe: Oberstleutnant Danny Steinbach (v. l.), Oberst Björn F. Schulz, Brigadekommandeur der Panzerbrigade 12, und der scheidende Kommandeur, Oberstleutnant Oliver Dellschau

Bundeswehr/Reinhard Jäger

Oberstleutnant Danny Steinbach ist seit 31. Januar neuer Kommandeur des teilaktiven Gebirgspanzerbataillons 8. Im Frieden sind der Stab sowie die 1. und 2. Kompanie nicht-aktiv. Die aktive 3. und die 4. Kompanie sind anderen Verbänden unterstellt. Im Ernstfall kommandiert Steinbach dann die vier Kompanien. Mit ihm sprechen wir über seine Laufbahn, die Freude am Dienst und Aufgaben für 2020.


9 Fragen an Oberstleutnant Danny Steinbach

Kommandeur des Gebirgspanzerbataillons 8

Herr Oberstleutnant, Sie sind Reservist und neu auf dem Dienstposten des Kommandeurs. Wie verlief Ihre Laufbahn bei der Bundeswehr?

Nach meiner aktiven Dienstzeit bei der Bundeswehr habe ich Betriebswirtschaftslehre, Verwaltungswissenschaften und Wirtschaftsrecht studiert. Derzeit bin ich bei der Deutschen Rentenversicherung Rheinland tätig, leite dort unsere Dienststelle in Köln und wohne in Düsseldorf. Als Reservist war ich beginnend im Juli 2010 im Panzerbataillon 203 in Augustdorf zunächst als Kompaniechef und später als S3-Stabsoffizier, verantwortlich für Ausbildung und Übung, tätig. In den vergangenen zehn Jahren habe ich regelmäßig zwischen zwei bis sechs Wochen gedient.

Reservist und Kommandeur bei der Bundeswehr – welche Herausforderungen sind damit verbunden?

Aus meiner Sicht ist eine der größten Herausforderungen die zeitliche Koordinierung. Sicherlich kann man vieles aus der Ferne per Mailkontakt regeln, jedoch ist das persönliche Gespräch die wichtigste Kommunikationsart. Aufgrund der Einbindung der Kameraden der Reserve, als auch meine persönliche Einbindung im Zivilberuf ist die telefonische Abstimmung meist nur in den Abendstunden möglich. Und selbst regelmäßige Telefonate ersetzen nicht den direkten Kontakt. Dies bedarf wiederum eines weiteren Koordinierungsaufwandes und entsprechender Reisezeiten.

Meist weht mit einem neuen Chef auch ein neuer Wind. Was sind ihre Leitsätze?

Das wichtigste überhaupt – also das A und O – ist eine solide Ausbildung. Hat man sie nicht, muss man langsam machen, sonst stürzt man in der Eile.

Was bedeutet es für Sie Reservist zu sein?

Reservist sein heißt für mich, dem in der Vergangenheit geleisteten Eid auch zukünftig gerecht zu werden. Im Fokus des Dienstes als Reservist steht für mich stets die Aus- und Weiterbildung, sowie die Übung der erlangten Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dies schließt selbstverständlich auch den Erhalt und die Steigerung der körperlichen Fitness mit ein. Damit einher geht ein kameradschaftlicher Umgang mit allen Reservistinnen und Reservisten, um auch weiterhin auf deren ehrenamtliches Engagement setzen zu können.

Was muss ein Reservist machen, um Kommandeur werden zu können? Welche Anforderungen sind damit verbunden?

Unerlässlich sind die entsprechenden Ausbildungen und eine vorherige Reservetätigkeit als Kompaniechef oder S3-Offizier und die Teilnahme an Dienstlichen Veranstaltungen im Tagesdienst und an Übungen. Man muss zudem auch eine klare Vorstellung zur Umsetzung der Aufträge haben, muss sie dann bestmöglich erfüllen und sich als Kommandeur eignen. Das alles ist im besten Fall gepaart mit Freude am Dienst. Und natürlich sollte der zivile Arbeitgeber bereit sein, den Reservisten freizustellen.

Hätten Sie jemals gedacht, im Laufe Ihres Reservistendienstes Kommandeur zu werden?

Kommandeur ist sicherlich eine der schönsten Aufgaben im Heer, da hier ein großer Gestaltungsspielraum vorhanden ist und man die Truppe entsprechend prägen kann. Aufgrund meiner bisherigen Funktionen als Reservist war mein Ziel, Kommandeur beziehungsweise stellvertretender Kommandeur zu werden. Das ich tatsächlich die Gelegenheit eröffnet bekomme einen nicht-aktiven Verband führen zu dürfen, war nicht geplant und hat mich auch ein Stück weit überrascht. Aber wie heißt es schon in der taktischen Ausbildung: „Die Gunst der Stunde ist zu nutzen“.

Das erste Jahr ist immer etwas Besonderes. Was sind Ihre Schwerpunkte?

Das Kennenlernen der Soldatinnen und Soldaten des Gebirgspanzerbataillons 8 steht erstmal im Vordergrund. Ausbildungs- und Übungsschwerpunkt ist die Teilnahme an der Übung Frankendolch im Juni/Juli 2020.

Kommandeur eines Panzerbataillons bedeutet auch, wieder näher an Personal und Material zu sein, in Ihrem Fall dem Kampfpanzer Leopard 2A6. Können Sie sich noch an Ihre erste Fahrt mit dem Schwergewicht und an Ihren ersten Schuss erinnern?

Die erste Fahrt in einem Kampfpanzer ist immer etwas Besonderes. Die 2. Kompanie des Gebirgspanzerbataillons 8 verfügte seinerzeit über den Kampfpanzer Leopard II A4 Los 8. Die Masse, die Vibrationen und die Leichtigkeit der Fahrt beeindruckten mich nachhaltig. Den ersten Schuss feuerte ich während meiner Richtschützenausbildung auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ab, nachdem eine intensive praktische und simulationsgestützte Ausbildung, teilweise im Schichtbetrieb stattfand. Die Wucht der Treibladung, der Mündungsblitz und die Übertragung der Energie auf das gesamte Waffensystem ist ein Moment, den man nie vergisst.

Neben Ihrem Beruf und Ihrer Berufung als Kommandeur bleibt hoffentlich noch ein wenig Zeit für Sie selbst. Was ist Ihre Leidenschaft in der Freizeit?

Ich meiner Freizeit jogge ich, fahre gern Motorrad und habe derzeit als mehrjähriges Wanderprojekt das „Grüne Band" vor mir. Das „Grüne Band" ist die ehemalige 1.400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze. Die ehemaligen Grenzflächen wurden auch nach der Deutschen Einheit weitgehend der Natur überlassen und sind damit der längste Verbund von natürlichen Lebensräumen in Deutschland. Im Frühjahr 2016 begann meine erste Wanderung an der deutsch-tschechischen Grenze. Seitdem wandere ich jedes Jahr, bis auf 2019, jeweils für sechs, sieben Tage. Die nächste Etappe startet am Dreiländereck Bayern-Thüringen-Hessen weiter Richtung Norden.

Vielen Dank Herr Oberstleutnant Steinbach für das informative Gespräch. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und eine gute Portion Soldatenglück.

Zwei Soldaten sitzen sich an einem Schreibtisch gegenüber und sprechen miteinander.

Oberstleutnant Oliver Dellschau (r.) bereitet den neuen Kommandeur, Oberstleutnant Danny Steinbach, auf seine Aufgaben vor.

Bundeswehr/Reinhard Jäger

Infobox

Das Gebirgspanzerbataillon 8 wurde ursprünglich 1981 in Kirchham im Landkreis Passau als Verband der 1. Gebirgsdivision in Dienst gestellt. 1994 erfolgte im Zuge einer Strukturreform der Unterstellungswechsel zur Panzerbrigade 12, bevor das Bataillon 1997 außer Dienst gestellt wurde. Im September wurde das heutige Gebirgspanzerbataillon in Pfreimd neu aufgestellt. Zwei der vier Kompanien sind aktiv. Sie gehen aus den Umgliederungen des Panzerbataillons 104 in Pfreimd und des Panzerbataillons 393 in Bad Frankenhausen hervor und sind auch den beiden Bataillonen unterstellt. Das Gebirgspanzerbataillon 8 verstärkt die Fähigkeiten der Panzertruppe zur Erfüllung von Aufgaben der Landesverteidigung und bei der Amts- und der Katastrophenhilfe.


von Constanze Kumpf

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