Heer

Logistik auf dem Gefechtsfeld

Logistik auf dem Gefechtsfeld

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Möckern
Lesedauer:
3 MIN

Einen Versorgungspunkt erkunden, eine  Werkstatt im Felde einrichten, die Truppe mit Ersatzteilen versorgen, Fahrzeuge in der Nacht reparieren und nebenbei einen Plan für die Sicherung und Verteidigung erstellen – all dies hat das Versorgungsbataillon 131 aus Bad Frankenhausen Ende Juni 2021 während einer Feldeinsatzübung geübt.

Ein Hubschrauber schwebt über einem Auto, daneben drei Soldaten, die das Auto mit einem Seil am Hubschrauber befestigen.

Für die Logistiker aus Bad Frankenhausen steht wieder der Kernauftrag, die Versorgung unter den Bedingungen der Landes- und Bündnisverteidigung, im Fokus.

Bundeswehr/Andre Klimke

Gurte kontrollieren, Überlängen abbinden und mit Tape sichern – alles muss passen, nichts darf flattern. Die Gurte sollen am nächsten Tag einen Geländewagen vom Typ Wolf tragen. Unter einem Hubschrauber. Die Absicht: der Kampftruppe wichtiges Gerät über eine weite Entfernung möglichst schnell zur Verfügung stellen. „Durch die Luft geht das am schnellsten“, so Hauptfeldwebel Thomas Heller. Er bereitet mit seinen Männern und Frauen die Außenlast für den nächsten Tag vor. Heller und seine Soldaten bilden die Luftumschlaggruppe der 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 131 aus Bad Frankenhausen. Ihr Auftrag ist es, auch unter Bedrohung, die Truppe mit den benötigten Gütern zu versorgen.

Altes Wissen neu lernen

Ein Feldumschlaggerät für den Transport logistischer Güter fährt über eine Lichtung.

Logistikzentrum im Grünen: Im Gefecht sucht man die Lagerhallen vergeblich.

Bundeswehr/Andre Klimke

Die letzten Jahre waren für die Soldatinnen und Soldaten des Versorgungsbataillons 131 durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr im Rahmen des internationalen Konfliktmanagements geprägt. Logistisch bedeutet dies: Versorgung aus einer gesicherten Basis heraus, also überwiegend stationärer Betrieb im Feldlager. Nur einzelne Elemente exponieren sich draußen, außerhalb des Lagers, zum Beispiel während eines Fahrzeugmarsches. Nun steht für die Logistiker aus Bad Frankenhausen wieder der seit jeher bestehende Kernauftrag, die Versorgung unter den Bedingungen der Landes- und Bündnisverteidigung, im Fokus. Das heißt: Die Heereslogistiker versorgen die Kampftruppenbataillone der Brigade im laufenden Gefecht, also hochmobil anstatt stationär. Im Angriff folgen die Versorger den Kampftruppen mit etwas Abstand. Während der  Operationsart Verzögerung bewegen sie sich zurück und stellen über eine größere Distanz die Versorgung sicher.

Logistische Fähigkeiten im fiktiven Szenario

Ein Soldat in Gefechtsanzug verlädt einen grünen LKW auf einen Schwerlasttransporter.

Bei noch ruhiger Bedrohungslage werden beschädigte Fahrzeuge für die Instandsetzung abtransportiert.

Bundeswehr/Andre Klimke

Die Soldaten gelangen in das fiktive Einsatzgebiet, um dort bei noch ruhiger Bedrohungslage logistische Leistungen wie Instandhaltung, Versorgung, Transport, Umschlag sowie Bergen und Abschleppen zu erbringen. Die Versorgungsräume, also die Orte, an denen die Truppe im Felde versorgt wird, wurden von den Kompaniechefs bereits im Vorfeld erkundet und die Raumordnung für die jeweilige Kompanie festgelegt. Sie wollen dabei die vorhandene Infrastruktur bestmöglich nutzen. So beziehen beispielsweise die Kräfte der 4. Kompanie in Möckern ehemalige Scheunen und kleine Werkstätten sowie eine ehemalige Liegenschaft der NVANationale Volksarmee, um dort ihr mobiles Lager, den Kompaniegefechtsstand sowie die Versorgungsleitstelle als Dreh- und Angelpunkt des Nachschubs einzurichten und zu betreiben. Für die mobile Versorgung ist es aber auch notwendig, dass die Versorgungspunkte im freien Gelände angelegt werden.

In der Versorgungsleitstelle der Kompanie werden die verschiedenen Aufträge aufgenommen und ausgewertet. Hier wird gefragt, welche Fähigkeiten gefordert sind. Instandhaltung, Versorgung, Transport, Umschlag oder Bergen und Abschleppen? Danach geht der Auftrag an die passende und verfügbare Teileinheit. Die drei Versorgungskompanien des Versorgungsbataillons 131 sind identisch gegliedert. Alle verfügen über die gleichen Fähigkeiten.

Wolf am Haken

Vier Soldaten bereiten einen Geländewagen draußen auf den Lufttransport vor.

Der Geländewagen wird für den Transport mit einem Hubschrauber CH-53 vorbereitet.

Bundeswehr/Andre Klimke

Hauptfeldwebel Thomas Heller ist unterdessen mit seinen Kameraden und dem Geländewagen am Umschlagpunkt angekommen. Nun werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Gurte an den entsprechenden Ösen einhaken, fixieren und wieder abkleben. „Gestern Abend haben wir den Innenraum des Fahrzeugs vorbereitet. Alles, was beim Flug herausfallen könnte, müssen wir mit einer Schnur sichern“, so Heller. Selbst der Fahrzeugschlüssel ist mit einem Band gesichert und steckt im Zündschloss. „Wenn das Fahrzeug bei der Kampftruppe ankommt, sollen die ja gleich damit losfahren können“, so der 39-jährige Gruppenführer.

Aus der Ferne sind unterdessen die Motorengeräusche eines Hubschraubers zu hören. Heller befiehlt: „Bereitmachen! Fahrzeug auf die Mitte des Platzes fahren. Erdungsstab nicht vergessen und Helm und Brillen auf!“ Er selbst zündet einen Rauchkörper, um der Hubschrauberbesatzung die Windrichtung anzuzeigen. Alles Weitere ist schon fast Routine. Der Hubschrauber schwebt über der Last ein. Sobald er in Reichweite ist, wird der Haken des CH-53 mit dem Erdungsstab verbunden, damit die elektrische Ladung abgeleitet werden kann. Danach gilt es, die Schlaufe des Lastgeschirrs einzuhängen. Nur wenige Minuten später schwebt der Geländewagen als Außenlast unter dem starken Helikopter davon. Damit ist für Heller und seine Kameraden der erste Auftrag des Tages erledigt und die Kampftruppe erhält zeitgerecht den benötigten Nachschub.

Akribische Vorbereitung ist der halbe Transport

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Drei Soldaten arbeiten in einer alten Halle an Seilen zum Abtransport eines Fahrzeuges.

Eine alte Halle dient der Luftumschlaggruppe der 4. Kompanie während der Feldeinsatzübung als Arbeitsraum und Unterkunft.

Bundeswehr /Andre Klimke
Zwei Soldaten stehen vor einem Geländewagen und umwickeln Lastgurte mit einem Vlies.

Vorbereitung: Das Lastgeschirr für den Lufttransport des Geländewagens wird mit einem Vlies vor eventuellen Beschädigungen geschützt.

Bundeswehr/Andre Klimke
Ein Hubschrauber schwebt über einem Geländewagen. Neben dem Geländewagen stehen drei Soldaten.

Müssen Versorgungsgüter schnell und über weite Entfernungen transportiert werden, kommen auch Hubschrauber zum Einsatz.

Bundeswehr/Andre Klimke
Ein Soldat steht auf einer Wiese. Vor ihm schwebt ein Hubschrauber mit einem Geländewagen.

Die Last wird mit Tragegurten, bestehend aus einem zweilagig vernähten Nylongurtband, am Hubschrauber befestigt.

Bundeswehr/Andre Klimke

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von André Klimke

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