Heer

Mit Marschgepäck durch die nasse Felswand

Mit Marschgepäck durch die nasse Felswand

  • Einsatzvorbereitung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bischofswiesen
Lesedauer:
3 MIN

Innerhalb eines Jahres stehen für die 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen Einsatz- und Ausbildungsabschnitte an, die unterschiedlicher nicht sein könnten: von eisiger Kälte über alpines Gelände bis hin zu Hitze und Trockenheit.

Fünf Soldaten mit Waffen und Gepäck marschieren einen Hang hinauf, im Hintergrund eine steile Felswand.

Soldaten der Gebirgsjägertruppe werden vielseitig eingesetzt –wie hier im Gebirge, aber auch im heißen Mali.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Im März ist die 2. Kompanie aus Nordnorwegen von der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Gefechtsübung Cold Response zurückgekehrt. Trotz des vorzeitigen Abbruches der Übung durch die Corona-Krise konnte sich die 2. Kompanie bei einem zweiwöchigen Biwak unter arktischen Bedingungen, bei durchschnittlich minus 20 Grad Celsius beweisen. Nun müssen die Soldaten und Soldatinnen ihre Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unter Beweis stellen. Einen Tag vor Ausbildungsbeginn hat ein Vorkommando, bestehend aus zwei Mannschaftssoldaten, dem Kompanietruppführer und dem Kompaniechef, das Seilgeländer mit einer Länge von knapp 300 Metern und vier hintereinander folgenden Abseilstellen in die Westwand am Hohen Göll (2.522 m) in den Berchtesgadener Alpen aufgebaut. Neben 300 Meter Statikseil und acht Halbsträngen zum Abseilen gehören natürlich noch Schlaghaken, Hammer, Reepschnur, Bandschlingen sowie Karabiner in den Rucksack, um das Seilgeländer anlegen zu können. „Ich habe zwar schon einmal in der Spezialgrundausbildung ein Seilgeländer begangen, aber beim Aufbau war ich noch nie dabei. Eine sehr interessante Erfahrung“, so Oberstabsgefreiter Laura Teubner, die als Materialträgerin das Vorkommando begleitet.

Der entschärfte Berg

Zwei Soldaten, durch Karabinerhaken gesichert, gehen an einem steilen Seilgeländer entlang einen Felsen hinauf.

Ausbildung am Seilgeländer: Schwierige Tritt- und Griffstellen werden durch das Vorkommando gangbar gemacht.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Beim Aufbau des Seilgeländers wird ein Seil an mehreren Fixpunkten befestigt und gespannt, sodass die nachfolgenden Soldaten, ausgestattet mit Klettergurt und Selbstsicherung durch dieses Gelände gehen können. Durch das zusätzliche Anfertigen von Aufstiegshilfen wie Tritt- und Griffschlingen werden schwerere Kletterstellen entschärft. Die eigentliche Herausforderung beim Aufbau des Seilgeländers ist es, den möglichst einfachsten Weg durch die Wand zu finden. Dadurch werden die Gebirgssoldaten, ausgestattet mit Waffen, Munition und Gepäck, etwas weniger körperlich beansprucht. „Denn die Ausbildung am Seilgeländer dient lediglich dazu, dass sich die Soldaten im schwierigen Gelände problemlos bewegen, um im Fall des Falles ihren vorgesehenen Einsatzraum erreichen zu können“, erklärt Major Rudolf Hofmann, Kompaniechef der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232. Die Gebirgstruppe zeichnet aus, dass sie Soldaten in Gelände verbringt, wo der Feind sie nicht erwartet.

25 Kilogramm auf dem Rücken

Mit Rucksack und Gewehr klettert ein Soldat der Gebirgstruppe eine steile Felswand hinauf.

Gebirgsjäger müssen für ihren Einsatz im Hochgebirge grundsätzlich schwindelfrei sein.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Gegen 5.30 Uhr heißt es für das Vorkommando Abmarsch. Noch einmal die Seile nachspannen und das Seilgeländer auf Schäden kontrollieren, dann geht es los. Nach dem Motto „Übe, wie Du kämpfst“ wird nicht nur das Gewehr G36, sondern auch die Panzerfaust und das Maschinengewehr mitgeführt. Zu Beginn ist das Gelände noch einfach, doch dann folgen immer wieder steile, zum Teil senkrechte Aufschwünge in der Wand, die die Gebirgsjäger überwinden müssen. Hohe, körperliche Leistungsfähigkeit ist Grundvoraussetzung für jeden Gebirgsjäger. Jeder Soldat schleppt etwa 25 Kilogramm auf den Rücken mit. Bei teilweise nassem Fels ist es keine leichte Aufgabe, Halt für die Füße zu finden. An schwierigen Stellen unterstützen die Führer ihre Soldaten. Denn gerade am Berg sind Kameradschaft und Vertrauen in Mensch und Material Bedingung, um den Auftrag in schwindelerregenden Höhen, in wegelosem und steilem Gelände erfüllen zu können.

Ab März 2021 in Mali

Drei Soldaten mit Waffen und Ausrüstung am Seilgeländer. Der mittlere reicht dem darunter am Fels die Hand.

Der Erfahrene kommt dem weniger Erfahrenen zu Hilfe. Kameradschaft am Berg steht bei den Soldaten der Gebirgstruppe an erster Stelle.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Am Ende des Seilgeländers ist noch einmal Schwindelfreiheit und Konzentration gefragt. Wie für einen Gebirgsjäger üblich wird mithilfe einer Abseilpiste und Standplatzwechsel abgeseilt. Die Soldaten müssen sich etwa 200 Meter selbstständig hintereinander abseilen. An jedem Standplatz ist ein Ausbilder, um auf das Geschehen ein Auge zu haben. Am Ende des Ausbildungstages sagt Hofmann: „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung meiner Soldaten. Sie haben sich heute sehr gut geschlagen. Das Gelände war nicht einfach und sie sind daran gewachsen.“

Ab September wird die 2. Kompanie dann in die Einsatzvorbereitende Ausbildung gehen. Ein wichtiger Baustein wurde dabei schon im Mai auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken bei einer zweiwöchigen Schießausbildung gelegt. Die Einsatzvorausbildung endet in einer Abschlussübung im Gefechtsübungszentrum Letzlinger Heide bei Magdeburg im Februar 2021. Im März 2021 wird die Kompanie dann ihren Einsatzauftrag in Mali wahrnehmen.

von Sarah Hofmann

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