Heer
SERE-Ausbildung

Überleben in feindlichem Territorium

Überleben in feindlichem Territorium

  • Ausbildung
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Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
2 MIN

Wie Soldatinnen und Soldaten sich verhalten müssen, wenn sie von der Truppe abgeschnitten und auf sich allein gestellt sind und wie sie sich zu den eigenen Kräften durchschlagen können: Das lernen angehende Gruppenführer der Luftwaffensicherungstruppe an der Infanterieschule in Hammelburg. Seit November läuft dort der neue Lehrgang SERE-B der VII. Inspektion.

Ein weißes Fahrzeug steht auf einem Waldweg, Soldaten mit Marschgepäck beraten sich, gelber Rauch steigt auf.

Möglicher Beginn einer Isolation: Die Soldaten sind in einen Hinterhalt geraten, ihr Fahrzeug ist aufgrund eines Sprengsatzes ausgefallen, jetzt heißt es Abstand gewinnen und zwar zügig.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Fünf Ausbildungstage umfasst diese Überlebensausbildung. Die Angehörigen der Luftwaffensicherungstruppe sind als „Personal mit mittlerem Risiko einer Isolation“ deklariert und werden dementsprechend ausgebildet. „‚Prepare for the worst - Bereite dich auf das Schlimmste vor - ist das Motto der Ausbildung“, beschreibt Stabsfeldwebel Thomas Issing, Ausbilder der SERE Module (Survival – Evasion – Resistance – Extraction, dt.: Überlebens-, Ausweich-, Widerstands- und Fluchttraining).

Zurück zur eigenen Truppe

Ein Versteck im Wald, gut getarnt.

Bei dem Bau eines Versteckes kommt es vor allem darauf an, dass der Unterschlupf unentdeckt bleibt. Das Versteck muss vor Nässe schützen, um die Kampfkraft der Soldaten zu erhalten.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

„Soldatinnen und Soldaten, die isoliert von den eigenen Truppenteilen sind, unterliegen der Gefahr der Gefangenen- oder Geiselnahme. Es geht darum, sich dem zu entziehen und wieder Anschluss zu den eigenen Kräften herzustellen“, beschreibt Hauptmann Marcel Köhler. Er ist der Hörsaalleiter des Gruppenführerlehrgangs. Hierbei seien die Soldaten nicht vollständig auf sich allein gestellt, im Hintergrund laufe die Rettungskette der Personnel Recovery – also der Rückholung. Diese Maßnahmen würden bereits bei Bekanntwerden der Isolierung einzelner Soldaten anlaufen.

Umfangreiche Maßnahmen

Ein Soldat entfacht ein Feuer mit einem Magnesium Feuerstarter.

Essenzielle Fähigkeit: Um isoliert zu überleben, ist Feuer wichtig. Es hält Tiere ab, spendet Wärme und ermöglicht es, Wasser abzukochen. Ein Magnesium Feuerstarter ist in dieser Situation nicht mit Geld aufzuwiegen.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Die Maßnahmen bis zur Rückholung sind umfangreich. Es werden alle Informationen zum eigentlichen Auftrag der Soldaten gesammelt, wie beispielsweise die Marschroute und Sammelpunkte. Weiterhin füllen die Soldaten bereits vorab, also vor Beginn ihrer Mission, einen sogenannten Isolated Personnel Report, aus. In diesem Formular schreiben die Soldaten persönliche Statements nieder, die nur sie kennen. Bei einem Kontakt mit den Aufnahmekräften helfen diese Fragen und Antworten bei der Authentisierung der Soldaten, erläutert der Ausbilder Issing.

An der Infanterieschule in Hammelburg lernen Soldaten, wie sie hinter feindlichen Linien überleben und zur eigenen Truppe gelangen können.

In der weiteren Ausbildung werden die Soldaten auf das mögliche Szenario einer Isolation vorbereitet. Jede einzelne Phase wird geschult und am Ende in einem Szenario praktisch umgesetzt. Auch Überlebensgrundlagen, wie der Bau eines Verstecks oder Feuer machen, erlernen die Teilnehmer auf dem Lehrgang. Praktische Einweisungen etwa in Signalmittel runden die Ausbildung ab. Das Ausweichen vor möglichen Feindkräften und das Entziehen der Gefangennahme wird theoretisch und praktisch behandelt. „Wichtig ist es für die Soldaten, dass sie immer wissen, wo sie sich befinden, um sich entweder eigenständig durchzuschlagen oder den Aufnahmekräften so gut wie möglich zuzuarbeiten. Immer mit dem Ziel vor Augen zur eigenen Truppe zurückzukehren“, so Issing.

Man muss funktionieren

Drei Soldaten auf einer Wiese, hinter ihnen der Ausbilder. Es wird geprüft, wo die letzten Mängel liegen.

Oder vielleicht doch eine Falle: Das Aufnahmeverfahren wird geübt. Von den Soldaten soll so wenig Gefahr wie möglich ausgehen, daher die abgewandte, kniende Position mit gestreckten Armen. Der Ausbilder stellt letzte Mängel ab.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Wenn sich die Soldaten der Gefangennahme entzogen haben, sei es wichtig, die Verfahren der Extraction, also der Rückführung, zu kennen. Festgelegte Verfahren bieten bestmöglichen Schutz während der Aufnahme. Hierzu zählen Meldeverfahren, Einsatz von Signalmitteln und das Aufnahmeverfahren selbst. Das Training ist körperlich und psychisch belastend, auch wenn allen Teilnehmer klar ist, dass die Situation nicht real ist. „Der Stress ist gewollt, denn in Realität müssen die Soldaten auch unter Druck funktionieren, um ihr Leben zu retten. Dafür gibt es keine zweite Chance“, schließt Ausbilder Issing ab.

von Thomas Heinl

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