Heer

Vermittler zwischen zwei Welten

Vermittler zwischen zwei Welten

  • Menschen
  • Heer
Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
4 MIN

In der Coronakrise wird die Bundeswehr mit ihren Hilfseinsätzen wieder einmal verstärkt sichtbar für die Öffentlichkeit. Die dafür notwendige Berichterstattung durch Journalisten unterstützt Leutnant Sandro Schilder. Er ist Pressebegleitoffizier und damit Mittler zwischen der Truppe und den Medien. Wir sprechen mit ihm über seine Arbeit beim Presse- und Informationszentrum (PIZ) im Kommando Heer in Strausberg.

Ein Soldat steht mit einer Unterlagenmappe im Arm neben einem Baum.

Leutnant Sandro Schilder arbeitet als Pressebegleitoffizier im Kommando Heer in Strausberg.

Bundeswehr/Marco Dorow

Wie sieht der Alltag eines Pressebegleitoffiziers aus?

Leutnant Schilder: In meinem Alltag betreue ich Presseprojekte im Deutschen Heer. Das sind unter anderem Termine, bei denen sich Journalistinnen und Journalisten vor Ort ein Bild von der täglichen Arbeit der Truppe machen können. Dabei begleite ich die Medienvertreter während des Geschehens. Es ist mein Ziel, ihre Wünsche zu erfüllen und sie direkt in Kontakt mit unseren Soldatinnen und Soldaten zu bringen. So suche ich beispielsweise Gesprächspartner oder Experten, die zu ausgewählten Themen einen Einblick vermitteln können. Nicht nur kurzfristige, sondern auch langfristige Projekte, wie etwa die mediale Begleitung eines Soldaten, der in den Auslandseinsatz geht, gehören zu meiner Arbeit. Dabei stehe ich meinen Kameradinnen und Kameraden als Berater zur Seite, damit am Ende alle Seiten zufrieden mit dem Produkt sind.

Wie läuft ein Presseprojekt ab?

Neun Soldaten und zwei Journalisten stehen neben Panzern auf dem Übungsplatz.

Die Truppe hat interessante Geschichten zu bieten. Leutnant Sandro Schilder sorgt dafür, dass die Journalisten Gelegenheit bekommen, sie von den Soldaten zu hören.

Bundeswehr/Dirk Degenhardt

Ich nehme mal als ein Beispiel den Besuch unserer Verteidigungsministerin im vergangenen Jahr im Saarland. Sie hatte sich für einen Informationsbesuch bei der Truppe angekündigt. Unsere Aufgabe im Referat Presse war es, diesen Termin medial vorzubereiten. Das Referat Presse ist ein Teil unseres PIZ in der obersten Kommandobehörde des Heeres in Strausberg.

Wir sind zunächst mit einem Team ins Saarland gefahren, um den Truppenbesuch vorzubereiten. Hier haben wir Vorgespräche mit den Soldaten an den einzelnen Stationen geführt, die die Ministerin, gemeinsam mit den Vertretern der Presse, besuchen wollte. Der Ablauf war dann, wie er häufig ist: Wir bereiten eine Pressemappe vor. Darin wird alles zusammengetragen, was Journalisten benötigen, um ihren Besuch bei der Truppe zu planen – ein Ablaufplan, Hintergrundmaterial und Lebensläufe. Am Tag des Besuchs nehmen wir morgens die Journalisten in Empfang und erläutern das Tagesprogramm und was die Journalisten an den einzelnen Stationen erwartet. Dieser Teil des Briefings ist beispielsweise für Fotografen und Kamerateams wichtig. So wissen sie, welche Ausrüstung sie mitnehmen müssen. Auch können sie sich innerlich auf bestimmte Punkte vorbereiten, von denen sie aus dann filmen oder fotografieren. Im Anschluss daran fahren wir mit den Journalisten, parallel zum Programm der Ministerin, die Stationen ab, sodass die Journalisten die Gelegenheit haben, ihre Bild- und Tonberichterstattung machen zu können. Als Pressebetreuer bieten wir insgesamt eine Rundumbetreuung für Journalisten an, beantworten Fragen am Rande des Programms und vermitteln Gesprächspartner.

Die Ministerin begleiten, Fragen von Journalisten beantworten, deren Berichterstattung ermöglichen und Wünsche erfüllen. Was braucht man für diesen Beruf?

Ein Soldat sitzt an seinem Schreibtisch in seinem Dienstzimmer. Vor ihm stehen zwei Bildschirme und ein Laptop

Leutnant Sandro Schilder ist seit drei Jahren Presseoffizier. Er und seine Kameraden im Pressezentrum sind das Bindeglied zwischen der Öffentlichkeit und der Truppe.

Bundeswehr/Marco Dorow

Man braucht eine gewisse Gelassenheit und Weitblick. Man muss den Bundeswehrjargon in die zivile Sprache übersetzen können oder auch mal umgekehrt. Ich verstehe mich als ein Bindeglied zwischen der Bundeswehr und dem zivilen Leben. Am Ende möchte ich dazu beitragen, nicht nur einen Informationsaustausch zu gewährleisten, sondern auch den Beruf des Soldaten und seinen Alltag den Menschen näherzubringen. Vor allem möchte ich zeigen, was meine Kameradinnen und Kameraden in der Truppe täglich leisten. Das ist eine spannende Aufgabe, die macht mir absolut Spaß. Man weiß nie, was jeden Tag so auf einen zukommt. Jeder Tag ist anders in der Pressearbeit.

Aber Sie sind ja kein Einzelkämpfer …

Am Rande eines Übungsplatzes: Zwei Soldaten stehen vor einem weißen Bus, um sie herum Journalisten mit und ohne Kameras.

Pressevertreter und Pressepersonal der Bundeswehr pflegen ein vertrauensvolles Verhältnis.

Bundeswehr/Dirk Degenhardt

Nein, natürlich nicht. Netzwerken ist ganz wichtig. Wir als Presseoffiziere kommen ja meistens von außen in die Truppe, die wiederum eine feste Gemeinschaft bildet. Wir müssen den Soldaten bei unseren Besuchen zeigen, dass sie uns vertrauen können. Wir sind natürlich nicht nur als Presseteam hier in Strausberg tätig, sondern unternehmen selbst Dienstreisen. Wir pflegen einen engen Kontakt zum Pressefachpersonal in den einzelnen Standorten der Brigaden und Bataillone. Das ist unser internes Netzwerk der Öffentlichkeitsarbeiter im Heer. Wir arbeiten Hand in Hand zusammen und da ist es wichtig, dass man sich vertraut. Und die Medienvertreter im zivilen Leben wiederum vertrauen darauf, dass ich sie mit den korrekten Zahlen und Fakten versorge.

Hinzukommt, dass alle Bereiche im PIZ an einem Strang ziehen. Davon profitiert nicht nur das Referat Presse, in dem ich eingesetzt bin, sondern auch die Kameraden aus dem Referat Medien. Sie begleiten selbst die Truppe medial bei ihren Übungen und Einsätzen. Sie schreiben Artikel, liefern Fotos und Videos. Dabei gibt es immer wieder Schnittmengen und wir unterstützen uns gegenseitig, um am Ende ein professionelles Ergebnis zu erzielen.

Wie sind Sie Presseoffizier geworden?

Ein Soldat steht neben drei Journalisten am Rande eines Übungsplatzes.

Als Pressebegleitoffizier ist Leutnant Sandro Schilder (2. v. r.) Ansprechpartner für alle Journalisten, hier bei der Informationslehrübung des Heeres 2019.

Bundeswehr/Dirk Degenhardt

Als einer von vier Presseoffizieren bin ich für den Bereich Pressebegleitung zuständig und arbeite seit Oktober 2017 im PIZ des Heeres in Strausberg. Ich bin Fachdienstoffizier und Laufbahnwechsler, sprich ich habe vorher etwas anderes in meiner militärischen Laufbahn gemacht. Seit 1988 bin ich Soldat, war noch kurze Zeit in der NVANationale Volksarmee eingesetzt und diente bis Ende 2001 dann in der Bundeswehr, unter anderem in der Panzergrenadiertruppe.

Zwischen 2001 bis 2015 war ich im zivilen Leben tätig, blieb jedoch aktiver Reservist, unter anderem im Kreisverbindungskommando Märkisch-Oderland. Mein Thema war der Katastrophenschutz. Als Portepeeunteroffizier habe ich später auch anderthalb Jahre in der Büroleitung des Inspekteurs des Heeres gearbeitet und wollte dann gerne Offizier werden. Für mich war das ein lang gehegter Wunsch, der in Erfüllung ging und den ich bis heute nicht bereue.

von Peter Müller

mehr lesen