Heer

Wenn der Rechtsberater in den Einsatz geht

Wenn der Rechtsberater in den Einsatz geht

  • Einsatzvorbereitung
  • Heer
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
3 MIN

Vom Rechtsberater zum „Mini-Soldaten“… Sechs Wochen trainieren 32 zivile Mitarbeiter der Bundeswehr für ihren Auslandseinsatz am Vereinte Nationen Ausbildungszentrum in Hammelburg. Während der Allgemeinen Soldatischen Grundausbildung, kurz ASA II, vermitteln Infanteristen militärische Grundfähigkeiten.

Soldaten stehen in einer Stellung mit Waffen nebeneinander und schießen. Rauch steigt auf dem Feld auf, das vor ihnen liegt.

Während des Gefechtsschießens bekämpfen die zivilen Angestellten der Bundeswehr aus ihren Stellungen den näherkommenden Feind.

Bundeswehr/Maximilian Schulz


Schrill kreischt der Ton der Sirene durch die Gebäude. Die Lautsprecher-Stimme warnt eindringlich: „Achtung, feindliche Schüsse auf das Feldlager … Dies ist keine Übung … feindliche Schüsse auf das Feldlager.“ Kurze Zeit später stehen Uniformierte in ihren befohlenen Stellungen. Führen den Feuerkampf gegen den angreifenden Feind.

Vier Soldaten stehen hinter einer Hauswand in Deckung.

Die zivilen Angestellten der Bundeswehr lernen auf der Schießbahn in Hammelburg das taktische Vorgehen während eines Gefechtsschießens.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Der Angriff auf das Feldlager beschreibt ein Worst-Case-Szenario in einem Einsatz, auf den Soldaten bereits in Deutschland vorbereitet werden. Das VNVereinte Nationen-Ausbildungszentrum übernimmt dabei die zentrale Rolle in der Einsatzvorausbildung. Doch auf den bayerischen Schießbahnen werden zuweilen auch zivile Angestellte und Beamte der Bundeswehr fit für den Auslandseinsatz gemacht. Eine Grundausbildung kann das natürlich nicht ersetzen.

Bunt gemischtes Klientel

„Sechs Mal im Jahr führen wir die ASA II für die zivilen Angestellten der Bundeswehr durch. Innerhalb weniger Wochen erlangen die Teilnehmer wesentliche soldatische Grundfertigkeiten“, erklärt Hauptmann Ben Müller*, Hörsaalleiter der ASA. Für die Infanteristen der Unterstützungskompanie ist neben der knappen Ausbildungszeit auch die bunt gemischte Klientel des Hörsaals eine Herausforderung. Die zivilen Teilnehmer eint meist nur die Uniform. Ansonsten unterscheiden sie sich nicht nur in Alter und Geschlecht, sondern auch in ihrem Beruf, ihrer Funktion und der militärischen Erfahrung. „Die Teilnehmer der ASA könnten unterschiedlicher nicht sein. Vom Anfang 20-Jährigen bis zum Anfang 60-Jährigen reicht die Altersspanne. Vom Feldpostbeamten, über die Truppenpsychologin bis hin zum Rechtsberater, dem Mitarbeiter des Baubüros oder der Beauftragten für den Haushalt ist der Personalmix groß“, macht Müller deutlich.

Ein stark blutender Soldat liegt am Boden, während zwei Soldaten die blutende Wunde stillen.

Die zivilen Angestellten lernen in der Allgemeinen Soldatischen Ausbildung II, wie sie einem Verwundeten erstversorgen müssen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Nerven behalten in Extremsituationen

Dass die Teilnehmer über unterschiedliches Vorwissen verfügen, wird besonders in den dynamischen Übungen deutlich. Die Bekämpfung eines Innentäters im Camp und der Anschlag eines Selbstmordattentäters verlangen den zivilen Mitarbeitern einiges ab. „Es ist wirklich schwierig, in so einer Extremsituation die Nerven zu behalten. Ich merke aber, dass mein Handeln nach jeder Übung sicherer wird, vor allem, was die Erstversorgung von einem Verwundeten angeht“, sagt Tim Büchner*. Er ist Elektroniker im Bundeswehrdienstleistungszentrum und wird in wenigen Wochen in den Auslandseinsatz nach Mali verlegen. Auf seinen Schultern sieht man jetzt den Feldwebel-Dienstgrad. Diesen Rang bekleidet er während des Einsatzes.

Neben der Erstversorgung von Verwundeten, Grundlagen im Bereich Counter IEDImprovised Explosive Device, also Abwehr von improvisierten Sprengfallen, und taktischen Verhaltensweisen werden die Zivilisten auch an den Handwaffen Gewehr G36 und Pistole P8 ausgebildet. „Während des Gruppengefechtsschießens müssen die Teilnehmer das Wissen der letzten Wochen anwenden. Dies ist herausfordernd und bedarf hoher Konzentration, da in der Hektik und im Stress schnell Fehler gemacht werden können“, erklärt Hauptfeldwebel Uwe Huber*, Ausbilder und Sicherheitsoffizier der ASA II.

Ein Soldat seilt sich aus einem Fenster ab.

Ihre physische und psychische Fitness stellen die zivilen Bundeswehrangestellten auf der Ortskampfbahn in Hammelburg unter Beweis.

Bundeswehr/Maximilian Schulz


Selbstüberwindung in Bonnland

Am Ende der Einsatzvorausbildung erwartet die zivilen Angestellten noch eine besondere Schwierigkeit. Auf der bei Soldaten berühmt-berüchtigten Ortskampfanlage Bonnland, überwinden sie die Ortskampfbahn. „Dieses Highlight rundet nach sechs Wochen Ausbildung den sportlichen Anteil der Einsatzvorausbildung ab“, erklärt Müller. Die Ortskampfbahn ist ein Alleinstellungsmerkmal des Standortes in der Röhn und bringt selbst so manchen Soldaten schnell ins Schwitzen. Die Hürden und Hindernisse lassen sich nur mit einem Mix aus Kraft, Ausdauer, Technik und genügend Mut und Selbstüberwindung meistern. „Beim Überwinden der Höhenhindernisse sollte der Wille zum Überleben schon da sein“, sagt Huber schmunzelnd, während die Teilnehmer sich am Tau abseilen.

„Nur gemeinsam sind wir stark“

Ein Soldat seilt sich aus einem Fenster ab, einer unter ihm hilft dabei. Im Hintergrund stehen Soldaten nebeneinander.

Nacheinander müssen die Lehrgangsteilnehmenden die Ortskampfbahn in Hammelburg überwinden.

Bundeswehr/ Maximilian Schulz

Die ASA II ist der letzte militärische Ausbildungsabschnitt für die Lehrgangsteilnehmer, bevor sie in den Einsatz fliegen. „Ich bin sehr stolz auf den Hörsaal und die Leistung eines jeden Einzelnen. In den letzten Wochen haben die Frauen und Männer eine enorme Auffassungsgabe bewiesen und waren während der gesamten Zeit immer motiviert“, bilanziert Hauptmann Müller. Abschließend bedankt er sich bei seinen Soldaten. „Meine Unteroffiziere und Mannschaften haben während jeder Ausbildung eine wertvolle Arbeit geleistet, ohne die eine ASA II nicht möglich gewesen wäre. Die Soldaten bilden den Kern des Teams und gestalten die Ausbildung immer wieder aufs Neue“, sagt er anerkennend.

Getreu dem Motto „Nur gemeinsam sind wir stark“ meistern die Zivilisten am Ende auch die Ortskampfbahn. Als einzelne Lehrgangsteilnehmer haben sie vor sechs Wochen die ASA II in Hammelburg begonnen und als Kameraden beenden sie diese nun gemeinsam.

*Namen von der Redaktion geändert

von Elisabeth Rabe

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