Heer
Übung Celtic Thunder 2022

Zielsicher und multinational

Zielsicher und multinational

Datum:
Ort:
Idar-Oberstein
Lesedauer:
4 MIN

„Abgefeuert!“, dringt es leise aus den Kopfhörern der Funkgeräte. Die Besatzungen der Panzerhaubitzen melden, wenn die Geschosse die Rohre verlassen. Auf dem Truppenübungsplatz Baumholder trainieren die Soldatinnen und Soldaten des Artillerielehrbataillons 345 gemeinsam mit ihren niederländischen und belgischen Kameradinnen und Kameraden. Es ist der Auftakt der multinationalen Übung Celtic Thunder.

Eine Haubitze steht im offenen Gelände und feuert ein Geschoss ab.

Die Übung Celtic Thunder beginnt mit einem multinationalen Schießen unter niederländischer und belgischer Beteiligung. Fast 700 Soldaten trainieren gemeinsam.

Bundeswehr/Mario Bähr

Mehrere Sekunden vergehen nach dem Abschuss, bis die Granaten im zehn Kilometer entfernten Zielgebiet einschlagen. Dort steigt die Anspannung. Beobachter schauen konzentriert durch ihre taktischen Zielgeräte. Oberstleutnant Timo Kaufmann ist der Bataillonskommandeur. Mit scharfem Auge verfolgt er, wie effektiv und präzise seine Soldaten arbeiten. „Wir bilden mit dieser Übung, mit diesem Schießen, einen Abholpunkt, an dem wir in die Stand-by-Phase übergehen“, beschreibt Kaufmann. Sein Bataillon wird mit den Artilleristen der Partnernationen zum multinationales Artilleriebataillon für die Very High Readiness Joint Task Force, die Schnelle Eingreiftruppe der NATO. Mit dieser Übung Celtic Thunder schließen die Soldaten zum Jahresende die Stand-up-Phase der NATO-Bereitschaft ab und wechseln 2023 in den Stand-by-Modus. Diese verpflichtet das multinationale Bataillon zu sehr kurzen Abmarschbereitschaften im Falle einer Alarmierung durch die NATO.

„Die Artillerie ist in ihrem Einsatz sehr komplex. Viele, sehr viele Faktoren greifen ineinander und müssen, gerade mit Blick auf die Verknüpfung mit unseren multinationalen Partnern, immer wieder geübt werden“, macht Kaufmann zu Beginn von Celtic Thunder klar.

SMArt in jeder Hinsicht

Für die zehn Kilometer Entfernung aus den Stellungsräumen der Panzerhaubitze 2000 bis zum Zielgebiet benötigen die Geschosse der Panzerhaubitzen mehrere Sekunden Flugzeit. Bis es aber soweit ist, bis ein Feuerkommando ausgelöst wird, greift ein komplexer Ablauf. Ein wichtiger Player in diesem Verfahren sind die Soldaten der Joint Fire Support Teams. Sie führen den Feuerkampf der Artillerie am Boden. Leutnant Maik E. leitet ein Joint Fire Support Team bei Celtic Thunder. Bis ein solches Feuerkommando ausgelöst wird, haben er und seine Soldaten mehrere entscheidende Aufgaben. „Das Beobachten der Einschläge im Zielgebiet und das Bewerten der Wirkung der eingesetzten Munition im Ziel ist eine unserer Hauptaufgaben“, erklärt der junge Leutnant. Auch bei dieser Übung kommt dem Beobachten der Einschläge eine enorme Bedeutung zu. „Wir setzen hier bei Celtic Thunder Munition in der Variante Suchzünder-Munition Artillerie (SMArt) ein“, erklärt er. Gerade bei der Verwendung dieser Munition sei das Beobachten der Zielwirkung enorm wichtig. Diese Munition entspricht dem NATO-Standard und wird so von vielen Nationen genutzt.

Wirkung und Präzision auf hohem Niveau

Am Himmel stößt Munition weitere Munition aus

Beim Gefechtsschießen setzen die Artilleristen die Suchzünder-Munition Artillerie ein. Die SMArt-Munition sucht sich ihr Ziel selbst.

Bundeswehr/Mario Bähr

Mit dem Funkspruch aus den Haubitzen „Abgefeuert!“ steigt bei dem Leutnant und seinen Soldaten die Konzentration, denn diese SMArt-Munition hat im Ziel eine ganz bestimmte Wirkung. Von der Beobachtungsstelle der Joint Fire Soldaten bis zum Zielgebiet sind es immerhin noch 4.000 Meter. Nur mit technischen Systemen und präzisen Zieloptiken können die Soldaten entsprechende Aussagen über die Wirkung im Ziel machen. Der junge Offizier beschreibt die Wirkung dieser Munition. „Noch weit oben in der Luft, über dem Ziel, stößt die SMArt-Munition zwei sogenannte Submunitionen aus. Diese sinken verlangsamt am Fallschirm weiter zu Boden und tasten mit ihren Sensoren das Gelände ab.“

Die Sensorik dieser Munition ist in der Lage, auch schnell fahrende Gefechtsfahrzeuge zu erkennen und den Gefechtskopf der Suchzünder-Munition zu aktivieren. Vergleichbar mit der Wirkung einer verkleinerten Panzerfaust durchschlägt diese Munition Panzerstahl und sogar reaktiv angelegte Panzerungen. „Mit dieser Munition bekämpfen wir stehende oder auch fahrende Ziele in jeder Umgebung und bei jeder Witterung, egal, ob diese leicht oder auch stark gepanzert sind.“ Nur Sekunden nach der Meldung „Abgefeuert!“ erkennen die Joint Fire Soldaten im Luftraum über den Zielen den Ausstoß der Submunition, nur ein paar Sekunden später durchschlagen die Gefechtsköpfe der Submunition die gepanzerten Ziele. Der Führer der Joint Fire Support Teams meldet an den Gefechtsstand: „Ziele zerschlagen!“

Alles sehen, alles wissen

Die Übung Celtic Thunder ist mehr noch als der präzise Einsatz der Haubitzen oder Raketenwerfer. Jedes Feuerkommando beginnt mit einer Forderung nach Waffenwirkung. Das bedeutet, dass jedem Einsatz ein klar definiertes Ziel zugrunde liegt. Leutnant Jonas B. ist Zugführer, er setzt mit seinen Soldaten das Kleinfluggerät für Zielortung (KZOKleinfluggerät für Zielortung) ein. „Das ist ein kleines, unbemanntes, fliegendes Aufklärungssystem. Zielgenau und schnell unterstützen wir damit den Einsatz unserer Artilleriewaffen“, beschreibt er. Auf dem höchsten Punkt des Übungsplatzes Baumholder ist er mit seinem Drohnenzug untergezogen. Mit den 25 Soldaten liefert er rund um die Uhr Informationen aus der Luft. „Im Kern stellen wir in drei wichtigen Bereichen Informationen zur militärischen Planung bereit. Wir wissen, wo sich der Gegner mit seinen Kräften aufhält und werten die Luftbilder dazu aus. Wir können exakte Zielmeldungen für den Einsatz der Geschütze liefern und beobachten natürlich auch die Wirkung der Geschosse im Zielgebiet.“

Der Drohnenzug ist so in der Lage, zu jeder Tageszeit und unter nahezu allen Witterungsbedingungen eine schnelle, weitgefasste und unterbrochene Zielaufklärung zu betreiben. Die drei Soldaten der Bodenkontrollstation – der Navigator, der Kommandant und der Luftbildauswerter – steuern den Flug und werten sofort die gelieferten Videodaten der Drohne aus.

Mit dem erfolgreichen Einsatz der Geschütze auf dem Truppenübungsplatz Baumholder ist die Übung Celtic Thunder noch nicht vorbei. Kommandeur Kaufmann hat am Wochenende den Befehl für den freilaufenden Anteil der Übung erteilt. Dieser Ansatz fordert die multinationalen Artilleristen auf eine ganz neue Art und Weise. Alle Soldaten bereiten sich auf eine weitere sehr fordernde Woche vor.

von René Hinz

Video: Panzerhaubitze 2000 in Aktion

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Feuerstark, flexibel und präzise – das ist die Artillerietruppe auch dank ihrer Panzerhaubitze 2000. Mit ihr beweist ein multinationales Team auf dem Truppenübungsplatz Baumholder erneut Leistungsfähigkeit.

Die Artillerie bei Celtic Thunder

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