Landeskommando NRW probt Katastrophenszenarien
In einer großangelegten Übung trainierten Verbindungskommandos in ganz Nordrhein-Westfalen die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und THW – …
Während der zweiwöchigen Übung Schulterschluss 2025 haben Soldatinnen und Soldaten des schweren Pionierbataillons 901 gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und der Feuerwehr für den Katastrophenfall trainiert. Auf dem Wasserübungsplatz Nitzow bauten sie unter anderem eine Behelfsbrücke – ein Beispiel gelungener zivil-militärischer Zusammenarbeit.
Hand in Hand: Helfer des THW und Bundeswehrsoldaten bauen gemeinsam eine Behelfsbrücke aus Stahlelementen auf
Bundeswehr/Christian BohmMit der Übung Schulterschluss in Sachsen-Anhalt sollten die Abläufe im Fall der Katastrophen- und Amtshilfe insbesondere durch die Reserve der Bundeswehr geübt werden. Denn was passiert, wenn Unwetter, wie zuletzt 2021 im Ahrtal, Bauwerkschäden verursachen, oder gar Brücken weggespült werden? Dann ist die Zusammenarbeit verschiedener ziviler und militärischer Organisationen gefragt. Sollten im Katastrophenfall Kräfte des THW von einer Brückenbaustelle abgezogen werden, könnten Pioniere künftig die Fertigstellung sicherstellen.
Beteiligt waren an der Übung insgesamt mehr als 200 Helferinnen und Helfer des THW, 60 Soldatinnen und Soldaten im Reservistendienst vom schweren Pionierbataillon 901 aus Havelberg sowie etwa 20 ehrenamtliche Feuerwehrleute.
Mit Unterstützung der Autobahn GmbH wurden die Soldatinnen und Soldaten für den Bau einer sogenannten D-Brücke vom THW-Ausbildungszentrum Hoya ausgebildet. Eine D-Brücke ist eine transportable, aus vormontierten Einzelbaukomponenten zusammensetzbare Not- oder Behelfsbrücke, die auch für den Dauerbetrieb geeignet ist. Dabei stellten die Brückenbaugruppen des THW einen Großteil der Teilnehmenden und die nötige Technik zum Aufbau. Technik, die das THW zur Aufgabenerfüllung im Katastrophenschutz besitzt.
Dazu erklärte der Kommandeur des schweren Pionierbataillons 901, Oberstleutnant der Reserve Robert Thiele: „Die Übung mit THW und Autobahn GmbH ist ein Beispiel dafür, wie zivil-militärische Zusammenarbeit heute gedacht werden muss: praxisnah, wechselseitig und mit Blick auf künftige Fähigkeiten. Das Training am D-Brückengerät erlaubt uns, eine bestehende Lücke zu schließen und zugleich Know-how aufzubauen, bis eigene Systeme verfügbar sind. Damit erhöhen wir schon jetzt den Einsatzwert unseres Bataillons im rückwärtigen Raum einer Division – ein entscheidender Beitrag in einer Bundeswehr, die sich im Umbruch befindet.“
Eine D-Brücke erreicht beim Vorschub über das Gewässer die Lagerrollen auf der anderen Uferseite. Experten vom THW beobachten und kontrollieren den Arbeitsschritt.
Bundeswehr/Christian Bohm
Unter dem Motto „Havelsprung“ bauten die Pioniere des Heeres mit den Helfern vom THW einen Schützenschwimmsteg auf. Der Steg liegt auf zahlreichen schmalen Booten auf, die an einem Stahlseil befestigt sind und so gehalten werden.
Bundeswehr/Christian BohmDie Teilnehmenden bauten auch einen Schützenschwimmsteg als behelfsmäßiges Übergangsmittel, beschäftigten sich mit verschiedenen Arten von Flößen und übten den Umgang mit Schlauchbooten.
Ein weiterer Höhepunkt der gemeinsamen Übung war das Multitrainingscamp von THW, Feuerwehr, Bundeswehr und Autobahn GmbH. Hier wurden innerhalb von drei Tagen zwölf verschiedene Ausbildungen angeboten, darunter der Umgang mit Geländestaplern, Motorsägen und Kranen. Auch die Weiterbildung zum Fahren im unwegsamen Gelände mit integrierter Bergeausbildung war sehr wertvoll. Die örtlichen Gegebenheiten des Standortübungsplatzes erwiesen sich als hervorragend, um Geländeerfahrung zu sammeln und die Handlungssicherheit zu erhöhen.
Diese gelebte Kooperation der verschiedenen Institutionen stärkte das gegenseitige Vertrauen. Denn die Erfahrungen, die im Übungsbetrieb in einem sicheren Umfeld gesammelt werden, sind nützlich, um später im Einsatz nach einem Katastrophenfall erfolgreich bestehen zu können.
von Christian Bohm