Ein Ökosystem kommt wieder ins Gleichgewicht

Ein Ökosystem kommt wieder ins Gleichgewicht

  • Umweltschutz
  • IUD
Datum:
Ort:
Meppen
Lesedauer:
4 MIN

Der Moorbrand auf dem Gelände der WTDWehrtechnische Dienststelle 91 in Meppen im Herbst 2018 wirkt bis heute auf das Ökosystem des Moors. Die Bundeswehr kommt ihrer Verantwortung für die durch den Brand entstandenen Umweltschäden im Moor mit vielfältigen Maßnahmen nach.

Sicht auf die Moorlandschaft in Meppen, im Hintergrund dampfende Mooroberfläche

Moorbrand 2018 - die vom Brand betroffene Fläche lässt sich erahnen

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Das durch den Brand geschädigte Moor liegt ausschließlich auf dem von der Bundeswehr genutzten Gelände der WTDWehrtechnische Dienststelle 91. Somit obliegt es der Bundeswehr, dem schützenswerten Moorgebiet wieder zu einem ökologischen Gleichgewicht zu verhelfen. In Sachen Naturschutz kann die Bundeswehr auf eigene Experten aus dem Organisationsbereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (IUDInfrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen) zurückgreifen. Hier ist das Thema Umweltschutz, den die Bundeswehr seit 50 Jahren praktiziert, beheimatet. Bei der Aufarbeitung der Umweltschäden durch den Moorbrand agiert die Bundeswehr aber nicht allein, sie steht in engem Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland. Alle Maßnahmen des Naturschutzes wurden und werden in einem Arbeitskreis aufgenommen und abgestimmt.

Wasserschläuche auf nasser Mooroberfläche, die Löschwasser transportieren

Löscharbeiten auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTDWehrtechnische Dienststelle 91) während des Moorbrandes.

Bundeswehr/Marcus Rott

Monitoring für Lebensraumtypen

Zentrale Grundlage für die Wiederherstellung der Schutzgüter des Moors ist dabei das auf zehn Jahre Laufzeit angelegte Monitoring der Lebensraumtypen auf der Fläche des Moorbrands. Bei dem Monitoring wird regelmäßig der Zu- und Bestand von Pflanzen und Tieren sowie deren Gemeinschaften zur Bestimmung der Umweltqualität beobachtet, überwacht und gemessen. Um mit der Natur und ihrer fragilen Pflanzenwelt des Moors aber zusammen zu arbeiten bedarf es vor allem Geduld, auch das geht aus den Daten des Monitorings für die Vegetationsperioden 2019 und 2020 hervor. Im Moor dauert alles seine Zeit. Beispielsweise ist das langsame Wachstum der Torfmoose ein limitierender ökologischer Faktor. Diese Moose bilden den Torf und somit die Grundlage für das Ökosystem Moor.

Moorböden wichtig für das Klima

Moorböden sind klimatisch insoweit bedeutsam, als dass sie aktive Kohlenstoffspeicher sind. „In einem Hektar Moor mit einer 15 Zentimeter dicken Torfschicht findet sich in etwa soviel Kohlenstoff wie in 100jährigem Wald auf gleicher Fläche.“1 Zudem wirken sie über Verdunstung kühlend auf das Klima in ihrer Umgebung. Diese klimatische Funktion kann ein Moor nur erfüllen, wenn es ökologisch intakt und der Moorboden ausreichend feucht ist. Durch Wiedervernässungsmaßnahmen kann das Ökosystem wieder ins Gleichgewicht kommen, also ausreichend Wasser aufnehmen um trockene Perioden zu überstehen und damit als CO2Kohlendioxid Speicher funktionieren.

Aus perforierten Schläuchen gelangen großflächige Wassenfontainen auf das Moor

Mithilfe von Düsenschläuchen wurde Löschwasser ins Moor gebracht - mit unterschiedlichen Folgen für das Ökosystem

Bundeswehr/Marcus Rott

Gerade durch die militärische Nutzung konnte das Moor in Meppen erhalten werden und wurde, im Gegensatz zu den umliegenden Moorflächen der Liegenschaft, nicht in Ackerland umgewandelt.

Auftrag: Wasser ins Moor

Die Bundeswehr ist sich bewusst, dass sie für das Ökosystem Moor auf ihrem Gelände eine besondere Verantwortung trägt. Deshalb hat sie mit der Wiedervernässung, insbesondere der zentralen Moorbereiche, begonnen. Dies ist sowohl Grundlage der naturschutzfachlichen Wiederherstellung des Ökosystems, als auch, im Falle der Besonderheit des Erprobungsgeländes der WTDWehrtechnische Dienststelle 91, ein Baustein des präventiven Brandschutzes.

Luftaufnahme eines wasserführenden Kanals auf einer kargen Moorfläche

Drohnenaufnahme von wasserführendem Moorkanal auf dem Gelände der WTDWehrtechnische Dienststelle 91

Bundeswehr/WTD 91

Bereits jetzt ist die Vernässung eines rund 100 Hektar großen Komplexes nördlich der Tinner Dose abgeschlossen. Ein sogenanntes Niedermoor nördlich der Tinner Dose wird durch Einstau der Lathener Beeke vernässt und ökologisch ertüchtigt. Durch die Vernässung entstehen auf dem Erprobungsplatz der WTDWehrtechnische Dienststelle neue wertvolle Biotope.

Pflege des Moors – mit hochmoderner Technik

Auf den Flächen des Brandes wachsen nun Pflanzen, die nicht in die typische Vegetation eines Moors gehören. Zum einen wurden sie durch das transportierte Löschwasser „eingeschleppt“, zum anderen finden sie auf der jetzt veränderten Mooroberfläche Halt. Diese Kleingehölze müssen entfernt werden, um das Ökosystem des Moors zu erhalten, allerdings natürlich ohne Leib und Leben der Geländebetreuer des für die Pflege des Geländes zuständigen Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Leer zu gefährden. Deswegen werden diese Flächen unter anderem mit Hilfe von Drohnen in einem innovativen Verfahren nach Munitionsresten abgesucht.

Die neue ferngesteuerte Mähraupe des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums (BwDLZBundeswehr-Dienstleistungszentrum) Leer, wird bei der Wehrtechnischen Dienststelle (WTDWehrtechnische Dienststelle) 91 in Meppen eigensetzt. Das Kettenfahrzeug befreit das Gelände von jungen Sträuchern und Bäumen, sowie hohem Gras.
Transkription des Videos

Darüber hinaus hat die Bundeswehr Spezialgeräte für die Landschaftspflege auf dem Moor beschafft: Explosionsgeschützt und moorgängig, denn herkömmliche Fahrzeuge würden auf dem weichen Untergrund einfach einsinken. Zum Beispiel der MulchRob oder die Mini-Mähraupe.

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Der Mulchrob wurde für die Arbeit auf Moorgelände konzipiert

Bundeswehr/Marcus Rott

Knapp 10 Millionen Euro hat die Bundeswehr bislang investiert, damit sich ein Ereignis wie der Moorbrand nicht wiederholt. Unter anderem drei Spezialbagger mit besonderen Ketten, die das Moor schonen und zwei neue ferngesteuerte Moorraupen wurden beschafft, um schnell und umweltfreundlich im Moor arbeiten zu können. Zwei weitere Moorraupen, die Kleingehölze aus dem Moor entfernen sollen, stehen kurz vor der Auslieferung. Auch die Infrastruktur wurde verbessert. So erleichtern im Fall eines Falles 19 neue Löschbrunnen der Feuerwehr die Arbeit erheblich. In Kürze sollen auch zwei zusätzliche Löschraupen die bereits vorhandenen zwei moorgängigen Feuerwehrfahrzeuge ergänzen.

Ein neuer Moorbagger für die WTDWehrtechnische Dienststelle 91 mit ganz besonderen Fähigkeiten: Spezielle Ketten machen den Bagger im Moor nahezu unsinkbar. Eine geschützte Kabine sorgt für Sicherheit beim Bergen der Blindgänger auf dem Schießplatz. Sobald die Gefahr für das Personal zu groß wird, kann der Moorbagger aus einem bis zu 1.500 m entfernten Spezialcontainer ferngesteuert werden. Alle Fähigkeiten erklärt das Video.
Transkription des Videos

Manche Schäden auf dem Gelände der WTDWehrtechnische Dienststelle, die durch die Brandbekämpfung entstanden sind, konnten auch schnell behoben werden: Um die schweren Fahrzeuge der Feuerwehren so nah wie möglich an den Brandherd heranfahren zu lassen, wurden beispielsweise einige Feld- und Waldwege „aufgeschottert“. Der so temporär entstandene stabilere Untergrund ist längst wieder abgetragen, die Wege sind in ihrem ursprünglichen Zustand, die so genannte Notschotterung verursachte keine erheblichen Beeinträchtigungen.

Prävention

Bei den Strukturen und Prozessen hat sich ebenfalls einiges getan: Die Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition (WTDWehrtechnische Dienststelle 91) hat einen neuen Notfallstab eingerichtet. Dieser Stab kann mit aus dem neuen hochmodernen Lagezentrum der WTDWehrtechnische Dienststelle 91 heraus innerhalb weniger Minuten die Leitung eines komplexen Einsatzes übernehmen. So kann wesentlich schneller auf Notlagen reagiert werden. In mehreren Übungen und Ausbildungen, unter anderem mit dem THW, dem Landkreis Emsland und der Feuerwehr, wurden außerdem neue Verfahren eingeübt, damit die Zusammenarbeit künftig reibungsloser funktioniert.

1 Quelle : NABU (Naturschutzbund Deutschland) „Die unterschätzten Klimaschützer - Moore als Kohlenstoffspeicher“

von Gabriele Drebenstedt
Die Website www.bmvg.de in einem Smartphone, im Hintergrund ein Notebook.

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Aktuelles aus dem Organisationsbereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (IUDInfrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen) der Bundeswehr.