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Aus zwei mach eins. Laage und Wittmund fliegen ab sofort gemeinsam.

Aus zwei mach eins. Laage und Wittmund fliegen ab sofort gemeinsam.

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Datum:
Ort:
Laage
Lesedauer:
3 MIN

Über Rostock wird es künftig noch ein bisschen lauter. Ist südlich der deutschen Küstenstadt ohnehin schon das Taktische Luftwaffengeschwader (TLG) 73 „Steinhoff“ stationiert, das mit 25 Flugzeugen die Ausbildung der deutschen und österreichischen Eurofighter-Piloten durchführt, bekommt es nun weiteren Zuwachs. 19 Kampfjets des Schwesterverbandes „Richthofen“ aus Wittmund ziehen vorübergehend mit auf den Platz in Laage.

Ein Eurofighter hebt auf einer Start- und Landebahn ab

Synergie zwischen Ausbildung, Übung und realem Auftrag – die Wittmunder Alarmrotte startet für die nächsten Jahre vom Fliegerhorst Laage

Bundeswehr/Kevin Schrief

Tausche Charme der Sechziger gegen High-Tech

Da in Wittmund beim Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ in den kommenden Jahren einer der modernsten Flughäfen der NATO entsteht, müssen die Eurofighter den Weg für Planierraupen, Bagger und Radlader frei machen. Die Modernisierungsarbeiten am Standort Wittmund laufen bereits seit 2019. Der überwiegende Teil des Fliegerhorstes stammt aus den 1960er-Jahren, weshalb eine Sanierung in dieser Größenordnung notwendig ist.

Ein Eurofighter rollt aus einem Schelter. Neben ihm stehen zwei Soldaten.

Alarmstart! Ein Eurofighter auf dem Weg zur Start- und Landebahn – dem Piloten bleiben nur wenige Minuten, bis er in der Luft sein muss

Bundeswehr/Kevin Schrief

Ab Februar dieses Jahres ist dann die Start- und Landebahn an der Reihe – daher der Umzug nach Rostock/Laage. Flugbetrieb ist bei laufenden Arbeiten dieses Ausmaßes unmöglich: Rollwege werden erneuert, Instandsetzungshallen auf den hochmodernen Standard des Eurofighters gebracht. Die Infrastruktur des Geschwaders kommt aus der Zeit, in der in Wittmund noch Kampfjets vom Typ F-4 Phantom stationiert waren. Jedes dieser Flugzeuge verfügte über jeweils einen einzigen Computer. Beim Eurofighter ist die Anzahl zweistellig. Demnach muss die Digitalisierung auch in die Wartungshallen Einzug halten, um der Eurofighter-Technologie gerecht zu werden.

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Vorzeigeflughafen in spe – modernster Platz der Luftwaffe entsteht

Auch der Tower zieht um: von der einen Seite der Runway auf die andere. Damit die Lotsen nicht von der Sonne geblendet werden, stehen Tower eigentlich mit einer Blickrichtung von Süden nach Norden an der Start- und Landebahn. In Wittmund war das bisher nicht so. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten, ist eine blinzelfreie Arbeit dann aber auch in Wittmund möglich. 2024 soll der Großteil der Arbeiten abgeschlossen und der Platz bereit für die Rückverlegung der Wittmunder sein.

Im 300 Kilometer entfernten Laage, beziehen die 19 Maschinen und mit ihnen etwa 240 Wittmunder Soldatinnen und Soldaten bis zum Ende der Sanierung Quartier. Um den familiären Belastungen entgegenzuwirken und die Wittmunder nicht ganz von ihrem Heimatverband zu trennen, haben die Geschwader eine Art Wechselschichtplan aufgestellt. Für die nächsten Jahre wechseln alle 14 Tage Piloten, Techniker und Logistiker.

Doch das ist nicht der einzige Auftrag, der auf die Wittmunder wartet. Ab diesem Jahr sind sie außerdem Haupttruppensteller für das Verstärkte Air Policing Baltikum (VAPB). Mit über 200 Soldatinnen und Soldaten und fast all ihren Maschinen, verlegen sie von Rostock aus für die einsatzgleiche Verpflichtung nach Ämari.

Ein Eurofighter steht im Schnee vor dem Tower der Airbase in Ämari, Estland

VAPB: neben dem Umzug auf den Platz des Schwestergeschwaders, bereitet sich das TLG 71 „R“ auch noch auf den Einsatz in Estland vor

Bundeswehr/Christian Timmig

Zwischen Ausbildung und Alarmstart, zwischen Schülern und Abfangjägern

Beschäftigt sich das TLG 73 „S“ vorzugsweise mit der Ausbildung der Pilotenschüler, steht das Wittmunder Geschwader unter dem Zeichen „QRAQuick Reaction Alert“. Die „Quick Reaction Alert“ sind die Abfangjäger des deutschen Luftraumes. Die Alarmrotte besteht aus zwei Eurofightern, die 24/7 an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit sind. Binnen kürzester Zeit können die Kampfjets aufsteigen und für Sicherheit im Luftraum sorgen. Notwendig ist ihr Einsatz beispielsweise bei der Kontaktaufnahme zu Passagierflugzeugen, die ihre Funkverbindung verloren haben. Die zweite Alarmrotte der Luftwaffe ist in Neuburg an der Donau stationiert.

Kaum sind die Wittmunder in Laage angekommen, fliegen sie von dort aus auch schon ihre ersten „Scrambles“. Der „Alpha-Scramble“ wäre der scharfe Einsatz, der „Tango-Scramble“ seine Generalprobe. Damit immer alles funktioniert, gehen die beiden Maschinen der Alarmrotte ein- bis zweimal täglich für einen „Tango-Scramble“ an den Start und trainieren, was sie nahezu im Schlaf können müssen.

Ein Soldat zieht sich in einer Umkleide eine olivgrüne Flieger-Kombi an

Der Alarmstart erfordert blind sitzende Handgriffe. In wenigen Minuten sitzen die Piloten komplett ausgerüstet und fertig zum Start in ihren Maschinen.

Bundeswehr/Sebastian Spindler


Kommodore treffen sich „on Air”

Oberst Walfried Ramspott, Kommodore des TLG 71 „R”, wird eine der letzten Maschinen der insgesamt 19, die überführt werden, nach Laage fliegen. Im Luftraum über Schleswig-Holstein wird er auf halber Strecke gen neue Heimat Oberst Joachim Kaschke, Kommodore des „Steinhoff“-Geschwaders, treffen. Mit dem gemeinsamen Übungsflug läuten die beiden Piloten ihre gemeinsame Zeit am Flugplatz nah der Ostseeküste und über Mecklenburg-Vorpommern ein.

Verlegung accomplished – Umzug beendet

Für die nächsten Jahre heißt es nun: Fähigkeiten bündeln und Synergien erzeugen, damit sowohl die Ausbildung des Pilotennachwuchses als auch die Sicherung des deutschen Flugraumes reibungslos und gemeinsam vom Fliegerhorst Laage aus erfolgt.

von Sandra Süßmuth

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