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Der Countdown für Évreux läuft

Der Countdown für Évreux läuft

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Datum:
Ort:
Evreux
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5 MIN

Im September 2021 nimmt die erste deutsch-französische Lufttransportstaffel ihren gemeinsamen Dienst auf. Daran haben auch die vielen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nichts geändert. Das Vorbereitungsteam in Orléans wächst, die Gebäude auf der Base aérienne 105 in Évreux ebenfalls und die Soldatinnen und Soldaten beider Länder arbeiten schon lange gemeinsam am Aufbau.

Eine französische C-130J landet auf der Prince Hassan Air Base im Nordosten Jordaniens.

Weltweit unterwegs: Wenn der deutsch-französische Transportverband seinen Dienst aufnimmt, übernimmt er neben nationalen Aufträgen unter anderem auch Lufttransporte, die das EATC European Air Transport Command koordiniert. Die C-130J kann auch auf einfachen Pisten landen

Armée de l'air/Etat Major des Armées/Sandra Auguste

Oberstleutnant Armin Braun war der Erste, der mit seiner Frau und den vier Kindern bereits im Juli 2019 nach Frankreich zog. Seitdem lebt und arbeitet er in Orléans. Er ist derzeit der Dienstälteste Deutsche Offizier für die künftige Staffel in Évreux. Auf der Base aérienne 123 in Orléans-Bricy wird die gemeinsame Zukunft vorbereitet. Hier in Orléans ist die Basis aller französischen A400M und auch die der Hercules C-130H, dem Vorgängermodell der Super Hercules C-130J. Bis zum Umzug nach Évreux sind auch die vier französischen Super-Hercules-Flugzeuge für die neue binationale Staffel in Orleáns stationiert. Später werden sie mit den sechs deutschen Maschinen dieses Typs das fliegerische Rückgrat des gemeinsamen Lufttransportverbands bilden.

Oberstleutnant Armin Braun steht mit dem französischen Technischen Offizier vor einer C-130J.

Gute Zusammenarbeit trotz Abstand in der Pandemie: Oberstleutnant Braun (l.), hier mit dem französischen Technischen Offizier, plant in Orléans gemeinsam mit deutschen und französischen Soldaten die Zukunft in Évreux.

Armée de l'Air et de l'Espace/Défense/Dimitri Chastan
Vor einer KC-130J stehen Oberstleutnant Braun und viele Angehörige des 62. Geschwaders der Armée de l‘air.

Die vier französischen Super-Hercules-Maschinen für die binationale Staffel stehen bereits in Orléans. Die letzte, eine KC-130J, wurde hier im Februar 2020 ausgeliefert.

Armée de l'air/Défense/Mathilde Défossez

Trotz Corona laufen die Bauarbeiten

In Évreux wurde am 17. September 2020 der Grundstein für die binationale Transportstaffel gelegt. Dort entsteht gerade der Hangar mit drei Plätzen für die Wartung und Instandhaltung der insgesamt zehn dazugehörigen Flugzeuge: fünf C-130J und fünf Tankerversionen KC-130J. Auch Unterkünfte und ein Staffelgebäude sind im Bau. „Das zurückliegende Jahr hätte turbulenter nicht sein können“, sagt Oberstleutnant Braun, „aber jetzt blicke ich gespannt und freudig auf das neue Jahr.“ Denn die Bauarbeiten sind im Zeitplan und alles wird wie geplant fertig sein.

Die deutsche und die französische Verteidigungsministerin legen gemeinsam den Grundstein in Évreux.

September 2020: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre französische Amtskollegin Florence Parly legen den Grundstein des künftigen Luftwaffenstützpunkts der binationalen Staffel auf der Base aérienne 105 in Évreux

Bundeswehr/Andrea Bienert
Das Luftbild zeigt die Baustelle mit dem Vorfeld, den Hangarplätzen und dem Staffelgebäude in Évreux.

Februar 2021: Die Bauarbeiten sind in vollem Gange: Hinter dem Vorfeld entsteht ein großer Hangarkomplex mit drei Plätzen, im Hintergrund das Staffelgebäude, das über eine Brücke mit den Hangars verbunden ist

Nicolas Thouvenin

Die Ersten ziehen im April nach Évreux

Derzeit sind bereits vier deutsche Soldaten in Orléans. Zudem haben im Oktober vergangenen Jahres die beiden ersten Luftwaffensoldaten in Bordeaux den Dienstaufgenommen. Sie vertreten, mittlerweile zu dritt, die deutschen Interessen in der dortigen französischen Kommandobehörde der französischen Luftwaffe. Im April werden die ersten Angehörigen vom sogenannten National Support Element direkt nach Évreux ziehen: 16 Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe sowie sieben zivile Angehörige der Bundeswehrverwaltung als Regionalservice der Bundeswehrverwaltungsstelle in Frankreich. Sie werden sich um das Personal, die militärische Sicherheit und die Organisation kümmern. Einige von ihnen kommen mit ihren Familien nach Frankreich und werden mehrere Jahre bleiben.

Im Moment geht es vorrangig darum, für alle eine Wohnung oder ein Haus zu finden. Die Wohnungsfürsorge der Bundeswehrverwaltungsstelle hat dafür Kontakt zu Agenturen vor Ort aufgenommen und die künftige Leiterin des Regionalservice, Ulrike Hertl, bereitet seit Januar in Fontainebleau und Évreux alles für die Ankunft vor. Die 30-Jährige bringt Erfahrungen aus sieben Auslandseinsätzen mit und freut sich auf ihre Arbeit in Frankreich. Schon seit September 2020 sorgt in Évreux Oberstabsfeldwebel Christopher Bickert als „Spieß“ dafür, dass alle, die hierher umziehen, wissen, wo sie Schulen für ihre Kinder, Wohnungen, Ärzte und alles, was sie brauchen, finden können. Als Mann vor Ort ist er auch ein wichtiger Ansprechpartner für die Bundeswehrverwaltungsstelle in Frankreich.

Oberstabsfeldwebel Bickert steht vor dem Rathaus in Évreux.

Enger Kontakt zwischen „Truppe“, „Verwaltung“ und Stadt: Oberstabsfeldwebel Bickert knüpft Kontakte zu allen wichtigen Ansprechpartnern vom Rathaus in Évreux aus

Thierry Bouffiés
Regierungsamtfrau Hertl steht auf der Base aérienne 105 vor einer Transall.

Regierungsamtfrau Hertl leitet künftig den Regionalservice der Bundeswehrverwaltungsstelle in Frankreich

Armée de l'Air et de l'Espace/Défense/Céline Ramelot

Spaß an der neuen Aufgabe

„Alle unsere Leute, die nach Frankreich kommen, haben sich freiwillig dafür entschieden“, betont Oberstleutnant Braun. „Sie sind motiviert und offen für Neues.“ Wer sein Leben und das seiner Familie für zwei bis sechs Jahre umkrempelt, sich auf eine neue Sprache und ein anderes Schulsystem einlässt, tut das, weil er das wirklich will und Spaß an neuen Aufgaben hat.

Einer von ihnen ist Major Thomas Limmer*. Der Pilot ist noch bis Mitte Mai in Little Rock in den USAUnited States of America, wo er auf der C-130J ausgebildet wird. Er plant, mindestens fünf Jahre in Frankreich zu bleiben. Sein jetzt zweijähriger Sohn soll hier in die Kita und zur Schule gehen, auch seine Frau will nach der Elternzeit arbeiten. „Wir haben uns schon bei der ersten Besichtigungsreise 2017 nach Évreux dafür entschieden“, erinnert sich der 35-Jährige. „Ich freue mich darauf, das Entstehen einer binationalen Staffel miterleben und mitgestalten zu dürfen. Das ist schön und spannend. Aber auch als Familie werden wir hier viele wertvolle Erfahrungen sammeln.“

Zwei Soldaten stehen an der U.S. Air Force Base in Little Rock vor einem Flugzeug in Tarn-Lackierung

Erst USAUnited States of America, dann Frankreich: Major Limmer und Hauptfeldwebel Jacobs werden in Arkansas auf der C-130J ausgebildet, bevor sie nach Évreux gehen. Die C-130A hinter ihnen war am Ende des Vietnamkriegs 1975 an der Evakuierung aus Saigon beteiligt.

privat

„Man muss die Maschine mögen, an der man arbeitet“

Hauptfeldwebel Patrick Jacobs*, der als Avioniker ebenfalls in den USAUnited States of America für die neueste Version der Super Hercules ausgebildet wird, freut sich ebenfalls auf die Herausforderung. „Ich stehe voll hinter diesem Projekt und freue mich, schon ab Mai zunächst in Orléans an der C-130J zu arbeiten und dann ab August mit meiner Familie nach Évreux zu ziehen.“ Der Berufssoldat ist gelernter Elektroinstallateur, Avioniker für den A310 und war im Kommando Luftwaffe an der Planung für die binationalen Staffel beteiligt. Nun tauscht er wieder den Schreibtisch gegen den Schraubenschlüssel, um an der C-130J zu arbeiten. „Man muss das Flugzeug mögen, an dem man arbeitet. Die Super Hercules ist eine tolle und einsatzerfahrene Maschine.“

Eine KC-130J im Flug.

Die Maschine für die Luftbetankung: Das Tankerflugzeug KC-130J von Lockheed Martin ist durch die zwei Zusatztanks und die zwei Betankungsbehälter unter den Tragflächen gut von der C-130J zu unterscheiden

Lockheed Martin/David Key

Limmer und Jacobs gehören zu den 40 deutschen Piloten, Technikern, Ladungsmeistern, Sachbearbeitern und Verwaltungsmitarbeitern, die dann ab August nach Évreux kommen. Der französische Teil der Staffel beginnt den Umzug bereits einen Monat eher. „So können wir den gesamten Umzug bruchfrei gestalten“, sagt Oberstleutnant Braun.

Damit werden Ende 2021 rund 65 deutsche Luftwaffenangehörige bereits in Évreux sein. Insgesamt sollen es 160 bis zum Jahr 2024 werden. Der französische Anteil der Staffel wird in etwa gleich groß ausfallen. Gemeinsam schaffen sie ein Vorbild für alle künftigen binationalen Kooperationen.

Staffelstart ist im September

Im September nimmt die erste deutsch-französische Staffel dann ihren Dienst auf. Ihr Hauptauftrag wird es sein, neben nationalen Flugaufträgen auch Lufttransporte und -betankungen für das European Air Transport Command (EATC European Air Transport Command) durchzuführen. Diese multinationale Kommandobehörde in den Niederlanden plant, koordiniert und führt Lufttransporte, Luftbetankungen und MedEvacMedical Evacuation-Einsätze aller Partnernationen durch. Durch die zusammengelegten Flüge werden die eingesetzten Maschinen optimal ausgelastet. Zum EATC European Air Transport Command gehören Frankreich, die Niederlande, Belgien, Deutschland, Spanien, Luxemburg und Italien.

In Évreux geht es inzwischen längst um die konkreten Pläne für die Neuankömmlinge: Wer reist an welchem Tag an? Wann werden Tische und Computer geliefert? Wer benötigt erst mal eine Unterkunft auf der Base? Währenddessen werden in Orléans die gemeinsamen Abläufe detailliert aufeinander abgestimmt. „In jedem Land unterscheiden sich die Arbeits- und Vorgehensweisen etwas“, erklärt Oberstleutnant Braun. „Deshalb harmonisieren wir alle Bereiche unserer Zusammenarbeit sorgfältig, egal ob es um die Flugaufträge, das Verfahren beim Beladen oder die Wetterdaten geht. Denn in unserer Staffel arbeiten Deutsche und Franzosen immer in gemischten Teams, sowohl bei den Technikern als auch bei den Besatzungen.“

Die erste deutsche C-130J kommt Anfang 2022

Die binationalen Crews werden in den ersten Monaten mit den je zwei französischen C-130J und KC-130J unterwegs sein. Im Februar 2022 wird dann die erste deutsche Maschine ausgeliefert. Die weiteren fünf kommen jeweils im Abstand von etwa einem halben Jahr, so dass auch die Flotte bis 2024 komplett ist.

Eine C-130J fliegt über die Landschaft des Centre-Val de Loire in Frankreich.

Start in die deutsch-französische Staffelzukunft: Ab 2022 kommen auch die deutschen C-130J und KC-130J, dann direkt nach Évreux

Armée de l'air/Défense/Mathilde Defossez

* Name von der Redaktion geändert

von Stefanie Pfingsten
  • Christopher Bickert auf der Place du Général de Gaulle.
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    • Luftwaffe

    Unser "Spieß" in Évreux

    Oberstabsfeldwebel Christopher Bickert sorgt dafür, dass die deutschen Luftwaffenangehörigen und ihre Familien gut in Frankreich ankommen.

    • Evreux
  • Eine auf dem Flugplatz geparkte C130J
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