Luftwaffe

Unser "Spieß" in Évreux

Unser "Spieß" in Évreux

  • Infrastruktur
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Evreux
Lesedauer:
4 MIN

Bald ziehen die ersten Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe nach Évreux um. Dort entsteht die deutsch-französische Transportstaffel, die ab September 2021 mit Flugzeugen vom Typ C-130J und KC-130J weltweit Güter und Personen transportieren wird. Während die Piloten sich mit den Maschinen vertraut machen und andere Soldaten den gemeinsamen binationalen Betrieb aufbauen, sorgt Oberstabsfeldwebel Christopher Bickert dafür, dass sich alle Angehörigen der Luftwaffe, die mit ihrer Familie nach Évreux kommen, von Anfang an wie zuhause fühlen können.

Christopher Bickert steht vorm Eingang des Rathauses von Évreux.

Er öffnet die Türen in Évreux für die Angehörigen der Luftwaffe: Christopher Bickert knüpft Kontakte zu allen wichtigen Ansprechpartnern vom Rathaus in Évreux aus.

Thierry Bouffiés

Ein Rendezvous nach dem anderen

Oberstabsfeldwebel Christopher Bickert eilt von Rendezvous zu Rendezvous. Er ist seit Anfang September in Évreux und lernt seitdem ständig neue Menschen kennen. Doch das ist kein Privatvergnügen, sondern die Aufgabe des Kompaniefeldwebels. „Als Spieß bin ich hier wirklich die ‚Mutter der Kompanie‘. Ich bereite alles für die Ankunft der Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien vor“, erklärt der 50-Jährige.

Anfang April 2021 reist der militärische Stab an. Von Juli bis Oktober folgen zunächst etwa 50 deutsche Techniker und Piloten. Auch das Vorbereitungsteam aus Orléans kommt dann in die Normandie, auf die Base Aérienne 105, die Luftwaffenbasis am Flugplatz Évreux-Fauville. Im September nimmt die Transportstaffel den Dienst auf. Bis dahin sollen auch die neue Luftfahrzeughalle, das dreistöckige Staffelgebäude und das Verwaltungsgebäude auf dem Gelände des Flugplatzes fertig sein. Bis 2024 werden insgesamt 164 Soldatinnen und Soldaten zum deutschen Teil der Staffel gehören.

Viele Fragen zu Wohnung, Konto, Schule

Wenn die Familien in Frankreich ankommen, brauchen sie nicht nur eine Wohnung. Sie müssen ihr Auto ummelden, ein Bankkonto eröffnen, sich um Versicherungen, Sprachkurse und um Schule oder Kindergarten für den Nachwuchs kümmern. So ein Umzug in ein anderes Land bringt viele Fragen mit sich: Welches Amt ist zuständig? Welche Formulare muss ich ausfüllen? Was kann ich schon von Deutschland aus tun, was erst in Frankreich?

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Neben dem leeren Kofferraum von Bickerts Auto stapelt sich das Gepäck.

Vor seinem Umzug nach Évreux Anfang September musste auch Bickert selbst sich um alle Formalitäten kümmern. Ganz zuletzt war nur noch die Frage: Passt das ganze Gepäck ins Auto?

Bundeswehr/Catrin Bonse
Christopher Bickert mit seiner Doppelkochplatte für die erste Zeit ohne eigene Küche.

Da er erst vor Ort eine Wohnung suchen wollte, musste auch die Kochplatte mit. Inzwischen hat er eine Wohnung, natürlich mit Küche, und die Platte wurde „außer Dienst“ gestellt.

Bundeswehr/Catrin Bonse
Der vollgepackte Kofferraum von Christopher Bickerts Wagen.

Fast wie bei Tetris: Christopher Bickert konnte alles in seinem Auto unterbringen. Dann startete er von Schleswig-Holstein aus in die fast 1.100 Kilometer entfernte Normandie.

Bundeswehr/Catrin Bonse
Das neue Nummernschild „DF 7001“ an Christopher Bickerts Wagen.

Leicht zu erkennen: Christopher Bickerts Wagen hat in Évreux das Sonderkennzeichen „DF 7001“ bekommen. DF steht für die deutsche Armee in Frankreich, dann folgen die 7000er-Nummern.

Bundeswehr/Christopher Bickert

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All das klärt Christopher Bickert bei seinen „Rendezvous“, was in Frankreich einfach Treffen oder Termin bedeutet. Er spricht mit Lehrern, Ärzten, Immobilienmaklern, Firmenvertretern, Geschäftsinhabern und allen, die für das Leben und Arbeiten in Évreux wichtig sind. „So kann ich unsere Leute schon früh über alles informieren.“

Der Spieß im Rathaus

Bis Ende März hat er sein Büro im Rathaus von Évreux, bevor auch er auf die Base Aérienne 105 umzieht. Das ist sehr praktisch, denn so ist er mitten in der Stadt. Sein Schreibtisch steht quasi unter dem Dach, im obersten Stockwerk. Einen Aufzug gibt es nicht. „Das ist gut für die Figur“, sagt Bickert und lacht.

Christopher Bickert sitzt am Schreibtisch in seinem Büro.

Ohne Handy und Computer geht nichts: Christopher Bickert trifft zwar viele Menschen persönlich, doch er verbringt auch viel Zeit mit Mails und Telefonaten.

Thierry Bouffiés

Im Büro nebenan arbeitet Oliver Radle. Der Deutsche ist seit 22 Jahren Angestellter der Stadt. „Das ist ein großartiger Mensch“, sagt Bickert. „Er kennt alle und stellt mir jeden vor, erklärt mir, welche Aufgaben der- oder diejenige hat und welche Position.“ Die beiden sind schon nach wenigen Wochen ein eingespieltes Team. So hat der deutsche Spieß schon viele für seine Arbeit wichtige Menschen kennengelernt, vom Stadtrat bis zum Schuldirektor des Département#fr Eure.

Sprachprobleme hat der aus Neustadt an der Weinstraße stammende Bickert nicht. „Meine Mutter ist Französin und wir haben oft die französische Familie in Lothringen besucht. Das war ja nicht weit.“ Allerdings ist ihm das Reden lieber als das Schreiben. „Le grammaire c’est la guerre“, sagt er, was frei übersetzt bedeutet, dass er mit der französischen Grammatik ein bisschen auf Kriegsfuß steht.

Sprecht die Leute an, auch wenn Euer Französisch nicht perfekt ist.

Aber in Évreux sei das kein Thema. „Ich rate allen, die hierher kommen: Seid offen, geht auf die Leute zu, sprecht sie an, auch wenn Euer Französisch nicht perfekt ist. Keiner wird hier ausgelacht, im Gegenteil: Wer sich traut, kommt ganz schnell ins Gespräch und knüpft Kontakte.“ Er selbst hat damit die besten Erfahrungen gemacht und lernt jeden Tag neue Vokabeln dazu.

Im Moment bereitet Bickert eine Infomappe vor, damit alle, die nach Évreux kommen, sich sofort orientieren können. Sie enthält Kontakte zu den wichtigen Behörden, Kindergärten, Schulen, Arbeitgebern, Ärzten, Sportvereinen, Lokalen, Musikschulen, Einkaufsmöglichkeiten und zum Arbeitsamt. Fotos macht er auch. Und er steht für alle Fragen schon jetzt direkt als Ansprechpartner zur Verfügung.

30 Jahre Bundeswehr-Erfahrung

Der gelernte Telekommunikationselektroniker ist seit 1991 bei der Bundeswehr, seit 2000 Berufssoldat. 20 Jahre war er dann in Schleswig-Holstein zuhause, als Techniker und Prüfer für die Transall C-160 beim Lufttransportgeschwader 63. Früher hat Bickert auch an der Phantom und der MiGMikoyan-Gurewitsch-29 gearbeitet. Und er war oft in Einsätzen und Übungen: auf Sizilien, in Afrika, Afghanistan und den USAUnited States of America. Er liebt die Abwechslung. Um Spieß zu werden, hat er einen siebenwöchigen Lehrgang in Hannover gemacht.

Nach Évreux ist Christopher Bickert ohne seine Familie gekommen. Die will er regelmäßig besuchen, auch wenn das durch die erneuten Corona-Einschränkungen gerade schwierig ist. „Zum Glück konnte ich Anfang Oktober noch zur Hochzeit meiner Tochter reisen“, sagt er.

Christopher Bickert auf der Place du Général de Gaulle.

Angekommen: Der Oberstabsfeldwebel hat sich auf seine Arbeit als „Spieß“ in Évreux gefreut und es gefällt ihm hier noch besser als er es sich vorher vorgestellt hatte

Thierry Bouffiés

Traumjob in Évreux

Für den Oberstabsfeldwebel ist seine Arbeit in Frankreich der absolute Traumjob. Den will er bis zu seiner Pensionierung in fünf Jahren machen, vielleicht auch länger. „Ich möchte hierbleiben, bis die binationale Staffel voll einsatzbereit ist“, sagt er.

von Stefanie Pfingsten